Feuerwehr Lutter: Werden morgen Wogen geglättet?

„Dienstbesprechung“ für morgen angesetzt / „Initiativgruppe“ schreibt an Kühlewindt / Drohung zurückgenommen

Seit der jüngsten ordentlichen Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Lutter knirscht es im Gebälk der Barenberger „Blauröcke“. Auslöser der Unruhen in den Reihen der Brandschützer war die „Brandrede“, die der frisch gekürte Löschmeister Mathias Ebeling fünf Minuten vor dem „Kalten Büfett“ hielt. Seine kritischen Anmerkungen zur Feuerwehrführung auf Samtgemeindeebene schlug ein wie eine Bombe (wir berichteten, die Red.). Sowohl Samtgemeindebürgermeister Peter Kühlewindt als auch Gemeindebrandmeister Hans-Hermann Beltau waren „perplex“ und zeigten sich „betroffen“. Auch die Ortskommandospitze, Ortsbrandmeister Stefan Bergmann und dessen Stellvertreter, Frank Busch, schienen von den Ausführungen Ebelings, die von den Aktiven der Lutteraner Wehr mit frenetischem Beifall aufgenommen wurden, sichtlich überrascht. Ebeling hatte zu Beginn seiner Darstellungen unterstrichen, dass er von seinem „Handeln“ weder das Ortskommando noch die „Kameraden“ informiert habe.
In kurzen Statements wiesen Kühlewindt und Beltau ob der kritischen Einlassungen des Sohnes des ehemaligen Ortsbrandmeisters darauf hin, dass dieser Vortrag zur falschen Zeit und am falschen Ort zu Gehör gebracht worden sei.
Der Jahreshauptversammlung folgte eine Flut von Zusammenkünften, in denen die Anmerkungen Mathias Ebelings im Fokus standen. Dabei soll, wie der „Beobachter“ in Erfahrung brachte, Ebeling von Verwaltungschef Kühlewindt und Gemeindebrandmeister Beltau aufgefordert worden sein, sich für sein Verhalten in Form einer Pressemitteilung zu entschuldigen. Dies habe Ebeling abgelehnt. Daraufhin habe Kühlewindt angedroht, den Arbeitgeber Ebelings, der bei der Berufswehr Braunschweig beschäftigt sei, über dessen Verhalten zu informieren. Überdies habe der Gemeindebrandmeister mit zivilrechtlichen Schritten gedroht, weil er, Beltau, sein Ansehen und seinen Ruf geschädigt sehe. In einer Sitzung des Ortskommandos der Feuerwehr Lutter, habe Kühlewindt den Ausschluss Ebelings aus der Ortswehr verlangt. Dies wiederum sei von den anwesenden Aktiven einstimmig abgelehnt worden. Gemeindebrandmeister Beltau habe betont, für ihn sei die Angelegenheit erledigt.
Angesichts der Drohung Kühlewindts, sich im Fall Ebeling mit dessen Arbeitgeber in Verbindung zu setzen, hätten sich Mitstreiter des Ortskommandos und das Gros der Aktiven zusammengesetzt. Sie seien empört über diese Drohung und hätten den Austritt aus der Ortswehr Lutter in Erwägung gezogen. In einem Schreiben dieser „Initiativgruppe“ an Bürgermeister Kühlewindt heißt es unter anderem wörtlich: „Die von Mathias Ebeling angeführten Kritikpunkte werden von den Kameraden der FF Lutter mehrheitlich getragen. Da die angesprochenen Punkte sowohl die Zusammenarbeit mit den anderen Feuerwehren, als auch die Sicherheit der Einsatzkräfte gefährden, wurde im Vorfeld mehrfach versucht, sie im Rahmen der Gemeindekommandositzungen zu klären. Leider blieben diese Versuche aus Sicht des Ortskommandos erfolglos, was unter anderem durch Ihre Aussage, dass Ihnen diese Punkte völlig unbekannt waren, bestätigt wurde. Ihre Forderung, den kritisierenden Kameraden aus der Feuerwehr zu entfernen, wurde durch das Ortskommando konsequent abgelehnt. Auch Ihre Forderung, das Verhalten des Kameraden geschlossen zu missbilligen, lehnte das Ortskommando mehrheitlich ab. Daraufhin erklärten Sie, dass die beschriebene Vorgehensweise aus Ihrer Sicht eines Beamten unwürdig sei. Sie drohten damit, die Stadt Braunschweig als Dienstherren des