Johannis-Gemeinde feiert 300-jähriges Altarjubiläum

Der barocke Altar in der St.-Johannis-Kirche zu Mahlum: Pfarrerin Uta Hirschler machte auf kleine Details an dem 300 Jahre alten Schmuckstück aufmerksam, die eine große Aussagekraft haben. (Foto: Heinzel)

Sehhilfe für den Betrachter: Pfarrer Wolfgang Meißner erzählt über Geschichte des Altars

Von Sandy Heinzel, Mahlum

Einen ganz besonderen Geburtstag konnte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Mahlum feiern. Der Altar in der St.-Johannis-Kirche ist 300 Jahre alt geworden. Nach dem Gottesdienst, der von dem Pfarrerehepaar Uta und Johannes Hirschler, dem Mahlumer Frauenchor, dem Männergesangsverein und der Gitarrengruppe gestaltet wurde, hielt Pfarrer i. R. Wolfgang Meißner einen spannenden Vortrag über den Altar und seine Geschichte.
Wolfgang Meißner, aus Mahlum stammend, hat sich mit großer Leidenschaft mit der Geschichte der St.-Johannis-Kirche befasst. Er hat sich durch viele Akten und Eintragungen in den Chroniken und Kirchenbüchern gewühlt und dabei einige interessante Entdeckungen gemacht.
Über den Ursprung der Mahlumer St.-Johannis-Kirche sind urkundliche Belege zwar unbekannt, dennoch fand Meißner einige sichere Daten. Unter anderem wurde er auf die von dem Historiker Hermann Blume zitierten urkundlichen Nachrichten über das Dorf Mahlum aufmerksam. Daraus wird ersichtlich, dass das Kirchengebäude in der zweiten Hälfte des zwölften oder in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut worden ist.
Dem Kirchenführer von Wolfgang Meißner ist zu entnehmen, dass der barocke Altar schon immer in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit fand. In einem Zeitungsbericht des Seesener „Beobachter“ vom 13. August 1940 schreibt ein unbekannter Verfasser: „Das Schönste in der Kirche ist der von Geheimnissen umwitterte Altar“.
Meißner las in einem Protokollbuch des Kirchenvorstands von einer größeren Renovierung, die 1938 vorgenommen wurde. Offen blieb aber weiterhin die Frage, wie alt der Altar wohl tatsächlich sein mag. Hier kam Pfarrer Meißner – wie in einem Krimi – Kommissar Zufall zu Hilfe. Denn beim Durchblättern alter Rechnungsbücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert entdeckte er einen Contract. In dieser handschriftlichen Vereinbarung vom 7. August 1707 war von der Herstellung eines Altars in der Mahlumer Kirche zwischen dem damaligen Pastor Leopold Andreas Lübbren und dem Sculpteur Johann Heinrich Fahrenholtz zu lesen. Fahrenholtz war ein Bildhauermeister aus Bockenem.
Auf Meißners „Entdeckungstour“ durch die Geschichte der Kirche stieß er auf allerhand weitere interessante Informationen. Wer sich dafür interessiert kann den Kirchenführer „St. Johannis in Mahlum – Ein Gang durch unsere Kirche“ von Wolfgang Meißner für einen geringen Betrag erwerben.
Im Anschluss an den Gottesdienst und den Vortrag gab es ein fröhliches Geburtstagsfest mit Essen, Trinken, Spiel und Spaß im Pfarrgarten. Am Abend feuerten die Gemeindemitglieder dann schließlich gemeinsam die Frauen bei der Fußball-WM an.