„Freundlich im Ton, aber hart in der Sache!“

Nach mehr als 30-jähriger Tätigkeit im Ortsrat Ildehausen wurde Norbert Stephan (2. von links, hier mit Ehefrau Helga) am Mittwoch feierlich verabschiedet. Jeweils einstimmig wurden Michael Conzen (rechts) zum Ortsbürgermeister und Ralf Kleinfeld (links) zum stellvertretenden Ortsbürgermeister gewählt.

Norbert Stephan nach 31 Jahren aus Ortsrat Ildehausen verabschiedet / Michael Conzen neuer Ortsbürgermeister

So gut wie am Mittwoch dürfte eine Sitzung des Ortsrates Ildehausen noch nie besucht gewesen sein. Es hatte fast den Anschein, als ob ein höchstbrisanter Tagesordnungspunkt die rund 100 Besucher ins Dorfgemeinschaftshaus gelockt hatte. Dem war zwar nicht so, aber der Anlass für dieses Interesse war durchaus ein bedeutender. Zum letzten Mal nämlich tagte der Ortsrat an diesem Abend unter dem Vorsitz von Norbert Stephan (SPD). Nach 31-jähriger Tätigkeit im Ortsrat Ildehausen – davon zehn Jahre als stellvertretender Ortsbürgermeister und 21 Jahre als Chef des Gremiums – hat der Kommunalpolitiker am Mittwoch sein Mandat im Ortsparlament wie angekündigt niedergelegt. Im Rat der Stadt und auch im Kreistag wird er aber weiter aktiv sein.
Der offizielle Teil der Sitzung war schnell abgehakt. Stephan verwies in seinem Bericht lediglich auf anstehende Termine und ließ sich von Seesens Bürgermeister Erik Homann versichern, das nach dem Stand der Dinge mit dem Ausbau der L 526 im kommenden Jahr begonnen werde. Wichtigster Punkt an diesem Abend war zweifelsohne die Wahl eines neuen Ortsbürgermeisters. Ergebnis: Michael Conzen (SPD) wird die Nachfolge von Norbert Stephan antreten, ihm als Stellvertreter zur Seite steht Ralf Kleinfeld (SPD). Beide Wahlen erfolgten einstimmig. Nachrücken in den Ortsrat wird Ines Uhde, nachdem Marc Täschner auf die Ausübung seines Mandates verzichtet hatte.
Kleinfeld war es dann auch, der als langjähriger politischer Weggefährte als Erster das Wirken Stephans würdigte. „Heute geht eine Ära zu Ende“, stellte er fest und bescheinigte Norbert Stephan, seine Ziele stets hartnäckig verfolgt zu haben. „Du hast dich um das Dorf verdient gemacht und viel für Ildehausen erreicht; wir sagen Danke für die vielen Jahre“, so Kleinfeld.
„Ich habe einmal Ihren Personalbogen studiert“, sagte Seesens Bürgermeisters Erik Homann an Norbert Stephan gewandt in der sich anschließenden Feierstunde. Dort seien genau fünf Zeilen für Ortsratstätigkeiten vorgesehen – für fünf Wahlperioden. Die reichten für Norbert Stephan aber längst nicht mehr aus; man habe improvisieren müssen, da er mittlerweile bereits in der siebten Wahlperiode aktiv sei. Der Verwaltungschef lobte Stephans sachliche und ergebnisorientierte Arbeit: „Sie machen die Dinge so, wie Sie es für richtig halten, freundlich im Ton, aber hart in der Sache.“ Dabei sei er nie ein Spalter, sondern immer jemand gewesen, der die Dinge zusammenbringe; einer, mit dem man gerne Zeit verbringe und auch mal ein Bierchen trinke.
Diesen Worten konnte sich Landrat Stephan Manke nur anschließen. Er bescheinigte Norbert Stephan, den Zeitpunkt gut gewählt zu haben, um Verantwortung in jüngere Hände abzugeben. Er habe stets selbst die Ärmel hochgekrempelt und nicht andere die Kastanien aus dem Feuer holen lassen. Der Ortsrat verliere einen wichtigen Mitstreiter, der große Fußstapfen hinterlassen habe.
Dass es an diesem Abend viele Abschiedsgeschenke für den 63-Jährigen gab, versteht sich wohl von selbst; so unter anderem von den örtlichen Vereinen, für die sich stellvertretend Dieter Kruse für das jahrzehntelange Engagement bedankte, Kirsten Conzen als Vorsitzende des Selbsthilfekindergarten-Vereins oder auch Tochter Maren, die im Archiv des Seesener Beobachter gestöbert hatte und den politischen Weg ihres Vaters auch in Zeitungsausschnitten nachzeichnete.
Das Schlusswort hatte natürlich Norbert Stephan selbst. Er habe die Arbeit gern gemacht und dabei stets Wert darauf gelegt, dass bei aller Zähe und Härte in der Sache das Zwischenmenschliche nicht zu kurz komme. „Wie seinerzeit schon Altbürgermeister Karl Fuhse, so habe auch ich mich stets als Erster unter Gleichen gefühlt“, sagte er. Das Wohl der Bürger habe ihm stets am Herzen gelegen. Er blickte noch einmal auf das in den vergangenen Jahrzehnten Erreichte zurück, erinnerte unter anderem an die Fertigstellung von Kanalisation und Dorferneuerung, an das Baugebiet Am Kleinen Rode und die Erschließung des Gewerbegebiets, an Feuerwehrgerätehaus- und DGH-Ausbau, die Erstellung eines Ildehäuser Ortswappens und einer Chronik, die HZV-Gründung und die rege Seniorenarbeit. Stephan dankte allen Wegbegleitern, der Familie und der Stadt für die Unterstützung und betonte, im Rat der Stadt und im Kreistag weiter für Ildehausen zu streiten. Bevor ihm abschließend donnernder Applaus gezollt wurde, fand Norbert Stephan in aller Bescheidenheit noch ein Willy-Brandt-Wort für seine Arbeit: „Ich habe mich bemüht.“