Neues Gefechtsfeld liefert sensationelle Funde

Prof. Dr. Günther Moosbauer, Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne, Landrat Michael Wickmann, die Nieders. Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Prof. Dr. Johanna Wanka, Präsident des Nieders. Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Stefan Winghart, und Landesarchäologe Dr. Henning Hassmann während der Pressekonferenz.

Römisch-germanisches Schlachtfeld Harzhorn / Prospektion im Umfeld bringt römische Pionieraxt ans Licht

Im Rahmen einer Pressekonferenz beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover wurden jetzt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Funde vom römisch-germanischen Schlachtfeld am Harzhorn vorgestellt. Bereits Ende 2010 war es den beiden Grabungstechnikern Thorsten Schwarz und Michael Brangs im Rahmen der andauernden Geländeprospektionen gelungen, ein völlig neues Gefechtsfeld zu entdecken und einzugrenzen.
„Auf der Suche nach Antworten auf die Frage, woher die Römer kamen und auf welchen Routen sie weitermarschierten, haben wir fortlaufend auch Prospektionen im Umfeld des Harzhorns vorgenommen, wobei dann schließlich das neue Gefechtsfeld entdeckt wurde“, so Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne.
In der Folge förderte ein Jahr ungestörte Prospektion des neuen Areals Spektakuläres zu Tage. Zahlreiche einmalige Fundstücke, darunter unter anderem Münzen, eine schwere Axt, zwei schwere Wurflanzen (sogennnte Pila) sowie ein Amboss, Helmfragmente und Lanzenspitzen kamen zum Vorschein.
Aus der Art der Waffenfunde und deren Beschädigungen lässt sich folgern, dass hier, im Gegensatz zu den Fundplätzen auf dem Höhenrücken des Harzhorns, erbitterte Kämpfe von Mann zu Mann stattgefunden haben müssen.
Absolutes Highlight der Funde ist aber eine sogenannte Dolabra, eine römische Pionieraxt aus Eisen, die neben ihrer erstaunlichen Unversehrtheit als Überraschung im Zuge der Res­taurierung noch eine lesbare Inschrift parat hielt.
Etwa drei Monate hat es nach den Worten von Prof. Moosbauer von der Universität Osna­brück gedauert, bis die Inschrift gedeutet war. Damit ist jetzt klar, dass die Dolabra einst zur vierten Legion gehörte, die zur damaligen Zeit in Singidunum, dem heutigen Belgrad, stationiert war und an dem Germanenfeldzug des römischen Kaisers Maximinus Thrax im Jahre 235 n. Chr. beteiligt war. Es dürfte sich damit um ein sehr großes Heer, möglicherweise mehrere zehntausend Mann, gehandelt haben, welches sich einst im Bereich des Harzhorns offenbar erbitterte Kämpfe mit den Germanen lieferte.
„Nicht zuletzt angesichts der sensationellen Neufunde müssen wir gemeinsam auch die touristische Inwertsetzung des antiken Schlachtfeldes vorantreiben“, so Landrat Michael Wickmann, mit Blick auch auf die im Jahr 2013 geplante niedersächsische Ausstellung im Landesmuseum Braunschweig. „Dr. Heike Pöppelmann, der Direktorin des Landesmuseums, gebührt für ihre konstruktive Zusammenarbeit, ihre Ideen und Visionen ein besonderer Dank“, so Landrat Wickmann weiter, der zugleich gespannt auf die Vorstellung des beauftragten Konzepts zur touristischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Harzhornfundplatzes im Frühjahr/Sommer 2012 wartet.