Kampfabstimmung um Schatzmeisterposten

Zum geschäftsführenden CDU-Kreisvorstand gehören Christian Berndt, Dirk Bettels, Ute Bertram, Bernhard Evers, Anke Winter, Axel Witte und Maria von Berg. (Foto: Vollmer)
 
Die 95 Delegierten stimmten auch über einen Antrag zur Sicherung der Krankenhausversorgung im südlichen Landkreis ab. Links im Bild die Bockenemer Delegierten. (Foto: Vollmer)

CDU kam zum Kreisparteitag zusammen / Antrag zur Sicherung der Krankenhausversorgung im südlichen Landkreis

Weil es eine Kampfabstimmung war, mussten die Delegierten beim CDU-Kreisparteitag in Hönze einzeln zur Abstimmung antreten. Wie sie sich dabei zu verhalten hatten, wurde ihnen von Geschäftsführer Gero Wessel klipp und klar mit auf den Weg gegeben.

Nur gegen die graue Stimmkarte bekamen die Vertreter der Ortsverbände einen Wahlzettel ausgehändigt, auf dem die 95 Teilnehmer dann in geheimer Wahl ihr Kreuzchen abgeben durften. Über den korrekten Ablauf wachten vor den Kabinen die Mitglieder der Stimmzählkommission. Bei der geheimen Wahl ging es nicht etwa um das Amt des Kreisvorsitzenden Christian Berndt, der zuvor mit 80 von 95 Stimmen eine große Mehrheit verbuchen konnte. „Das ist ein ehrliches Ergebnis und ein Vertrauensbeweis“, kommentierte Christian Berndt seine Wiederwahl.
Vielmehr war an dem Abend ein Kampf um den Posten des Schatzmeisters entbrannt. Nachdem der Kreisvorstand Dirk Bettels zur Wiederwahl vorgeschlagen hatte, brachte dann ein Delegierter den Hildesheimer Juristen Peter Bodenstedt ins Spiel. „Ich finde es nicht gut, dass Streitereien aus der Stadt in den Kreisverband hineingetragen werden. Wo wären wir mit Finanzen, wenn es Dirk Bettels in dieser Position nicht gebe“, kommentierte die frühere Landtagsabgeordnete Ursula Ernst den Vorschlag aus der Stadt. Das geheime Votum brachte dann mit 64 Stimmen die erneute Wahl des bisherigen Finanzchefs Dirk Bettels. 25 Delegierte wollten lieber Peter Bodenstedt in dem Amt sehen. Fünf enthielten sich.
Eine personelle Veränderung gab es bei den stellvertretenden Kreisvorsitzenden. Für Christa Fischer, dessen Amtszeit abgelaufen war, wurde nun die 52 Jahre alte Architektin Anke Winter aus Hildesheim in den Kreisvorstand gewählt. „Ich möchte die Zukunft der CDU im Kreis mitgestalten“, erklärte die Hildesheimerin, die bei der evangelischen Kirche in der Bauunterhaltung tätig ist. Seit 2009 ist Anke Winter Mitglied bei den Christdemokraten. Sie gehört als Beisitzerin dem Stadtverband sowie der Frauen-Union an. Die neue Stellvertreterin möchte in Zukunft viel mit jungen Leuten über Politik sprechen. Auch die Situation auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt im Kreis liegen ihr am Herzen. Ute Bertram (Alfeld), Dr. Bernhard Evers (Bad Salzdetfurth) und Axel Witte (Schellerten) bleiben als Stellvertreter im Amt. Maria von Berg (Schellerten) gehört dem Kreisvorstand weiter als Schriftführerin an.
Viele Kreuzchen mussten die Delegierten auch bei den 15 Wahlvorschlägen für die Beisitzer machen. In seinem Bericht ging der Kreisvorsitzende Christian Berndt hart mit der rot-grünen Landesregierung ins Gericht: „Wenn sie mal etwas tut, dann ist es das Falsche.“ Kritik übte er auch am sogenannten „Südniedersachsenplan“, der Fördermittel für strukturschwache Gebiete verspricht. Die Region um Hildesheim gehöre nicht dazu. Kritisch sieht Berndt eine mögliche Fusion mit dem Landkreis Peine. Es gebe wenige bis gar keine Kontakte untereinander. „Eine Verschmelzung bringt nur Nachteile für Hildesheim und Vorteile für Peine. Es spricht nichts gegen Fusionsüberlegungen, bei den Bürgern muss aber etwas ankommen“, betonte der Vorsitzende. Bei zwei kranken Partnern käme am Ende kein gesunder heraus. Ein ganz wichtiger Punkt sei die Leistungsfähigkeit des neu gebildeten Kreises.
Dass Parteiarbeit keine Selbstverständlichkeit ist, machte Berndt den Mitstreitern aus dem Kreis ebenfalls deutlich. Es sei oftmals nicht einfach, Männer und Frauen zu gewinnen, die sich dauerhaft in der Partei engagieren. Der Kreisvorsitzende blickte schon mal auf die Kommunalwahl in zwei Jahren. „Wir brauchen junge Leute, die ein Amt in der Kommunalpolitik übernehmen“, so Berndt. Daher sei es von großer Bedeutung, die Listen im Jahr 2015 vernünftig vorzubereiten. Bis zur Kommunalwahl werde noch in Bockenem ein Bürgermeister gewählt. „Das ist sicherlich ein Selbstläufer für Martin Bartölke. Wehe, wenn nicht“, meinte der CDU-Mann.
In einem Antrag fordert der Kreisverband, dass der Landkreis Hildesheim und die Landesregierung aktiv an der Ausgestaltung einer zukunftsfesten Krankenhausversorgung mitwirken. Insbesondere sei die Krankenhausversorgung im südlichen Bereich zu sichern, damit sich diese nicht nur auf die Krankenhäuser in der Stadt Hildesheim stützen. „Der Landrat wird aufgefordert, mit den Trägern der Krankenhäuser in Alfeld und Gronau eine Lösung anzustreben, die diesem Erfordernis gerecht wird und beide Häuser schleunigst aus den negativen Schlagzeilen herausbringt“, heißt es in dem vom Kreisparteitag verabschiedeten Papier. Die Bundestagsabgeordnete Ute Bertram befürchtet, dass sich die Situation für die Bürger im Südkreis verschlechtern könnte. Sie sieht den Landrat in seiner Pflicht, einen Konsens für eine gute Versorgung im südlichen Landkreis sicherzustellen.
Beim Kreisparteitag wurden ebenfalls drei Urgesteine der CDU ausgezeichnet. Seit 60 Jahren hält der Ehrenvorsitzende Hermann Schnipkoweit (Borsum) der Partei nun schon die Treue. Auf eine 55-jährige Zugehörigkeit blickt Bernward Trouw aus Hildesheim zurück. Bernhard Schrader aus Giesen hält den Christdemokraten seit einem halben Jahrhundert die Treue.