Über 600 Besucher rocken in Kirchberg bis tief in die Nacht

   

So war das diesjährige Kirchberg-Open-Air /Hinter den Kulissen:Wer will mit zum Metalcamp?

Von Sandy Heinzel, Kirchberg

Kirchberg hat sich mit dem diesjährigen Kirchberg- Open-Air eindrucksvoll als Hochburg der Rockmusik zurückgemeldet. Die Bilanz:Mehr als 600 Besucher und Freunde der gepflegten Abend­unterhaltung fanden sich ein, um gemeinsam etwa 1200 Liter Bier zu verinnerlichen und vor allem eines – um richtig zu rocken. Und dafür hatte der Veranstalter, der TSE Kirchberg, nicht zu viel versprochen. Professionelle Organisation und ein erstklassiges Line-up waren wieder einmal Garant für ausgelassene Stimmung und begeisterte Fans. Und auch Petrus hatte an diesem Abend wohl seine Rockerkutte angezogen und war der heiteren Meute versöhnlich gesinnt. Er sorgte dafür, dass der Regen der vergangenen Tage ausblieb und sich die Sonne das ein oder andere Mal blicken ließ. Und auch wenn die Sportwoche des TSEKirchberg selber unter keinem guten Stern stand, konnte sich die Sommerparty zum Abschluss der Woche sehen lassen. Kurzum: Ein Abend, der seinesgleichen sucht.
Bereits zu Beginn der Veranstaltung hatten sich die ersten Besucher, darunter eine illustre Fangemeinde der Gruppe „Faithful Enemy“ am Sportplatz eingefunden. Die vier Musiker um den Kirchberger Schlagzeuger Malte Uhde eröffneten das Open-Air-Event am Samstagabend. Die Band hat sich dem modernen Metal verschrieben und findet ihre Inspiration in der Musik von Bands wie „System Of A Down“ oder „Rise Against“. Aller Anfang ist schwer, dass wissen bühnenerprobte Musiker nur zu gut. Aber die Jungs von „Faithful Enemy“ überspielten ihre Aufregung gekonnt und rissen die noch recht spärlich gesäten Besucher umso mehr mit. Wer erst zu vorgerückter Stunde auf das Festgelände kam, hat definitiv einen stimmgewaltigen Auftritt der jungen Formation verpasst.
Ihren Namen alle Ehre machten im Anschluss die Band „Penguin Brigarde“. Sichtlich cool und schon mit etwas mehr Bühnenerfahrung nutzten sie die bereits von „Faithful Enemy“ aufgeheizte Stimmung und ließen es einmal mehr krachen. Die fünf Jungs um den sympathischen Songwriter und Gitarristen Marc Hölscher präsentierten an diesem Abend erstmals ihr komplettes Best-Of-Programm. Dabei handelte es sich um einen Querschnitt aus Liedern, die von den Bandmitgliedern in der Vergangenheit in anderen Bands und Formationen erarbeitet wurden. Zu dem Bühnenprogramm zählten aber auch einige bekannte Cover-Songs. Sänger Maik Prittschke, Gitarrist Marc Hölscher, Gabor Wuttke am Bass und Marc Ziegenbein am Schlagzeug lieferten wieder eine geniale Show ab und ließen vielleicht auch das ein oder andere Frauenherz mit dem genialen Bühnenoutfit des Bassisten höher schlagen.
Nach einer kurzen Umbauphase und einem Sound­check betrat schließlich die als Top-Act angekündigte Band „Lizzy Reloaded“ die heiligen Bretter des Kirchberg- Open-Airs. Die „Thin Lizzy“-Tribute-Band huldigt das Schaffen und das musikalische Vermächtnis des unvergessenen Philip Parris Lynott, Gründer und Bassist der Band „Thin Lizzy“. Sänger und Gitarrist Chris Lyne, Andreas Scholle (ebenfalls Gesang und Gitarre) brachten den unvergesslichen Sound der 70er und frühen 80er Jahren gemeinsam mit Frank Bansemer am Bass und Stefan Woicke am Schlagzeug den Kirchberger Rockfreunden zu Gehör. Und