Schutzmaßnahmen in weiter Ferne

Rat der Samtgemeinde Lutter befasst sich mit Hochwasserschutz

Lutter (kno). Die verheerenden Hochwasser der vergangenen Jahre, insbesondere die in Neuwallmoden, haben sich nicht nur den Betroffenen tief ins Gedächtnis eingeprägt. In der Sitzung des Rates der Samtgemeinde Lutter am Donnerstagabend erinnerte sich auch Verwaltungschef Peter Kühlewindt noch lebhaft daran, „wie die Einwohner mit Tränen in den Augen“ vor ihm standen, als die Neile wieder einmal über die Ufer getreten war. Anlass für diesen Rückblick gab der Tagesordnungspunkt „Integrierter Hochwasserschutz im Nördlichen Harzvorland“.
Um eine Beschlussfassung ging es nicht. Vielmehr wurde den Ratsmitgliedern ein Grundsatzpapier des Wasserverbandes Peine sowie eine Liste von Maßnahmen mit höchster Priorität für die Flussgebiete Oker und Innerste zur Kenntnis gegeben. Doch Kühlewindt bremste gleich zu hohe Erwartungen: „Konkrete Maßnahmen sind noch in weiter Ferne, wir sprechen hier von einem Zeitrahmen von etwa zehn Jahren“. Erst einmal müsse man entsprechende Unterlagen beim Land einreichen und damit die notwendigen Planungen auf den Weg bringen. Eine dann folgende Konzepterstellung werde mit 67.000 Euro zu Buche schlagen. Wenn alles problemlos laufe, werde es 47.000 Euro an Zuwendungen vom Land geben; die restlichen 20.000 Euro müsste die Samtgemeinde tragen. Erst dann könne überhaupt an eine Umsetzung von Maßnahmen gedacht werden.
Dass etwas passieren muss, darüber ist man sich einig. Doch die Frage nach dem Wie, das zeichnete sich schon jetzt bei der Ratssitzung ab, wird noch für reichlich Diskussionsstoff sorgen. So meldeten sich in der Einwohnerfragestunde einige Eigentümer von Landflächen im Neiletal zu Wort. Sollten Hochwasserschutzmaßnahmen konkret werden, fürchten sie Nachteile. Sie meinten sogar, die Harzwasserwerke als Trinkwasserversorger und Betreiber der Innerstetalsperre würden im Neiletal eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen. Die Antwort von Peter Kühlewindt war klar und deutlich: „Die Harzwasserwerke haben überhaupt keinen Einfluss auf die Neile. Wir haben es vor Ort einzig und allein mit hausgemachten Hochwassern zu tun, und es ist nur im Interesse der Samtgemeinde, die Situation vor Ort und speziell die Riesenprobleme in Neuwallmoden in den Griff zu bekommen.“ Man spreche hier von einem Schadensvolumen von rund einer Million Euro. Daran müssten sich künftige Maßnahmen orientieren.
Kühlewindt sprach sich dafür aus, den technischen Hochwasserschutz weitestgehend zu minimieren und stattdessen auf eine nachhaltige Wasserrückhaltung, beispielsweise durch eine Neugestaltung der Fluss­verläufe oder Renaturierungsmaßnahmen, zu setzen. Bei alldem gehe ohne die Landwirte als Eigentümer der Flächen nichts. Sie müssen mit eingebunden werden, sollten dann aber nicht nur die eigenen Interessen im Auge haben, sondern auch Verantwortung gegenüber den Bürgern Neuwallmodens zeigen.