Lutters tierischer Hilfspädagoge

Chompy ist ein Australien Shepherd und für den Einsatz geeignet.

An der Kurt-Klay-Schule ist Schulhund Chompy im Einsatz / Kinder übernehmen Verantwortung

Die Vorfreude ist jedes Mal groß. Wenn sich Lehrerin Julia Wagner-Konerding auf den Weg in die Kurt-Klay-Schule macht, hat sie dreimal pro Woche einen tierischen Begleiter.

Dann ist Familienhund Chompy mit dabei. Denn seit letztem Jahr hat die Grundschule einen Schulhund. Und sogar eine Schulhundklasse. 
Chompy ist montags, mittwochs und freitags quasi im Dienst. „Er ist die anderen Tage immer traurig, wenn ich ihn nicht mitnehme“, verrät Julia Wagner-Konerding. Gemeinsam begrüßen sie am Eingang die Kinder. Manch einer streichelt Chompy kurz über den Kopf. Er genießt das.  
In der Klasse 1b ist der Schulhund zu Hause. 2015 übernahm Julia Wagner-Konerding die Klasse. Und brachte Chompy mit. Das Interesse bei den Eltern war groß, die Plätze waren begehrt. Schließlich ist es nicht alltäglich, dass ein Australian Shepherd mit im Klassenzimmer ist. Statt eine Schafherde behütet Chompy eben seine 19 Freunde.
Ist Chompy im Raum, fühlen sich alle wohler. Er hat zudem ein tolles Gespür dafür, wenn es einem Kind schlecht geht. Er legt sich dann zu dem Kind und bleibt in seiner Nähe, darauf ist seine Besitzerin stolz.
„Wir müssen das Klassenzimmer sauber halten, damit Chompy nichts frisst“, sagt Merle. Ohnehin wissen die Kinder genau, welche Regeln sie beachten müssen. Nicht füttern, Chompy nicht am Schwanz ziehen und leise sein. Letzteres klappt nicht immer. Hin und wieder würde sich Julia Wagner-Konerding da mehr Unterstützung von Chompy wünschen. Aber er spielt nicht immer mit. „Beim größten Lärm schläft er auf seinem Platz“, sagt die Lehrerin und muss lachen.
Ist Klassenhundestunde dreht sich alles um Chompy. Die Kinder lernen, was sie unter anderem alles bei einem Tier beachten müssen. „Wenn er eine trockene Nase hat, geht es ihm nicht gut“, sagt Klaus. Abgelenkt vom Lernen werden die Kinder nicht. Gibt sein Frauchen ihm zu verstehen, dass Schluss ist, zieht er sich in seine Ecke zurück – bis er wieder gebraucht wird. Dann lernen die Kinder das Alphabet und Rechnen, wie die anderen Erstklässler.
Nicht jeder Hund ist als Schulhund geeignet. Chompy bringt die besten Voraussetzungen mit. Er akzeptiert ganz klar Julia Wagner-Konerding als Herdenführerin. Mit ihm hat die Seesenerin die Begleithundeprüfung abgelegt. Drei Jahre lang gehen beide selbst zur Schule. In Blockseminaren absolvieren sie eine Ausbildung zum zertifizierten Schulhundeteam. Ihre Freizeit am Wochenende opfert Chompys Besitzerin für diese private Fortbildung in Lüneburg. Aber Julia Wagner-Konerding ist mit Herzblut dabei. So gibt sie ihrem Traumberuf Grundschullehrerin noch einmal eine ganze neue Ausrichtung.
Übrigens liegen die Lutteraner mit dem Schulhund voll im Trend. Hundegestützte Pädagogik wird immer beliebter. Die Forschungsgruppe „Mensch und Tier“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat herausgefunden, dass in Niedersachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen am häufigsten tierische Hilfspädagogen im Einsatz sind.