auch wenn der Bereich vor der Bühne schon wesentlich gefragter war, wie zu Beginn der Veranstaltung, hätten sich die vier Musiker sicherlich etwas mehr Begeisterung erhofft. Zwar sah man im Publikum den ein oder anderen Fuß zum Takte wippen und auch ein paar dezent nickende Köpfe – aber die richtige Partystimmung kam bei den Besuchern nicht so richtig auf. Sie ließen sich nur schwer mitreißen. Schade eigentlich, war der Sound doch wirklich gut – die Jungs haben wirklich alles versucht, ihre Idole aus den 70ern auferstehen zu lassen und das Publikum zu animieren.
Wenn man zu diesem Zeitpunkt meinen wollte, die Gäste des Kirchberg-Open-Air wären langweilig, so sah man sich nur wenig später getäuscht. Ganze Fanchöre positionierten sich direkt vor der Bühne, schon bevor überhaupt der erste Akkord gespielt wurde und scharrten ungeduldig mit den Hufen: „The Spoons“ waren an der Reihe. Zusammengewürfelt aus bekannten Seesener Bands wie „Bedevilment“ und „Starvin Millionaire“ eroberten die fünf Männer die Bühne. Das anfängliche Spaßprojekt hat sich mittlerweile zu einem fes­ten Bestandteil der Seesener Rockszene etabliert. Sie sollten den eigentlichen Top-Act des Abends in den Schatten stellen und den Besuchern wieder Leben einhauchen. Die Krawattenträger steckten die Masse mit ihrer guten Laune an und feierten eine gute Stunde lang eine riesige Party – auf und vor der Bühne. Mit voller Kraft traten Kolja Feix (Gesang), Robin Pfeil (Gitarre), Viktor Holzberger (Gitarre), Oliver Brüning (Bass) und Marvin Skott (Schlagzeug) auf das Gaspedal und coverten alles, was nicht niet- und nagelfest war. Moderne Rockmusik und College Punk von den „Donots“ über die „Foo Fighters“ bis zu „Blink 182“ entfalteten ihre Wirkung und sorgten dafür, dass kein Bein ruhig stehen blieb. Ihre Bühnenshow wird den Besuchern wohl sicher etwas länger im Gedächtnis bleiben. Nicht nur das gegenseitige zuprosten mit Gitarrist Robin, sondern auch der unverhoffte Auftritt eines Mannes mit einem skurrilen Pilonenhut dürfte bei so manchen in Erinnerung bleiben. Für ihn wurde der Auftritt sogar kurz unterbrochen, denn er hatte schließlich eine wichtige Frage ans Publikum: „Wer will mit zum Metalcamp?“
Gekrönt wurde der Abend zu guter Letzt von „General Daniels“. Die Gentleman des Rock fühlen sich auf den Bühnen dieser Welt zuhause. Ihre Mission:Rock und Spaß – all night long. Die Band um die Kirchberger Urgesteine Gösta Grabau (Bass) und Martin Lüders (Gesang) kann auf etliche Headliner Auftritte zurückblicken und hat es bis jetzt immer geschafft, den Zuschauerraum in einen Hexenkessel zu verwandeln. Begleitet von den beiden Gitarreros Reiner Nagel und Claus Loisl und getrieben vom Schlagzeuger Ralf Reger gab es auch für die Letzten spätestens jetzt kein Halten mehr.


Nachgefragt: Hinter den Kulissen erklärte der „Mann mit dem Pilonenhut“, alias Steffen Horn, gegenüber dem „Beobachter“, dass er auf der Suche nach Mitfahrern zum Metalcamp 2012 in Slowenien ist. Er startet gemeinsam mit sechs weiteren Metalfans in einem luxuriösen Neunsitzer am 4. August in Seesen: Eine Woche Metal-Urlaub stehen auf dem Plan. Und hierfür hat die sympathische Truppe aus Seesen noch zwei Sitzplätze (inklusive Karten) zu vergeben. Also:Wer will mit zum Metalcamp?Wer mehr erfahren möchte, kann sich mit Steffen Horn unter 0176 - 92 66 18 43 in Verbindung setzen.