In den 31 Jahren etliche Wogen geglättet

Nach fast 32-jähriger „Dienstzeit“ wurde Schiedsmann Günther Tiedemann von Amtsgerichtsdirektor Rolf Stratmann (rechts) verabschiedet.
 
Wurde von Rolf Stratmann verpflichtet: Robert Willers; links: SG-Bürgermeister Peter Kühlewindt.

Schiedsmann Günther Tiedemann verabschiedet / Stratmann: „Exzellente Arbeit geleistet“ / Robert Willers Nachfolger

Mögen die Bürgerinnen und Bürger, wenn sie in eine Konfliktsituation geraten, von der segensreichen sowie schnellen geld- und nerven­sparenden Streitschlichtungseinrichtung der Schiedsfrauen und Schiedsmänner in Schiedsämtern und Schiedsstellen regen Gebrauch machen, und zwar nicht nur zum eigenen Nutzen, sondern auch zur Entlastung der überlasteten Gerichte, sowie zur Verbesserung der Streitkultur in unserem Land“, merkt der amtierende Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V., Erhard Väth, in seiner Begrüßung auf der Hompage des BDS (http://www.schiedsamt.de/332.html) an.
Nun, die Frequentierung von Schiedsmann Günther Tiedemann, der erstmals am 7. Mai 1981 verpflichtet wurde, hat sich für den einen und anderen Bürger „bezahlt“ gemacht, denn: Tiedemann konnte etliche Wogen glätten, Zankhähne befrieden und manch langjähriges Kriegsbeil begraben helfen. Tiedemann, der, wie kurz berichtet, sein Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte, wurde jetzt offiziell verabschiedet.
An dem kleinen Festakt, der im schmucken Rathaussaal stattfand, nahmen neben dem „Hausherrn“, Verwaltungschef Peter Kühlewindt, und dem zuständigen „Vorgesetzten“, Amtsgerichtsdirektor Rolf Stratmann, die Bürgermeister Henri Hoffmeister und Bodo Mahns, der Repräsentant der BDS-Bezirksvereinigung Harz, Hans-Hermann Krusekopf, die Schiedsmänner Siegmar Fischer (Bodenstein) – er ist seit 1. Juli 2003 im Schieds­amtsbezirk Wallmoden „Friedensrichter“ – und Rainer Hoffmeister, der im Schiedsamtsbezirk Hahausen als vorrichterliche „Instanz“ unter dem BDS-Slogan „Schlichten statt richten“ fungiert, teil.
Amtsgerichtsdirektor Stratmann, der die Dankes­urkunde des Präsidenten des Landgerichts Braunschweig überreichte, bescheinigte Tiedemann, eine „exzellente Arbeit“ geleistet zu haben – und ließ es nicht unerwähnt: „Es hat in den verflossenen drei Jahrzehnten nicht eine einzige Beschwerde gegeben!“
„Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen“, betonte SG-Bürgermeister Peter Kühlewindt, würden Günther Tiedemann auszeichnen, und deshalb sei er immer wieder vom Rat zum Schiedsmann im Bezirk Lutter am Barenberge gewählt worden. Kühlewindt überreichte Tiedemann die Verabschiedungsurkunde und einen Gutschein für Gaumenfreuden in der SG Lutter.
Dankesworte richtete auch Hans-Hermann Krusekopf an Tiedemann, der stets die angebotenen Lehrgänge in der BDS-Bezirksvereinigung Harz besucht und damit seine Kenntnisse kontinuierlich vertieft habe.
Als Nachfolger Tiedemanns wurde Robert Willers verpflichtet; damit setzte AG-Leiter Rolf Stratmann den Beschluss des Samtgemeinderates vom 19. Juli um.
Vorruheständler Willers erblickte in Goslar das Licht der Welt, lebt aber seit 61 Jahren in Lutter. Der frisch gebackene Schiedsmann ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Steckenpferde: Engagement im Museums- und Kulturverein Lutter und Tischtennis im TSV.
Abschließend machten sowohl Rolf Stratmann als auch Hans-Hermann Krusekopf deutlich, dass die drei Schiedsamtsbezirke in der SG Lutter wichtig, mehr noch, unentbehrlich seien; von einer möglicherweise seitens der Politik ins Auge gefassten Reduzierung der Bezirke müsse abgeraten werden.

Gut zu wissen: Bei folgenden bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten muss ein Schlichtungsversuch unternommen werden, bevor eine Klage eingereicht werden kann:
• Vermögensrechtliche Streitigkeiten mit einem Streitwert bis 600 Euro.
• Streit aufgrund der Einwirkung von Gerüchen, Staub oder Geräuschen, sofern sie nicht von einem Gewerbebetrieb ausgehen (§ 906 Bürgerliches Gesetzbuch - BGB).
• Streit wegen der Einwirkung von Pflanzen, Wurzeln und Früchten (§ 910 ff BGB) oder eines Grenzbaumes (§ 923 BGB).
• Streitigkeiten nach dem Nachbarrechtsgesetz sofern es sich nicht um Einwirkungen durch einen Gewerbebetrieb handelt.
• Verletzungen der persönlichen Ehre, die nicht in Presse oder Rundfunk begangen wurden.