„Das deutsche Tennis hat seine Talsohle durchschritten“

Gottfried Schumann, Präsident des niedersächsischen Tennisverbandes, zu Gast beim Tennisturnier in Lutter.

Herr Schumann, welchen Eindruck hatten Sie vom Turnier des TSV Lutter?

Schumann: Es hat mir persönlich sehr gut gefallen. Die Organisation, der Ablauf und zum Glück auch das Wetter haben gepasst.

Was hat Sie auf die Anlage gelockt?

Schumann: Wir haben mit unserer Mannschaft dort gespielt und ich wurde nach dem Spiel gefragt, ob ich nicht zur Unterstützung vorbei kommen könnte. Das würde das Turnier etwas mehr in den Blickpunkt rücken. Da habe ich zugesagt.

Wie sehen Sie die Nachwuchsentwicklung?

Schumann: Wir sind auf einem guten Weg. Es tut sich viel in Sachen Schultennis. Die Kooperationen zwischen Vereinen und Schulen sind regelrechte Akquisitionsmaßnahmen. Dazu gibt es die jungen Spielformen wie das Midcourt-Spiel. Wenn Vereine das auch in Turniere einbringen, wie hier in Lutter, bringt das weiteren Zulauf. Die Vereine, die damit arbeiten, haben nach unserer Beobachtung auch entsprechenden Zulauf. Lutter ist da ein positives Beispiel.

Sehen Sie für das deutsche Tennis wieder einen Aufschwung?

Schumann: Die Fed-Cup-Mannschaft ist sehr gut aufgestellt und bei den Herren läuft es eigentlich auch nicht schlecht, wenn man sich die Top 100 der Welt ansieht. Allerdings sind da schon einige etwas älter, also Ende 20. Da hoffen wir ja zum Beispiel mit unserem Leistungszentrum in Hannover Abhilfe zu schaffen. Hier können ab U12 bis zur U18 aussichtsreiche Spieler in professioneller Umgebung trainieren und betreut werden, um dann vielleicht einmal den Sprung zu schaffen. Mentor des Projektes ist unter anderem Nikolas Kiefer.

Stichwort Kiefer: Er bemängelte jüngst fehlende Typen.

Schumann: Das ist tatsächlich irgendwo ein Manko. Ein Florian Mayer ist lieb und nett und ein guter Spieler, aber introvertiert. Wenn man da andere wie zum Beispiel den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga sieht, die sich auch mal nach außen öffnen, mit dem Publikum sprechen oder spielen, das kommt an. Aber das ist Typ-bedingt, das hat was mit dem Menschen, nicht mit dem Sport zu tun. Vielleicht kommt ja morgen wieder einer, der seine Emotionen zeigt. Bei den Damen klappt das ja auch zurzeit. Auf jeden Fall hat das deutsche Tennis seine Talsohle durchschritten.