Mühlenteich wird abgefischt und trockengelegt

Der idyllisch gelegene Mühlenteich in Lutter ist ein Sorgenkind: Er ist stark verschlammt und verliert Wasser. Ende Oktober wird das Gewässer trockengelegt und der wohl undichte Mönch (vorn) saniert.
 
Vor-Ort-Termin in der Straße „Teichdamm“: Samtgemeinde-Bürgermeister Peter Kühlewindt (Dritter von links), Bauamtsleiter Nobert Hiebsch (links) und die Bürgermeisterin des Fleckens Lutter, Karin Rösler-Brandt (Zweite von links) mit den Repräsentanten von Wasserverband Peine, Landkreis Goslar und ASV Lutter.

Zunehmende Verschlammung und jetzt auch noch Wasserverlust – Sanierungskonzept vorgestellt

Still und starr ruht der „See“: Ganz gleich, ob der bevorstehende Winter mit strengem Frost aufwartet oder nicht. Eines steht jetzt schon fest: Eine spontane Winterparty auf dem zugefrorenen Mühlenteich in Lutter am Barenberge, wie sie noch im Februar dieses Jahres gefeiert wurde, wird es nicht geben. Der Teich soll am 27. Oktober durch die Mitglieder des ihn bewirtschaftenden Angelsportvereins (ASV) Lutter von 1960 abgefischt und trockengelegt werden. Das teilte Samtgemeinde-Bürgermeister Peter Kühlewindt gestern Vormittag bei einem Vor-Ort-Termin in der Straße „Teichdamm“ mit. Wie sich in jüngster Zeit herausgestellt hatte, verliert der 1,1 Hektar große Mühlenteich verstärkt Wasser. Als Ursache meint man den undichten Mönch, also den Ablauf, ausfindig gemacht zu haben. Der soll nun saniert werden.
Als ungleich problematischer stellt sich aber die schon seit längerer Zeit zu beobachtende zunehmende Verschlammung des Gewässers dar. Der Mühlenteich ist nach dem „Großen Weidenteich“ und dem „Großen Rosenteich“ der letzte in dieser Reihe. Dass es mit dem „Patienten“ nicht zum Besten steht, zeigt sich schon auf den ersten Blick an der extremen Braunfärbung des Wassers. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich durch angesammelte Sedimente, vor allem aber durch abgebaute Biomasse am Gewässergrund eine stetig wachsende Schlammschicht gebildet. „Da es sich hier um einen künstlich angelegten Teich handelt, ist die Fähigkeit zur Selbstregulierung ohnehin eher gering“, sagte Beatrice Kausch, die zusammen mit Ernst-Georg Rudloff als Vertreterin des Wasserverbandes Peine vor Ort war. „Im Wasserverband haben wir einen sachkundigen Partner gefunden“, zeigte sich Peter Kühlewindt erfreut und zitierte ein wenig aus dem von den Experten ausgearbeiteten und vorgelegten „Sanierungskonzept Mühlenteich“. Demzufolge besteht mittelfristig die Gefahr, dass der Teich komplett verlandet beziehungsweise durch den Sauerstoffmangel umkippt und die Fische sterben. Vereinzelte Messungen haben ergeben, dass die Wassertiefe teilweise nur noch 20 Zentimeter beträgt, während die mächtige Schlammschicht eine Stärke von 90 Zentimetern bis sage und schreibe zwei Metern aufweist. „Langer Rede kurzer Sinn – wir werden um eine Entschlammung durch Ausbaggern nicht umhin kommen“, machte der Chef der Samtgemeindeverwaltung deutlich. Nur so ließe sich die Selbstreinigungskraft des Gewässers wieder herstellten. Allerdings: Das Ganze ist mit erheblichen Kosten verbunden. Dazu Kühlewindt: „Wir können davon ausgehen, dass sich die Kosten des Ausbaggerns beziehungsweise Absaugens auf etwa 150 Euro pro Kubikmeter Schlamm belaufen“. Bei etwa 12.000 Kubikmetern Material, das es zu entfernen gilt, kämen da rund 1,8 Millionen Euro zusammen. „Da muss der Bürgermeister dann doch schon mal schlucken“, machte Kühlewindt deutlich. Nur ein kleiner Trost, aber immerhin: Eine Untersuchung des Gewässerbodens hat ergeben, dass dieser völlig in Ordnung ist. Die Ergebnisse beispielsweise im Blick auf Schwermetalle liegen weit unter den erlaubten Grenzwerten. Auch der pH-Wert und der Sauerstoffgehalt des Wassers liegen noch im „grünen Bereich“.
Begleitet wird das Projekt natürlich auch vom Landkreis Goslar. Manfred Niepel, Leiter des Fachdienstes Umwelt, kündigte angesichts der zu erwartenden hohen Kosten an, sich für Fördermöglichkeiten einsetzen zu wollen, beispielsweise über den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.
Der Bürgermeisterin des Fleckens Lutter, Karin Rösler-Brandt, war es noch wichtig, vor den Gefahren hinzuweisen, die der Teich – ob mit oder ohne Wasser – birgt. Erwachsene sollten hier ein besonderes Auge auf Kinder haben.
Wie gesagt: Für die Lutteraner Angelsportler heißt es Ende Oktober die Ärmel hochkrempeln und den Mühlenteich abfischen. Dann werden Aale, Hechte, Karpfen und wohl auch Welse umziehen müssen. Auch der Schwan wird eine neue Bleibe finden. „Was uns genau erwartet und wie groß der Bestand letztendlich ist, wissen wir selbst nicht“, sagte ASV-Vorsitzender Thomas Klay. Nach der Frostperiode soll das Gewässer zwar wieder angestaut werden; die Petrijünger werden vor dem Hintergrund der genannten Problematik aber erst einmal auf ihren Mühlenteich beziehungsweise einen neuerlichen Besatz verzichten müssen.