Vom Skateboard zum Rollator

In Gemeinden wie Hahausen, Wallmoden und Lutter geht die Zahl der Einwohner stetig zurück. Die verbleibenden Einwohner werden immer älter. Dieser Trend ist nicht zu stoppen. Es sollen nun aber Konzepte erarbeitet werden, die den Umgang mit dieser Entwicklung besser ermöglichen. (Foto: Matchka/pixelio.de)
 
Samtgemeindebürgermeister Peter Kühelwindt

SG Lutter und SG Baddeckenstedt stellen sich gemeinsam dem demografischen Wandel

Gemeinden wie Lutter, Wallmoden und Hahausen haben ein Problem. Sie verlieren Einwohner, und die vorhandene Bevölkerung altert zunehmend. Ein Patentrezept, um diesen Trend auf absehbare Zeit zu stoppen, existiert nicht. Überschrieben wird diese Entwicklung meist als demografischer Wandel, der inzwischen wie ein Damokles-Schwert über der gesamten Region schwebt. Die Gemeinden sind also gefragt. Sie müssen Konzepte erarbeiten, die sicherstellen, dass die Ortschaften am Ende nicht vollkommen ausbluten.
Einen ersten Schritt in diese Richtung hat am Donnerstagsabend die Samtgemeinde Lutter in Kooperation mit der Samtgemeinde Baddeckenstedt unternommen. Im Zuge des vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung aufgelegte Städtebauförderungsprogramms „Kleinere Städte und Gemeinden“ wollen die beiden Nachbarn ein Integriertes Entwicklungskonzept (IEK) mit dem Ziel die Gemeinden lebenswert zu erhalten, auf den Weg bringen. In Oelber, einem Ortsteil von Baddeckenstedt, wurde die Auftaktveranstaltung durchgeführt.
Unterstützung erhalten die Projektpartner von zwei Unternehmen. Der Stadtsanierungsfirma BauBeCon aus Laatzen, und der Planungs- und Ingenieurgesellschaft Grontmij. Mit Hilfe dieser beiden Firmen soll es gelingen, Maßnahmen zu erarbeiten, die im Rahmen der Städtebauförderung zuschussfähig, und mit Blick auf den Erhalt der Lebensqualität in den Ortschaften nachhaltig sind.
Baddeckenstedts Samtgemeindebürgermeister Jens Range sagte zu Beginn der Veranstaltung, dass die Gemeinden durch den Einwohnerrückgang vor allem auch unter finanziellen Einbußen leiden. „Die Gewerbesteuer ist für Ortschaften unserer Größenordnung nicht die wichtigste Einnahmequelle. Wir leben vor allem von der Einkommenssteuer, deren Höhe im Hinblick auf die Kreisumlage, eng an die Anzahl der Einwohner geknüpft ist.“
Ferner betonte er, dass „die Zeiten in denen die Menschen ihr gesamtes Leben in einer Ortschaft verbrachten, vorbei sind“. „Wir wünschen uns natürlich, dass unsere Einwohner ab dem Alter, in dem sie Skateboard fahren, bis zu dem Zeitpunkt, ab dem sie auf den Rollator umsteigen, in unseren ländlich geprägten Ortschaften wohnen und leben bleiben. Von diesem Wunsch sind wir aber weit entfernt“, so Range.
Deshalb müssen die Gemeinden „Visionen entwickeln“ die auch in 15 Jahren noch Bestand haben, wie es Lutters Verwaltungschef Peter Kühlewindt ausdrückt. Gegenüber dem „Beobachter“ sagte Kühlewindt: „Bei dem Intergrierten Entwicklungskonzept geht es im Grunde um eine Weichenstellung. Wir, und damit meine ich auch alle Bürger in der Samtgemeinde, müssen uns überlegen, wie unsere Gemeinde in 15 Jahren aussehen soll und kann.“
Dabei geht es im Kern um die Bereiche Infrastruktur, Kinderbetreuung, Vereinsleben, Nah-Versorgung, ärztliche Versorgung und die Seniorenbetreuung.
Das IEK eignet sich aber nicht für den ganz großen Wurf. Es kann nicht den demografischen Wandel umkehren und auch keine blühenden Landschaften erschaffen. Das Integrierte Entwicklungskonzept in Kombination mit dem Städtebauförderungsprogramm eignet sich aber, an wichtigen Stellschrauben zu drehen. Und genau hier sollen die verschiedenen Maßnahmen, die nun auf den Weg gebracht werden, ansetzen.
Wolfgang Oehler von Grontmij bot in seinen Ausführungen zunächst eine Definition des demografischen Wandels und stellte dann eine Ist-Analyse der aktuellen Bevölkerungszahlen in den beiden Samtgemeinden vor. Er skizzierte auch die Handlungsfelder (siehe oben) in denen Möglichkeiten bestehen, Änderungen zu bewirken. Oehler rief die rund 87 Versammlungsteilnehmer in der Folge dazu auf, an vorbereiteten Tafeln ihre Ideen und Vorschläge niederzuschreiben. Eine Auswertung dieser Bürgervorschläge soll die Grundlage für die weitere Arbeit bilden.
Peter Kühlewindt ist aber Überzeugung, dass die anzustoßenden Maßnahmen in den einzelnen Handlungsfeldern nur greifen können, wenn die Mittelzentren, im hiesigen Fall Seesen, Goslar und Bad Harzburg auch ihre Hausaufgaben machen. Ein Grundzentrum, wie es die Samtgemeinde Lutter ist, kann nicht für eine ausreichend Anzahl an Arbeitsplätzen sorgen. Es kann aber ein angenehmes Lebensumfeld auch für die Zukunft sein, in denen sich Menschen wohlfühlen. Und genau diese Richtung möchten Kühlewindt und Range zusammen mit den Bürgern einschlagen.
Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie „Wie soll die Kinderbetreuung aussehen?“, „Welche Konzepte lassen sich zum Erhalt der Mobilität im Alter erarbeiten?“ oder „Braucht jedes kleine Dorf ein eigenes Dorfgemeinschaftshaus?“.
Diese und andere Fragen sollen im nächsten Schritt der Zusammenarbeit diskutiert und erarbeitet werden. Am Freitag, 8. März, erfolgt im DGH Alt Wallmoden deshalb der Auftakt der so genannten Planungswerkstätten, in denen die skizzierten Themenfelder weiter vertieft und bearbeitet werden. Los geht es um 17 Uhr. Interessierte können sich in ihren Rathäusern oder bei der Firma Grontmij informieren.