Ein Teich, der kein richtiger ist

Bei der Entschlammung des Mühlenteichs ist es in den vergangenen Monaten zu erheblichen Problemen gekommen, weshalb der Teich auch vier Monate nach Beginn der Arbeiten noch nicht wieder voll befüllt ist.

Entschlammung des Mühlenteichs gerät zum Desaster / Kühlewindt akzeptiert Kritik

Was Ende Juli mit großem Optimismus und Enthusiasmus begann, hat sich inzwischen zu einem veritablen Desaster entwickelt. Die Rede ist von der Entschlammung des Mühlenteichs in Lutter. Ursprünglich waren für das Ausbaggern des Gewässers und die Instandsetzung des Mönchs nur einige Wochen eingeplant, nun erstreckt sich die Maßnahme aber schon über einen Zeitraum von vier Monaten, und der gewünschte Erfolg ist immer noch nicht eingetreten.

Der Mönch ist trotz Reparatur weiterhin undicht, und der Teich im Herzen Lutters ist aus diesem Grund auch nur zur Hälfte mit Wasser gefüllt, da das nachlaufende Wasser nicht ausreichend aufgestaut werden kann und einfach wieder abfließt.
Lutters Gemeindedirektor Peter Kühlewindt nahm dies zum Anlass, um in der jüngsten Ratssitzung des Fleckens am Mittwochabend einen Sachstandsbericht abzugeben indem er auch einräumte, dass bei der Planung Fehler passiert seien, und er sich der Kritik stelle. Unterstützung hatte sich der Verwaltungschef dabei von Michael Wittemann geholt, der in seiner Funktion als Technischer Leiter beim Wasserverband Peine Antworten zu den technischen Problemen geben sollte.
Eingangs erläuterte Kühlewindt nochmals in knappen Worten das bisherige Prozedere rund um die Entschlammung des Mühlenteichs. So führte der Rathauschef aus, dass die Kosten für die Maßnahme zum frühesten Zeitpunkt der Überlegungen auf rund eine Million Euro taxiert wurden. Eine Summe, die der Flecken Lutter beim besten Willen nicht stemmen konnte und deshalb nach günstigeren Lösungen gesucht wurde.
Schließlich wurde ein Plan erarbeitet, bei dem die Entschlammung des Teiches nur rund 100.000 Euro kosten sollte. Eine auch für den Haushalt des Fleckens stemmbare Summe, die auch trotz aller Probleme bisher noch nicht überschritten wurde. Die Politik entschied sich schließlich, das Geld dafür bereitzustellen und nach passenden Partnern für die Teichsanierung zu suchen, da der Bauhof der Samtgemeinde mit einer solchen Aufgabe alleine schon aus Sicht des technischen Know-Hows überfordert sei.
Die Zusammenarbeit mit dem Wasserverband Peine, der in Lutter auch für die Entsorgung des Abwassers zuständig ist und mit dessen Arbeit man im Rathaus sehr zufrieden ist, schien wie gemacht für diese Aufgabe. Also entschloss man sich dazu, den Wasserverband mit der Koordinierung der Entschlammung zu beauftragen. Nach entsprechender Ausschreibung wurde mit der Fachfirma „Baustoff-Recycling Burg“ auch ein Unternehmen gefunden, dass sich bereit erklärte alle anfallenden Arbeiten zum Pauschlapreis von 100.000 Euro zu übernehmen.
Die Bagger rückten schließlich in der letzten Juli-Woche an und das Ausbaggern konnte beginnen. In den ersten Tagen machte die Fachfirma, die von sich selber behauptet umfangreiche Erfahrungen auf dem Gebiet der Teichentschlammung zu haben, achtbare Fortschritte. Dann jedoch setzte der Regen ein und mit ihm die Probleme. „Aufgrund der langanhaltenden und häufigen Regenfälle ist es im Rahmen der Bauphase zu riesigen Schwierigkeiten gekommen“, erklärte dazu Peter Kühlewindt, „mit so viel Wasserzulauf haben wir nicht gerechnet.“ Die Arbeiter der Fachfirma waren in der Folge also häufiger damit beschäftigt ihre absaufenden Gerätschaften aus dem Teich zu bergen, anstatt den Schlamm herauszuschaufeln. Zudem hatte wohl auch die Fachfirma die Risiken unterschätzt und aufgrund von Kostenerwägungen keinen Langarmbagger eingesetzt, der vom sicheren Land aus hätte arbeiten können.
Das nächste „ganz, ganz große Problem“, wie es Lutters Gemeindedirektor formulierte, folgte schließlich bei der Lagerung des triefnassen Teichschlamms. Denn bei der Fläche, die für die Zwischenlagerung auserkoren wurde – es handelt sich dabei um die ehemalige Kleingartenkolonie – hatte man zunächst keine Kenntnis davon, dass es sich auch bei diesem Areal um einen alten Teich handelt, der bereits vor vielen Jahren verfüllt wurde, was zur Folge hatte, dass sich der alte Teich wieder verflüssigte und die Arbeiten weiter erschwerte. „Die Standhaftigkeit des Lagerplatzes haben wir vollkommen überschätzt“, so die klare Bekenntnis Kühlewindts.
Inzwischen wurden rund 8.000 Kubikmeter Schlamm aus dem Teich befördert, rund 2.000 Kubikmeter weniger als ursprünglich als Ziel formuliert. Dennoch sei diese Menge ausreichend, um für eine Verbesserung der Wasserqualität zu sorgen und den Mühlenteich wieder als attraktiven Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt herzustellen, bestünde da nicht weiterhin das Problem mit dem undichten Mönch.
Wie Michael Wittemann ausführte, wäre es unfair, der Baufirma alleine den schwarzen Peter zuzuschieben. Ebenso wie Peter Kühlewindt vor ihm sagt er: „Bei solchen Aktionen gibt es immer die Schwierigkeit, die Grundwasserhaltung genau zu berechnen. Die Zuflüsse in diesem Umfang konnten wir nicht kalkulieren und die Baufirma hätte vor diesem Hintergrund auch Nachforderungen anstellen können, was sie aber nicht getan hat.“
Die Crux sei weiterhin der Mönch, der bisher einfach nicht dicht zu kriegen sei. „Die Schwierigkeiten beim Mönch sind größer als gedacht“, so das Statement von Wittemann.
Den Vorschlag Wittemann den Mönch provisorisch mit Sandsäcken abzudichten, lehnten die Ratsmitglieder einhellig ab. Sie bestehen auf eine nachhaltige und grundhafte Sanierung, die über einen längeren Zeitraum hält. Wittemann versprach abschließend, zusammen mit allen beteiligten Partnern eine solche Lösung zu erarbeiten, damit der Teich bald wieder vollständig gefüllt ist.
Lutters Bürgermeisterin Karin Rösler-Brandt hatte wenigstens noch eine positive Botschaft in Sachen Mühlenteich zu verkünden: „Immerhin fühlen sich der Schwan und die Enten schon wieder wohl in unserem Mühlenteich.“