„Explosion“ in Biogasanlage rufen Wehren auf den Plan
„Blauröcke“ aus der Samtgemeinde Lutter spielen im Schulterschluss Ernstfall durch / Beltau: „Im großen und ganzen zufrieden“
Von Antonio Mateo, Rhode
Den Ernstfall unter realitätsnahen Bedingungen üben und gleichzeitig das „Zusammenspiel“ der sieben Ortswehren aus der Samtgemeinde Lutter proben – das war die Zielsetzung eines „Probelaufes“, der von Gemeindebrandmeister Hans-Hermann Beltau ausgearbeitet worden war. Ort des Geschehens: die Biogasanlage auf dem Hof Gaus in Rhode. Und das war der Ausgangspunkt der Übung: Am vergangenen Donnerstagabend kommt es im Rahmen von Baumaßnahmen an der Biogasanlage zur Verpuffung. Das Membrandach der Anlage explodiert, eine Person wird verletzt und gilt als vermisst. Die 250-KwBiogasanlage zur Erzeugung von Strom steht in Rhode, einem Weiler zwischen Hahausen und Lutter. Insbesondere schwere Unfälle mit Biogasanlagen wie in Daugendorf (Kreis Biberach, Baden-Württemberg), wo 2007 eine schwere Verpuffung die komplette Biogasanlage zerstörte ,oder im bayerischen Ruderatshofen – hier explodierte 2010 eine Biogasanlage – haben in der Vergangenheit aufgezeigt, welchen Gefahren die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst ausgesetzt sind.
Kurz nach 20.15 Uhr erfolgt in Rhode die Alarmierung über die Feuerwehrleitstelle in Goslar. Nur wenige Minuten nach der Alarmierung rücken die ersten Einsatzkräfte zum Einsatzort aus. Für die anrückenden Kräfte, insbesondere aus Ostlutter und Bodenstein – die zusätzlich durch einen Alarmruf per SMS informiert werden – ist die Lage nicht eindeutig. Einsatzleiter Beltau nimmt daher die eintreffenden Kräfte persönlich in Empfang, delegiert und organisiert die Übung zusätzlich per Funk. Jede Wehr wusste, was zu tun ist. Neben der theoretischen Ausbildung ist die realitätsnahe Übung des Ernstfalles eine gute Gelegenheit, Erlerntes zu erproben und Schwachstellen aufzudecken.
Gemeindebrandmeister Beltau begrüßt zu dieser kurzfristig angesetzten Übung den Bürgermeister der Samtgemeinde Lutter, Peter Kühlewindt, der sich Eindrücke von der Übung verschaffen möchte. Insgesamt treffen mehr als 80 Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehren Lutter, Ostlustter, Nauen, Hahausen, Alt Wallmoden, Bodenstein, DRK Hahausen und DRK Lutter an der„Unfallstelle“ ein. „Durch einen Computerfehler konnte Neuwallmoden leider nicht alarmiert werden“ erklärt Beltau. Sorgfältig wird die Übung vorbereitet und auf den Punkt genau gestartet. Selbst Rauch in einer Scheune fehlt nicht. Neben der Menschenrettung der verletzten Person unter schwerem Atemschutz besteht die Aufgabe darin, zwei Löschstrecken aufzubauen. Dafür wird eine Zisterne mit einem Fassungsvermögen von rund 100 Kubikmeter und ein Hydrant angezapft. Was wäre jedoch eine realitätsnahe Übung ohne Komplikationen? iesbezüglich tritt ein „MayDay“-Fall ein, bei dem ein Feuerwehrmann unter Atemschutz im Gefahrenbereich kollabiert. Die Person reagiert nicht mehr auf Funksprüche. Vor der Rettung wird versucht über die Sprechtaste des kollabierten Atemschutz-Trägers die Atmung zu überprüfen. Dies gelingt jedoch nicht, so dass der Kamerad sofort aus dem Gefahrenbereich, unter zwar unter Zuhilfenahme einer Schleifkorbtrage, getragen wird. Durch das gemeinsame Vorgehen der rund 80 Einsatzkräfte gelingt es zügig, die unterschiedlichen Aufgaben zu lösen und die zwei verletzten Personen – darunter der Feuerwehrmann – an den Rettungsdienst zu übergeben.
Nach etwas über einer Stunde ist die Übung beendet.
Zur Manöverkritik versammeln sich alle Einsatzkräfte im Hof der Familie Gaus. Hans-Hermann Beltau bedankt sich für das Engagement der Einsatzkräfte. Nur wenig Kritik lässt er verlauten. Weitere Punkte werde er im Kommando besprechen, aber im großen und ganzen sei er zufrieden gewesen, meint der Chef der SG-„Blauröcke“. Sein Fazit: „Wir müssen an dem ein oder anderen Punkt noch arbeiten. Aber dafür sind Übungen schließlich da."

