Im Harz ist die Luchs-Population besonders vital

Die Landfrauen lauschten bei ihrem Monatstreffen einem Vortrag über das Harzer Luchsprojekt. (Foto: Süpke)

Lutteraner Landfrauen informieren sich bei Monatstreffen über Harzer Luchsprojekt

Die Lutteraner Landfrauen ließen sich bei ihrem Novembertreffen am Montag im Café-Restaurant Blickpunkt über das Luchs-Projekt des Nationalparks Harz informieren. Als Referent konnten die rund 35 Teilnehmer um ihre Vorsitzende, Renate Geldmacher-Ternedde, Ole Anders, Koordinator des Luchs-Projektes des Nationalparks, begrüßen.
Anders, der sich aufgrund der Erneuerung der Leitplanken im Verlauf der B 82 zwischen Hahausen und Langelsheim etwas verspätete, gab den Landfrauen mit seinem Vortrag einen äußerst interessanten Überblick über die Arbeit und Fortschritte des Harzer Luchsprojektes.
Dabei ging der Luchsexperte zunächst auf die zunehmende Verbreitung des scheuen Jägers ein. So hat das jährliche Monitoring interessante Ergebnisse geliefert, die Beweise dafür liefern, dass sich der Luchs inzwischen auch bis in den Solling und an die Weser heran verbreitet. „Diese Ergebnisse sind sehr aktuell und zeigen, dass es den Luchs gegenwärtig vor allem in nord-westliche Richtung zieht“, so Ole Anders.
Ob es eher die männlichen oder weiblichen Luchse sind, die in neue Gebiete vordringen, können die Luchsexperten jedoch noch nicht genau bestimmen. „Auf den Fotos, die als häufigster Beweis für das Vorkommen der Luchse dienen, können wir nicht unterscheiden, ob es sich um Männlein oder Weiblein handelt.“ Für die Fortpflanzung außerhalb des Harzes wäre es nämlich wichtig, dass sich männliche und weibliche Luchse gleichermaßen in neue Territorien bewegen, damit sie dort für Nachwuchs sorgen können.

Erfolgreiches Beispiel aus Nordhessen macht Hoffnung

Ein erfolgreiches Beispiel dafür gibt es aus Nordhessen nahe der Großstadt Kassel zu berichten. Dorthin hat es nachweislich einen Luchs aus dem Harz verschlagen. In seinem neuen Revier stieß der Harzer Luchs auf ein Weibchen, dessen Herkunft den Luchsforschern immer noch Fragen aufgibt. Dieses Pärchen pflanzt sich seit 2006 erfolgreich fort.
„Grundsätzlich sind Luchse streng territoriale Tiere“, wie Projektkoordinator Anders erklärt. „Anhand unserer Telemetriedaten (die Tiere sind mit einem Sender versehen Anm. d. Red.) ist es uns gelungen, die Streifzüge der Luchse aufzuzeichnen.“ Demnach durchstreift beziehungsweise beansprucht ein männliches Tier für sich ein Gebiet von rund 300 Quadratkilometern. Die weiblichen Vertreter sind da etwas bescheidener. Ihr Territorium umfasst nur rund 100 Quadratkilometer. Kommt ein fremder Luchs einem Artgenossen in seinem angestammten Gebiet in die Quere gibt es Ärger. Selbst die Kinder müssen sich schnell nach einem neuen Lebensraum umschauen. Deshalb ist eine räumliche Ausbreitung der Tiere in erster Linie ihrem Revieranspruch geschuldet.
Über die Größe der Population im Harz vermag Ole Anders keine genauen Zahlen zu nennen. „Es ist ganz schwierig zu sagen wie viele Luchse im Harz leben. Wir können die Tiere ja schlecht zum Zählen antreten lassen.“
Um diese Frage aber dennoch in naher Zukunft beantworten zu können, will sich das Luchs-Team des Nationalparks einer Methode aus Bayern bedienen. Dort haben Forscher so genannte Wild-Kameras aufgestellt. Mit Hilfe des Foto- und Filmmaterials und einem großen Haufen aufwendiger Berechnungen ist es den Experten dort gelungen, sehr eindeutige Rückschlüsse auf die Größe der Population zu ziehen.
Erfolgreich ist das Luchsprojekt im Harz jedoch allemal. „Wir können mit Sicherheit sagen, dass wir im Harz die fertilste Luchspopulation in ganz Deutschland haben. Und wir hoffen, dass sich der Luchs von hier aus immer weiter ausbreiten wird“, sagt Ole Anders.
Die Landfrauen zeigten sich nach dem ausführlichen Vortrag begeistert von den Fortschritten der Harzer Luchs-Experten und freuen sich schon jetzt auf ihren baldigen Ausflug zum Luchsgehege nach Bad Harzburg.