Buntes Treiben in Mechtshausen

Mit bunten Umhängen und Kappen ging es für die rund 150 Sassen von der Gaststätte Scharn zu ihrem Ehrenschlaraffen Hans Huckebeyn alias Wilhelm Busch.
 
Das Oberschlaraffat legte einen Kranz vor das Grab.

Die Hans-Huckebeyn-Leibstandarte ehrt ihren Ehrenschlaraffen

Zum 97. Mal, und das in ununterbrochener Folge, „ritten“ am vergangenen Sonnabend die Schlaraffen in Mechtshausen ein. Sie gedachten ihrem Ehrenschlaraffen Hans Huckebeyn alias Wilhelm Busch.

Nach drei Salutschüssen an der Gaststätte Scharn ging es im Festumzug mit rund 150 Sassen an das Grab Buschs. Es ist alljährlich ein buntes Treiben und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn die Umhänge, Kappen und Reichsbanner sind allesamt in bunten Farben gehalten. Am Grabe angekommen verlas der Oberschlaraffe des Äußeren, Ritter Garlenikus eine kurze Ansprache des Oberschlaraffen der Kunst (Ritter Drei-moi-Zwoa), der aus profanen Gründen die Teilnahme in diesem Jahr absagen musste. Anschließend konnte jeder Schlaraffe zu Ehren Hans Huckebeyns ein kurzes Zitat vortragen.
Anschließend ging es nach Rhüden in die Festburg „Zum Rathaus“. Dort fand das 67. Ritter-Turney um die Huckebeyn-Kette statt. Dieses Turnier wird jedoch nicht mit Schwert und Schild ausgetragen, sondern mit geistigen Waffen. Zum Thema „Dies hat nun allerdings den Schein, als ob hier schöne Früchte sei’n“ (Fipps der Affe), konnte sich jeder für eine maximal vierminütige Fechsung (Rede) anmelden. „Das war in diesem Jahr wirklich eine hohe Qualität“, berichtete der ehemalige Oberschlaraffe Poly-Flor, der im „profanen“ Leben Horst Sander heißt. Er ist Mitglied der ausrichtenden Schlaraffia Hildesia (Hildesheim). Das Turney der Knappen gewann Knappe Nummer 455 (einen Namen bekommen die Schlaraffen erst als Ritter) oder Dipl. Ing. Paavo Etzold aus Hannover. Bei den Rittern gefiel „Mutabor“ (Olaf Zernick) aus dem Reich Brunsviga am Besten. Er kann sich nun mit dem Titel „Edler von Mechtshausen“ schmücken.
Mit dabei waren natürlich auch wieder die Sassen von der Kaiserpfalz (Goslar) als Tochterreych Hildesias. Den weitesten Einritt hatte in diesem Jahr ein Ritter aus der ecuadorianischen Hauptstadt Quito oder auch Perla Andina, dem höchstgelegenen Reych des Uhuversums. Dafür wurde ihm ein Sonderpreis verliehen. Zwei weitere Sassen nahmen den weiten Weg aus dem südafrikanischen Kapstadt auf sich.

Die Schlaraffen

Weltweit gibt es gut 10.000 Schlaraffen. Die Schlaraffia ist eine am 10. Oktober 1859 in Prag gegründete, weltweite und deutschsprachige Vereinigung zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor. Am Gründungsort traf sich eine zunächst vorwiegend aus Künstlern bestehende Runde, die nicht nur den schönen Künsten huldigte, sondern mit satirischer Lust die Überheblichkeit des Adels und die dünkelhafte Titels- und Ordenssucht des tonangebenden Beamtentums aufs Korn nahm. Heute gibt es zirka 260 Reyche (Ortsvereine) in Europa davon überwiegend in Deutschland, Österreich, Schweiz, Nord- und Südamerika, Südafrika, Thailand und Australien. In jedem dieser Reyche wird deutsch gesprochen. Während der Nazizeit mussten sich die meisten Schlaraffen-Reiche auflösen. Die Hildesheimer bestanden, getarnt als „Wilhelm-Busch-Kegelklub“ fort. Die Treffen, „Sippungen“ genannt, finden in Europa und Nordamerika im Winterhalbjahr vom 1. Oktober bis zum 30. April in jedem örtlichen Verein einmal pro Woche statt. Die Schlaraffen sind ein reiner Männer- aber kein Geheimbund. Teilnehmen kann jeder Interessierte. Weitere Informationen unter www.schlaraffia.org.