Wasserpreise in der SG Lutter bleiben stabil

Die Lutteraner Kläranlage wird aktuell für 177.000 Euro optimiert. Teile der Anlage werden stillgelegt, da der demografische Wandel nicht mehr zu einer Auslastung der Kläranlage führt. Die Maßnahme spart zudem deutlich Energie ein.

Kläranlage in Lutter wird für rund 177.000 Euro optimiert / Insgesamt fließen 330.000 Euro in die Samtgemeinde

Das oberste Entscheidungs- und Kontrollgremium des Wasserverbands Peine, die Verbandsversammlung, hat jetzt über den neuen Wirtschaftsplan und damit auch über die Tarife 2014 abgestimmt.

„In vielen Tarifgebieten können wir die Preise ein weiteres Jahr stabil halten. Hier zeigen sich positive Effekte weiterer Optimierungen der letzten Jahre“, freut sich Verbandsvorsteher Hans-Hermann Baas. Der Wasserverband Peine werde seinen Weg der konsequenten, nachhaltigen Infrastrukturpflege fortsetzen, bekräftigte Baas mit Blick auf die Planungen für 2014: Rund 8,8 Millionen Euro für die Trinkwasseranlagen und über 26 Millionen Euro für die Abwassersysteme sind an Investitionen vorgesehen.
„In Berlin entdeckt die Politik die Bedeutung des Themas Infrastrukturkosten bei Straße, Brücke und Schleuse langsam wieder. Bei uns im ländlichen Raum sind es aber auch die Abwassersysteme, die weiter hohen Sanierungsbedarf aufweisen, der sich dann wohl auch in weiter steigenden Preisen niederschlagen wird. Die Politik wäre hier gefordert, durch Förderprogramme für die Pflege der öffentlichen Abwasserentsorgung und der Trinkwasserversorgung die Bürger ein Stück weit von den hohen Folgekosten zu entlasten. So könnte auch die Akzeptanz für diese für Mensch und Natur wichtigen Baumaßnahmen der Daseinsvorsorge erhöht werden“, regt Baas im Sinne eines ressourcenschonenden Ansatzes an.
2013 war ein wichtiges Jahr für den Wasserverband Peine: „Im Juni konnte das neue Wasserwerk Burgdorfer Holz bei Hänigsen seinen Regelbetrieb aufnehmen. Von hier kommen gut 50 Prozent unseres Trinkwassers im nördlichen Versorgungsgebiet, von Uetze über Hämelerwald bis nach Vöhrum und in die Kernstadt Peines hinein wird es getrunken“, erinnert Geschäftsführer Olaf Schröder. „Dieses Werk ist einer der wichtigen Pfeiler für eine regionale Trinkwasserversorgung. Damit sind die 6,5 Millionen Euro eine nachhaltig wirksame Investition für die ganze Region.“
Auch das Großprojekt Harzwasser-Umstellung, mit rund 30,7 Millionen Investitionssumme das bislang aufwendigste des Verbands, steht vor dem Abschluss. „Wenn das Wetter weiter mitspielt, sollte kurz vor Weihnachten in den noch nicht umgestellten Ortschaften Harzwasser eingespeist werden können“, blickt Schröder voraus. Im Dezember 2008 waren die ersten vier Dörfer umgestellt worden, seitdem wurden über 50 Kilometer neue Transportleitungen sowie ein neuer Wasserbehälter gebaut.
An diesen beiden Projekten wird die fein abgestimmte Strategie zwischen regionaler Eigenförderung und Zukauf mit längeren Transportwegen deutlich. „Beides zusammen ist notwendig, um die sichere Versorgung rund um die Uhr auch in den kommenden Jahrzehnten verlässlich und bezahlbar erhalten zu können“, betont Schröder. Der Preis im Tarifgebiet solidar bleibt trotz der Millioneninvestitionen ein weiteres Jahr lang stabil: bei 1,48 Euro je Kubikmeter und 60 Euro Grundentgelt je Anschluss im Jahr. „Zudem setzten wir die Integration der anderen Tarifgebiete Dransfeld, Staufenberg sowie Clauen und Bründeln ins Tarifgebiet solidar fort, die Preise werden entsprechend angepasst. 2017 werden dann alle Trinkwasserkunden denselben Preis bezahlen“, kündigt Schröder an. Noch wichtiger als der gleiche Preis sei der gestalterische Spielraum, der so auch mit Blick auf den demografischen Wandel, erhalten bleibt: Denn mit der Integration kann eine große Gemeinschaft von gut 61.200 Anschlussnehmern die Kosten für die notwendige Infrastrukturpflege schultern. „Anders wäre eine aktiv gestaltete Infrastrukturpflege auch in schwächeren Regionen nur noch sehr schwer langfristig bezahlbar zu halten. Dank des Solidargedankens wird niemand aufgrund der Lage oder wirtschaftlichen Dynamik einer Region einfach abgehängt“, verdeutlicht Schröder.
Im Abwasserbereich wirft ein Großprojekt seine Schatten deutlich voraus: der Neubau der Kläranlage in Algermissen tritt in die Ausschreibungsphase ein. „Noch in 2014 soll der Baustart erfolgen“, blickt Ingenieur Schröder voraus. Das Neun-Millionen-Euro-Vorhaben erfordert viel planerische Umsicht in den kommenden zwei Jahren.
Aber auch jenseits solcher besonderen Projekte geht die nachhaltige Erneuerung der Ortsnetzkanäle und Kläranlagen in den 14 Abwassergemeinden kontinuierlich weiter – gut 26 Millionen Euro sind im kommenden Jahr im Wirtschaftsplan dafür vorgesehen, je nach Projektplan in ganz unterschiedlichen Höhen in den jeweiligen Kommunen: Die Spanne reicht von 330.000 Euro in der Samtgemeinde Lutter über etwa 670.000 in Ilsede bis zu über zwei Millionen in Hohenhameln, Uetze, Elze oder Dransfeld sowie gut neun Millionen in der Gemeinde Algermissen. „Wir stimmen diese Projektlisten jedes Jahr genau mit den Gemeinden ab, um auch eventuelle Vorteile zeitlich abgestimmten Vorgehens, etwa beim Straßenausbau, zu sichern“, so Schröder.
Binnen weniger Jahre hat der Wasserverband in seinen Mitgliedsgemeinden nun fast flächendeckend das sogenannte getrennte Entgelt beim Abwasser eingeführt: Ab 2014 greift es in den Gemeinden Uetze sowie den Samtgemeinden Freden und Dransfeld. „Damit setzen wir eine von Gerichten geforderte feinere Kostenaufteilung um, nachdem der einheitliche Verteilungsschlüssel Frischwasserbezug in Kubikmetern als nicht mehr adäquat genug gewertet wurde“, erinnert Schröder.
Doch damit sei der Umbau der Tarifsysteme noch längst nicht abgeschlossen. „Die Herausforderung der kommenden Jahre mit Blick auf das Tarifsystem wird eine noch bessere Abbildung der Relation Fixkosten zu variablen Kosten sein“, blickt der Geschäftsführer voraus. „Bis zu 80 Prozent der Kosten in der Wasserversorgung entstehen für die Bereitstellung des Systems rund um die Uhr – wie viel Wasser die Rohre und Anlagen durchfließt, spielt eine untergeordnete Kostenrolle. Wir werden eine Zunahme bei mengenunabhängigen Einheiten wie den Grundentgelten erleben. Ohne sie ist eine verlässliche Planung und Finanzierung kaum mehr möglich – gerade angesichts der demografischen Entwicklungen und damit einhergehender Mengenentwicklungen auch in Südostniedersachsen“, so Schröder.