„Die Probleme endlich beim Namen nennen!“

Die JHV der Feuerwehr Lutter endete mit kritischen Anmerkungen Matthias Ebelings, die eine kurze Debatte auslösten. Foto: Jung

Kritische Anmerkungen von Matthias Ebeling zum Schluss der JHV der Freiwilligen Feuerwehr Lutter am Barenberge

Von Gerd Jung, Lutter

Das Buffet war schon zum Greifen nah’, doch dann platzte am Ende der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Lutter an Barenberge die „Bombe“: Unter dem Punkt „Verschiedenes“ ergriff der frisch gebackene Löschmeister Matthias Ebeling das Wort und kritisierte Führungskräfte in der SG Lutter mit Blick auf den Umgang mit ihrer Verantwortung. Ebeling: „Da mache ich mir Sorgen.“
Alle Augen seien derzeit wieder mal auf eine Wehr gerichtet, die kurz vor dem „Aus“ (Probleme hat offensichtlich die Wehr Nauen, die Red.) stehe. Man vergesse dabei aber schnell die vielen anderen Missstände, die den noch verbleibenden Kameraden die Lust an der Mitarbeit in der Feuerwehr nehmen würden. Ebeling: „Und dabei geht es nicht nur um meine Person.“ Im weiteren Verlauf seines Statements übte er harsche Kritik am Ablauf der beiden Gemeindeübungen, die in diesem Jahre in Rhode und Bodenstein durchgeführt wurden. Die observierten Probleme seien nicht aufgearbeitet worden – und dies trotz Ankündigung „ausführlicher Nachbesprechungen“.
Viele Führungskräfte dieser Samtgemeinde, unterstrich Ebeling, seien sich scheinbar ihrer Verantwortung nicht mehr bewusst. Dass es Feuerwehren gäbe, die Probleme hätten ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen, sei ja keineswegs neu. Man speche nur nicht gerne darüber. Ebeling wörtlich: „Wir haben Ortsbrandmeister, die an der Einsatzstelle lieber am Steuer ihrer Einsatzfahrzeuge im Kreis fahren, den Verkehr regeln, oder wissentlich nicht einsatzfähige Atemschutzgeräteträger in den Einsatz schicken, aber nicht in der Lage sind, Führungsaufgaben zu übernehmen. Alle wissen das, alle reden darüber, aber keiner tut was dagegen.“ Grundlegende Anforderungen an Führungskräfte wie Fachkompetenz, Verantwortungsbewusstsein, Fürsorgepflicht, Autorität und Vorbildfunktion seien bei vielen nicht mehr erkennbar. Dieses Verhalten verunsichere die Einsatzkräfte, raube ihnen das Vertrauen in die Führung und demotiviere dermaßen, dass etliche zurzeit noch sehr engagierte Feuerwehrangehörige auch langsam die Lust verlieren würden.
Er, Ebeling, hoffe – und dabei wandte er sich auch und gerade an Gemeindebrandmeister Beltau – , dass man endlich anfange, die Probleme beim Namen zu nennen und sich ihnen verantwortungsbewusst entgegenstellt, „damit wir auch in den nächsten Jahren noch in der Lage sein werden, dem Bürger qualifizierte Hilfe bei Brand- und Unglücksfällen zukommen zu lassen.“
Der frenetische Beifall, der den kritischen Ausführungen gezollt wurde, machte deutlich, dass offensichtlich zahlreiche Aktive der Lutteraner Wehr Ebelings Ansichten teilen.
Gemeindebrandmeister Beltau, sichtlich emotionsgeladen, betonte, es sei nicht einfach sieben Wehren unter einen Hut zu bekommen, und natürlich gäbe es dabei Probleme. Allerdings sei er, Beltau, kein Alleinunterhalter, vielmehr müssten sich alle Funktionsträger beim Teamwork mit einbringen. Beltau warf Ebeling vor, zu polarisieren und das falsche Forum für eine derartige Auseinandersetzung gewählt zu haben.
SG-Bürgermeister Kühlewindt zeigte sich ebenfalls überrascht: „Bislang ist noch niemand zu mir gekommen, um Probleme anzusprechen, und auch in den Kommandositzungen, an denen ich teilgenommen habe, sind Probleme nicht thematisiert worden.“ Im Übrigen sei es ein schlechter Stil, ehrenamtliche Funk­tionsträger in dieser Weise an den Pranger zu stellen. Damit werde viel Porzellan zerschlagen. Dem Gemeindebrandmeister bescheinigte Kühlewindt eine „vorzügliche Arbeit“. Ortsbrandmeister Stefan Bergmann meinte, man dürfe Kritik nicht an einer Person festmachen, und auch Hermann Jahns (Altersabteilung) brach eine Lanze für Beltau.