MGV Königsdahlum gibt nach 139 Jahren auf

Gute Miene zum bösen Spiel der Auflösung (von links): Rainer Philipps, Rainhard Böttcher, Siegfried Strauß, Gustav Philipps und Peter Dübbers.

Zwei Jahre ruhte der Chor, nun wurde das endgültige Ende beschlossen

Die Mitglieder des MGV „Germania“ Königsdahlum trafen sich zur letzten Jahreshauptversammlung in der Geschichte des Vereins. Im Jahre 2012 hatte man beschlossen, den Verein zwei Jahre ruhen zu lassen um vielleicht einen Neuanfang starten zu können. Leider ist dieses nicht gelungen.

Der kommissarische Vorsitzende Rainer Philipps eröffnete die letzte Sitzung und konnte die Ortsbürgermeisterin Katharina Spengler, den Ortsbrandmeister Alexander Heinz, für die AG Dorfgemeinschaftshaus Sven Meinecke und den Ehrenvorsitzenden des MGV Gustav Philipps begrüßen.

Streifzug durch die
Geschichte des Vereins

Nach den Berichten des Schriftführers und des Kassenverwalters erinnerte der Ehrenvorsitzende noch einmal an die vergangenen 139 Jahre Vereinsbestehen. 1875 wurde der MGV gegründet. Dirigent wurde der Lehrer und Kantor Hachfeld, der dieses Amt erst im Jahre 1900 im Alter von 82 Jahren an seinen Nachfolger als Lehrer und Kantor Karl Steinmetz abgab. Im Jahre 1902 fand dann eine einschneidende Sitzung statt in der die Statuten neu geregelt wurden. Von da ab gibt es auch protokollarische Aufzeichnungen. Es müssen sehr strenge Regeln zur Aufnahme gegolten haben, denn Paragraph 1 der Statuten verlangte eine Abstimmung über die Aufnahme mit weißen und schwarzen Bohnen. Vorsitzender in der Sitzung wurde Wilhelm Breyhahn. 1905 wurde dann das 30-jährige Bestehen gefeiert. Der Erste Weltkrieg unterbrach den Singbetrieb, der aber nach dem Krieg wieder aufgenommen werden konnte. Im Jahre 1925 wurde das 50-jährige Jubiläum ganz groß gefeiert.
Im Jahre 1932 übernahm Hermann Schmidt den Vorsitz des Vereins. Welcher Geist im Jahre 1933 im Verein Einzug gehalten hatte kann man dem Protokoll entnehmen: „Der MGV hat nun keinen Vorsitzenden mehr sondern einen Vereinsführer!“ Gleichzeitig wurde der noch bestehende Arbeitergesangverein zwangsweise aufgelöst. 1935 wurde das 60-jährige Jubiläum mit der Übergabe einer neuen Fahne gefeiert. Diese trug den Wahlspruch „Wahr das Wort, rein der Klang, treu das Herz, lebenslang!“. 1938 löste Heinrich Ernst den Dirigenten Steinmetz ab. Unter der musikalischen Leitung von Karl Steinmetz wurden bei Wettsingen etliche Pokale errungen. Leider musste auch durch den Zweiten Weltkrieg der Singbetrieb unterbrochen werden.
Im Januar 1948 konnte der Singbetrieb wieder aufgenommen werden. 1955 musste Lehrer Ernst aus gesundheitlichen Gründen sein Dirigentenamt zur Verfügung stellen. Es übernahm Herr Klemty, der auch den gleichzeitig existierenden Gemischten Chor Königsdahlum leitete. Als dieser im Jahre 1959 verzog, ruhten beide Vereine. Der Gemischte Chor ist nie wieder in Gang gekommen.
Am 1. April 1965 konnte Gustav Philipps den jungen Dirigenten Dieter Türnau aus Bockenem verpflichten und so wurde der Singbetrieb wieder aufgenommen. Durch sein Engagement bei den Übungsabenden konnte der MGV bereits beim Ambergausingen 1965 mit einem Lied auftreten. Vorsitzender wurde Hermann Uelsmann. Gleichzeitig wurde in dem Jahr noch das 90-jährige Jubiläum mit einem Zeltfest gefeiert. Leider musste der Dirigent aus beruflichen Gründen der Verein zum Jahresende 1965 verlassen. Es konnte der damalige Rektor der Königsdahlumer Schule, Kurt Leßner, gewonnen werden. Im Jahre 1969 übernahm Gustav Philipps den Vorsitz des MGV.

Feuer beendet Zeltfest zum 100-jährigen Bestehen

Im Jahr 1975 wurde dem Verein aufgrund seines 100-jährigen Bestehens die Zelterplakette verliehen. Auch dieses Jubiläum wurde mit einem Zeltfest gefeiert. Ein Feuer unterbrach den Kommersabend um Mitternacht jäh. Im Jahre 1980 wurde der Frauenchor Königsdahlum gegründet. Beide Chöre übten auch einige Lieder zusammen ein, so dass bei Auftritten teilweise über 80 Sängerinnen und Sänger auf der Bühne standen.
In den Jahren 1980 bis 1986 pflegte der MGV durch die beruflichen Kontakte des Vorsitzenden Gustav Philipps nach Erichshof – ein Vertreter einer Bremer Reederei sang im Erichshofer Chor – regelmäßige gemeinsame Konzerte in Erichshof und Königsdahlum. Leider musste der Erichshofer Chor bereits 1986 wegen Überalterung seinen Singbetrieb einstellen.
Im Jahre 1989 übernahm Siegfried Strauß das Amt des Dirigenten und Jürgen Kiehne löste Gustav Philipps als Vorsitzenden ab. Leßner wurde zum Ehrenchorleiter und Philipps zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Nach Jürgen Kiehne folgten Rainer Kammann und zuletzt Wolfgang Zajons. Sie konnte aber alle nicht mehr verhindert, dass die Zahl der Sänger stetig abnahm. So war die Zahl der aktiven Sänger im Jahr 2012 soweit gesunken, dass ein Singen nicht mehr möglich war. Einige Sänger unterstützten noch den Frauenchor bei den vorher gemeinsam gesungenen Liedern. Als dieser dann aber plötzlich durch den Rücktritt des Vorstandes das Singen aufgab war auch für die letzten Sänger kein Singen mehr möglich. Soweit der Rückblick.
Ehrenvorsitzender Gustav Philipps stellte dann auf der jetzt durchgeführten Versammlung den Antrag, den Verein endgültig aufzulösen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Den nach Abzug der Kosten für die Jahreshauptversammlung verbleibenden Kassenbestand in Höhe von zirka 100 Euro soll laut Beschluss die Ortsbürgermeisterin zweckgebunden für den Spielplatz Königsdahlum erhalten.
Grußworte richtete die Ortsbürgermeisterin, der Brandmeister und der Vertreter der AG DGH an die Runde, nicht ohne einen „Wehrmutstropfen“ mitgebracht zu haben. Damit ist der MGV „Germania“ Königsdahlum nach 139 Jahren nun Geschichte.