Die Sintflut als Metapher

Der Teufel und der liebe Gott im Dialog.
 
Protest- und Antikriegslieder standen bei „CHB” im Blickpunkt.

„Church-hills Blasenleiden“ meinte es diesmal im wahrsten Sinne des Wortes ernst

„Wozu sind Kriege da?“ fragte naiv und direkt der 10-jährige Elias Meyer während des Konzerts von „Church-hills Blasenleiden“. Der Lindenberg-Song gehörte zu einem Dutzend Protest- und Antikriegsliedern, die von der Kirchberger Band ausgesucht worden waren, um das Publikum angesichts eines offensichtlichen neuen kalten Krieges nachdenklich zu stimmen. CHB meinte es also diesmal ernst. Die Sintflut als Metapher für den Untergang der Menschheit durch selbst gemachte Katastrophen war das Thema des Abends. Im Spagat zwischen göttlich und gottlos schritten die neun Musiker wieder einmal „im engen Bretterhaus den ganzen Kreis der Schöpfung aus“.

Und Goethes „Faust“ hatte auch Pate gestanden, als Gott und Teufel (Ralph Wagner und Ralf Meyer) im Dialog unterschiedlicher Ansicht darüber waren, ob die Menschheit noch einmal davonkommen könnte. Für sein Vernichtungswerk rief Luzifer alle Vertreter des Bösen auf die Bühne: Kain (Gösta Grabau), der erste aller Verbrecher, einen Bomberpiloten (Gabor Wuttke) als todbringenden Vollstrecker, den General (Rudi Wuttke), dem der Krieg wie eine Badekur bekommt, einen Waffenhändler (Charlie Junge), der weder Freund noch Feind kennt, dann die gefühllose und die Herzen versteinernde Medusa (Petra Wagner), den Terminator (Hartwig Henze) als Symbol des Maschinenmenschen aus der Zukunft und schließlich Gevatter Tod (Julian Förster), der auch in diesem Jahr wieder reiche Ernte einfahren will.
Mit der Vorstellung dieser Teufelsbrut endete der Prolog. Mephistos dienstbare Geister verweigerten ihrem Herrn den Dienst und schlugen sich auf die Seite des Guten. Sie enterten die Bühne und brachten ein breites Spektrum anspruchsvoller Songs aus den letzten 50 Jahren zu Gehör, wobei dann leider resumiert werden musste, dass die darin enthaltenen deprimierenden Perspektiven („Eve of destruction“ oder „In the year 2525“) sich zu bestätigen scheinen.
Die Hoffnung, dass kommende Generationen es vielleicht besser ausrichten, brachten neben dem großartigen Elias Meyer auch Julia Schwerdtner und Lennart Wagner zum Ausdruck, die in überzeugender Harmonie und jugendlicher Frische „Hallelujah“ von L. Cohen vortrugen.
CHB wollte nach fast zwei Stunden sein geduldiges und dankbares Publikum nicht trostlos in die Pause schicken und intonierte mit „All you need is love“ die passende Lösung für viele Probleme. Bei diesem Schlusspunkt wurden die Musiker von ihren drei Nachwuchsstars kräftig unterstützt.
Nach dieser schwierigen Diagnose der menschlichen Situation hatte das Publikum Anspruch auf Lockerung und machte davon im Getümmel auf der Tanzfläche regen Gebrauch.
Die Band präsentiert sich zurzeit in folgender Besetzung: Gösta (Git./Gesang), Charlie (Bass-Git.), Gabor (Gesang, Harp), Rudi (Schlagzeug), Petra (Posaune/Flöte), Hartwig (Gesang), Ralph (Saxophon, Gesang), Roland (Piano/Geige) und erstmals mit Gitarre dabei und glänzend präpariert Julian, der für den auf eigenen Wunsch ausgeschiedenen langjährigen Mitstreiter Bernd Böhm eingestiegen war.
Wieder einmal war die Band  von vielen Helfern im Service-Bereich unterstützt worden, ohne sie wäre diese jährliche Großveranstaltung nicht zu organisieren.