Ein Kindergarten auf großer Reise

Stecken mitten in den letzten Vorbereitungen: Leiterin Renate Drese-Kolk und Tanja Lampe, die schon als Kind an der Freizeit teilnahm.

Seit 20 Jahren bietet die Kindertagesstätte ihre Burgfreizeit an

Seit zwanzig Jahren ist es ein alljährlich wiederkehrendes Ritual: Die Familienfreizeit des Kindergartens Mahlum. Jedes Jahr, zumeist im Januar oder Februar, geht es an einem Wochenende auf eine Burg. Mit dabei sind nicht nur Kinder und Erzieher, auch alle anderen Familienmitglieder sind gerne gesehen. Ob Eltern, Geschwister, Onkel, Tante oder Großeltern – eine richtige Familienfreizeit eben.

Ins Leben gerufen wurde sie 1994 von der heutigen Leiterin Renate Drese-Kolk. Sie entdeckte während einer Motorradtour die Burg Bodenstein bei Duderstadt. Diese wurde damals jedoch gerade saniert, sodass man zunächst ausweichen musste. So ging es zunächst auf die Burg Ludwigstein, etwas südlich von Göttingen. Mit Ausnahmen von Hessenstein und der Wewelsburg, ging es ansonsten immer nach Bodenstein, in diesem Jahr zum 18. Mal. So kontinuierlich auch das Ziel ist, das Programm ist es nicht.
„Wir haben in jedem Jahr ein bestimmtes Thema, an dem sich dann das Programm orientiert. In all den Jahren haben wir es geschafft, dass sich dieses Thema noch nicht wiederholt hat“, berichtet Drese-Kolk. Worum es diesmal geht, wollte sie noch nicht verraten: „Das ist auch für Eltern und Kinder immer eine Überraschung. Es wird dann am ersten Abend bekannt gegeben.“ Ablauf und Programm sind in jedem Jahr anders, auch, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Schließlich sind einige Kinder und Eltern mehrfach dabei. Neben der Erkundung der Burg und der Umgebung stehen auch Workshops auf dem Programm. Aber jede Familie kann sich auch durchaus einmal zurückziehen oder sich von den Wellnessmöglichkeiten verwöhnen lassen. „Es ist schon ein bisschen Urlaubsfeeling dabei. Aber das soll auch durchaus so sein. Viele Familien können sich einen richtigen Urlaub nicht immer leisten“, so Drese-Kolk, die Wert darauf legt, dass wirklich jeder mitkommen kann. Dafür gibt es natürlich auch einen Sozialfond und Sozialpreise auf der Burg selbst.

Gemeinsamkeit und Nachhaltigkeit stehen im Mittelpunkt

Gemeinsamkeit ist ein zentrales Thema der Fahrt. Nicht nur die Kinder vertiefen Freundschaften, auch in der Elternschaft entstehen neue Bekanntschaften. Schon mehrfach seien daraus Spielrunden entstanden, freut sich die Kindergartenleiterin. Nachhaltigkeit ist ihr auch sehr wichtig. Zum einen geben die Eltern oft etwas zurück, wie Drese-Kolk weiß: „Sie lernen sich untereinander besser kennen, aber auch die Erzieher. Viele bringen sich hinterher auch im Kindergarten-Alltag mit ein.“
Zum anderen seien die Erinnerungen auch Jahre später noch vorhanden, wie auch Tanja Lampe zu berichten weiß: „Die Kindergartenzeit ist irgendwann weitestgehend aus dem Gedächtnis raus. Doch an solche Fahrten erinnert man sich immer.“ Lampe ist in diesem Zusammenhang etwas besonderes. Sie nahm bereits als Kind an der Freizeit teil. Nun ist sie ausgebildete Erzieherin und zum zweiten Mal auf „der anderen Seite“. An was sie sich besonders gerne erinnert? „Die selbstständige Erkundung der Burg bei Nacht!“ Die Abende seien ohnehin etwas besonderes. Da treffe sich jeder der will im Gruppenraum. Singen, tanzen, spielen oder einfach nur erzählen – der Tagesausklang ist jedesmal bunt gemischt. Während der Fahrt kämen oft lange vergessene Talente wieder zum Vorschein, berichtet Renate Drese-Kolk: „Zum Beispiel fangen einige Eltern plötzlich wieder mit dem Nähen an. Einfach weil sie hier die Zeit haben, wieder einmal etwas auszuprobieren.“ Der Sonntag endet immer mit einem Gottesdienst, der ebenfalls unter dem Motto des jeweiligen Themas steht. Anschließend klingt das Wochenende mit einer Gruppenbesprechung aus. Hier kann jeder noch einmal sagen, was ihm gefallen hat und was nicht. Das Feedback sei wichtig, schließlich habe man den Anspruch gut zu sein, erklärt Tanja Lampe. Einige Familien verbinden die anschließende Heimfahrt auch gerne noch mit einem Ausflug in die Umgebung.
Seit Ende Oktober wird die diesjährige Freizeit von allen Mitarbeitern vorbereitet. Gut 60 Personen sind angemeldet, darunter die Hälfte Kinder. Erstmals dürfen sich in diesem Jahr auch zwei Familien aus der Bornumer Einrichtung auf die Fahrt freuen. Möglicherweise wird es auch dort in Zukunft eine „Burgfreizeit“ geben. Doch erst einmal geht es nun vom 24. bis 26. Januar von Mahlum aus auf die rund einstündige Reise.