Kameraden über seine Ihrer Meinung nach unzulässige Verfehlung zu informieren, und ihm dadurch berufliche Probleme zu bereiten. Eine derartige Vorgehensweise ist zum einen unrechtmäßig (§11 NBrandSchG) und zum anderen auch moralisch eines Hauptverwaltungsbeamten nicht würdig. Auch wenn eine Meldung an den Dienstherren bis jetzt ausgeblieben ist, ist allein die Bereitschaft einen Kameraden der ehrenamtlich seinen Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr leistet, beruflich und somit existentiell angreifen zu wollen für das Ortskommando nicht tragbar. Das Ortskommando hegt die Befürchtung, dass künftig jeder Kamerad, der bedacht oder unbedacht seine Meinung zum Ausdruck bringt, mit derartigen oder ähnlichen Repressalien zu rechnen hat. Einer Stärkung des Fundaments Ehrenamt ist eine derartige Vorgehensweise sicher nicht zuträglich. Aufgrund der durch Sie in den Raum gestellten Drohung ist bereits ein langjährig aktives Mitglied aus der Ortsfeuerwehr Lutter ausgetreten. Wie viele Austritte noch folgen werden ist derzeit völlig unklar. Durch die von Ihnen geschaffenen Bedingungen hat die Motivation vieler Kameraden, auch künftig ehrenamtlich Feuerwehrdienst zu leisten, sehr starken Schaden erlitten. Natürlich wissen wir, dass die Freiwillige Feuerwehr neben ihrem gesetzlichen Auftrag auch eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielt. Allerdings darf diese nicht den Schwerpunkt bilden. Für das Jahr 2012 wurde durch uns bereits ein Dienstplan ausgearbeitet, in dem gemeinsame Ausbildungsdienste mit den SG Feuerwehren vorgesehen sind. Wie in Vergangenheit werden wir auch weiterhin allen Feuerwehren der Samtgemeinde unsere Hilfe und Zusammenarbeit, insbesondere bei der Aus-, Fort- und Weiterbildung anbieten. Von Ihnen erwarten wir, dass sie die Drohung eines Angriffs auf das Berufsleben eines ehrenamtlichen Mitglieds der Freiwilligen Feuerwehr aus der Welt schaffen. Unser Ziel ist es, dass die Feuerwehren der Samtgemeinde Lutter ihre Aufgaben weiterhin qualitativ hochwertig, sicher, und vor allem ohne persönliche Nachteile für die Feuerwehrmitglieder seitens der Gemeindeverwaltung wahrnehmen können.“
Ein Schreiben erhielt auch der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes des Landes Niedersachsen. Absender: Ex-OBM Hans-Joachim Ebeling. Hier ein Ausschnitt seines Briefes: „Durch die immer noch aufrechterhaltende Aussage (Info an den Arbeitgeber) des HVV befürchten die Aktiven, bei kritischen Äußerungen Probleme mit den Arbeitgebern, und von der Führung (GBM und KBM) fühlen sie sich im Stich gelassen. Wie kann es angehen, dass ehrenamtliche Kräfte, die Mut zur Wahrheit haben, über diese Schiene mundtot gemacht werden sollen. Die angesprochenen Kritikpunkte wurden bislang nicht angepackt, sondern werden schön geredet. Die Einsatzbereitschaft und die Qualität unserer Ortswehr steht auf der Kippe.“
Kommentar: Morgen Abend um 20 Uhr ist eine Dienstbesprechung im Feuerwehrhaus angesetzt, und da könnten – so alle Beteiligten wollen – endlich Nägel mit Köpfen gemacht und Kriegsbeile begraben werden; auch in Sachen „Nachfolge Kommandospitze“. Die Voraussetzungen stehen doch nicht schlecht: Zum einen hat, wie die „Initiativgruppe“ mitteilte, Verwaltungschef Kühlewindt die besagte „Drohung“ zwischenzeitlich zurückgenommen, und zum anderen gibt es durchaus „Kandidaten“, die die Ämter von Bergmann und Busch übernehmen könnten. Zwei geeignete Aktive sind derzeit noch beruflich überlastet, aber mit Hilfestellung weiterer „Anwärter“, die noch fehlende Lehrgänge absolvieren müssten – vielleicht auch im Rahmen von Sonderregelungen – , sollte ein Kompromiss gefunden werden. G. J.