Eine emotionale Geschichtsstunde

Referent Friedemann Schwarz bedauerte in seinem rund zweistündigen Vortrag, dass die Grenzanlagen so zügig zurückgebaut wurden. Heute sei das Ausmaß der innerdeutschen Grenze nur noch schwer vorstellbar.
 
Referent Friedemann Schwarz zusammen mit Museumschef Horst Züchner. Foto & Repro: Süpke

Friedemann Schwarz hält eindrucksvollen Dia-Vortrag über die innerdeutsche Teilung im Lutteraner Museum

Auf großes Interesse stieß am Freitagabend der Vortrag von Friedemann Schwarz im Lutteraner Heimatmuseum.

Auf Einladung des örtlichen Museums- und Kulturvereins war Schwarz bereits zum wiederholten Mal zu Gast in Lutter, und der Grundschullehrer aus Hohegeiß wusste mit seinem Vortrag „Als Deutschland geteilt war“ ein sehr interessiertes Publikum zu unterhalten.
Friedemann Schwarz lebt seit 1960 in Hohegeiß und die Grenze verlief quasi direkt hinter seinem Grundstück. Als leidenschaftlicher Hobbyfotograf ließ es Schwarz sich nicht nehmen, von Zeit zu Zeit zur Kamera zu greifen und die Aktivitäten an der innerdeutschen Grenze zu dokumentieren.
Für seinen Vortrag hatte der Referent aus dem Oberharz aus einem Fundus von weit mehr als 800 Aufnahmen rund 120 Bilder ausgewählt, die einen guten Eindruck von den Geschehnissen entlang des Grenzstreifens liefern.
In seinem rund zweistündigen Vortrag ließ er die Zeit zwischen 1960 und 1989 Revue passieren. Er erinnerte an die vielen Unwägbarkeiten mit denen die Menschen in dieser Zeit zu kämpfen hatten. So berichtete Schwarz unter anderem von einem Erlebnis, das ihn persönlich stark geprägt habe und für Menschen, die es nicht erlebt haben, nur sehr schwer vorstellbar ist.
Um Freunde im benachbarten Benneckenstein besuchen zu können, musste der Oberharzer Grundschullehrer bis 1972 warten um ein Visum beantragen zu dürfen. Seine Fahrt dauerte dann aber nicht wie heute üblich nur ein paar Minuten, sondern ganze 13 Stunden. Denn Schwarz konnte nicht einfach den kürzesten Weg ins rund drei Kilometer entfernte Benneckenstein nehmen, sondern er war angehalten die Route über Braunschweig, Helmstedt, Magdeburg und Halberstadt zu nehmen, die eine Länge von 300 Kilometern umfasst.
Laut Aussage von Referent Schwarz, der mit seinen Ausführungen bei vielen Besuchern emotionale Erinnerungen hervorrief, sei vieles, was sich in der Zeit der innerdeutschen Teilung abgespielt habe, heute bereits in Vergessenheit geraten. So sagte Schwarz unter anderem: „Wer heute jünger ist als 35 Jahre, der kann keine eigenen Erinnerungen mehr an die Zeit der Teilung und der Grenze haben.“
Aber auch ältere Erwachsene, so Schwarz weiter, hätten keine direkten Erinnerungen mehr.
Der Grundschullehrer aus Hohegeiß beklagte in seinem Vortrag auch, dass die einstigen Grenz- und Sicherungsanlagen viel zu schnell zurückgebaut wurden, und es heute sehr schwer ist, das tatsächliche Ausmaß de Grenzanlagen nachzuzeichnen. Ein guten Überblick verschaffe jedoch das Grenzlandmuseum bei Sorge. Dort könnten sich Interessierte umfassend informieren.
Der Vortrag von Friedemann Schwarz wurde an diesem Abend noch von zahlreichen weiteren Beiträgen ergänzt. So waren beispielsweise ehemalige Bundesgrenzschützler anwesend, die ihre Erfahrungen an diesem Abend mit den Besuchern teilten.
Wer beispielsweise Interesse an der von den Grenzschützern geleisteten Arbeit hat, der kann sich im Internet unter www.WolfgangRoehl.de/bgs-htm einen sehr guten Einblick verschaffen. Dort gibt es unter anderem auch zahlreiche Fotografien, die die Arbeit des BGS in der Kaiserstadt Goslar dokumentieren.
Der Lutteraner Museumsverein hatte mit dieser Veranstaltung auf jeden Fall wieder den richtigen Riecher gehabt. Das Thema der innerdeutschen Teilung stößt weiterhin auf enormes Interesse.