Übers Pilgern zum Lektorenamt

Von links: Propst Thomas Gleicher, die neue Lektorin Beate Bauers, der stellvertretende Landesbischof Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer und Pfarrerin Johanna Bernstengel beim Gottesdienst. (Foto: Süpke)

Die Lutteranerin Beate Bauers ist neue Lektorin im Pfarrverein St. Trinitatis Neiletal und der Propstei / Ihr Weg zum Ehrenamt ist ungewöhnlich

Großer Tag für Beate Bauers am vergangenen Sonntag in der Hahäuser St.-Romanus-Kirche. Der stellvertretende Landesbischof Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer kam extra nach Hahausen, um Beate Bauers in ihr neues Lektorenamt einzuführen und zu segnen. Etwas besonderes, eigentlich macht er das gewöhnlich für eine größere Absolventengruppe. Für Beate Bauers war es der vorläufige Schlusspunkt ihrer Reise, die im Jahr 2013 begann.
Gestartet ist sie vor vier Jahren mit ihrer Pilgerreise. Bereits 2011 wollte sie nach Santiago de Compostela auf dem Jakobsweg pilgern. Aus familiären Gründen ging das nicht. 2013 suchte sie sich schließlich eine Strecke in Deutschland aus, die nicht allzu weit entfernt von ihrem Heimatort Lutter und in mehreren Etappen einteilbar ist. Vom Kloster Loccum am Steinhuder Meer bis zum thüringischen Kloster Volkenroda, das nahm sie sich vor. 300 Kilometer, 17 Etappen, zwei Jahre Zeit. „Mit meinem Hund absolvierte ich immer 20 Kilometer lange Tagesetappe“, blickt Beate Bauers zurück. Zwischen zwei und fünf Tage klinkte sie sich vom Alltag aus. Auf der Suche nach dem spirituellen Weg, wie sie selber sagt.
Angekommen war sie schließlich im August 2015 am Zielort im Kloster Volkenroda. Ein Flyer mit dem Titel „Mut zum Aufbruch“ lag hier aus. Er warb für ein Lektorenseminar im Kloster. Ein halbes Jahr lang, jeweils als Wochenendseminar konzipiert. Beate Bauers begann zu überlegen und schrieb sich ein. Von September 2015 bis Mai 2016 absolvierte sie den Lektorenkurs. Mit Erfolg. Ein Problem gab es im Nachgang, denn diese Lektorenausbildung legte sie bei der Thüringischen Landeskirche ab. Der Abschluss wird in Niedersachsen nicht anerkannt. Nicht der einzige Bezirk, wo so etwas passiert.
Doch Beate Bauers gab nicht auf, schließlich wollte sie ja ihr Wissen in ihrem Heimatort Lutter, im Pfarrverband St. Trinitatis Neiletal und der Propstei einbringen. Mit dem theologischen Seminar der Braunschweigischen Landeskirche wurde nach einer Lösung gesucht und auch gefunden. Die Lutteranerin absolvierte hier ein Aufbauseminar, um ihr Wissen weiter zu vertiefen.
„Toll war die intensive Gesangsausbildung, die Rhetorikseminare und die Übung der Gottesdienste“, blickt die 53-Jährige zurück. Schließlich besteht die Aufgabe einer Lektorin, im Notfall einzuspringen und einen Gottesdienst abzuhalten. Auch hier gibt es klare Regelungen. Muss Beate Bauers einmal aushelfen, kann sie aus einem Pool von vorgefertigten Predigten auswählen. „Selbst darf ich als Lektorin keine schreiben“, sagt Beate Bauers. Kleine Abänderungen sind aber machbar, es muss vor allem authentisch herüberkommen. Die Gottesdienstbesucher müssen das Gefühl haben, dass Beate Bauers voll dahinter steht.

Wie die Lutteranerin die Hürde Ausbildung absolviert hat, können Sie in der gedrucken Ausgabe des „Beobachters“ vom 30. August 2017 lesen.