Buschs „falscher“ Geburtstag

Hannelore Müller strahlte, als sie das Dokument aus den Händen von Wilfried Bensch entgegennehmen konnte.

Hat der in Mechtshausen begrabene Dichter etwa schon am 14. April 1832 das Licht der Welt erblickt?

Bekanntlich feierte Wilhelm Busch nicht gern seinen Geburtstag und flüchtete sich dann oft in Kurzreisen, um den Feierlichkeiten zu entgehen.

Weniger bekannt ist die kuriose Geschichte, die sich um Buschs Geburtsdatum rankt: Während Wilhelm Busch selbst und auch alle Biographen vom 15. April ausgehen, ist er laut Geburtsurkunde und Kirchenbucheintrag am 14. April 1832 in Wiedensahl zur Welt gekommen.
Hat Wilhelm Busch das gewusst und mit Absicht seinen Geburtstermin um einen Tag verschoben, um allein zu feiern? Zuzutrauen wäre es ja dem bekennenden Einzelgänger: Wer einsam ist, der hat es gut, weil keiner da, der ihm was tut.”
Licht in dieses Dunkel bringt der pensionierte Kriminalpolizist Wilfried Bensch, der in diesen Tagen mit einer Gruppe ehemaliger Berufskollegen aus dem Hildesheimer Raum das Wilhelm-Busch-Haus in Mechtshausen besuchte und eine Abschrift der Geburtsurkunde Wilhelm Buschs mitbrachte, um sie dem Haus zu überlassen. Wilfried Bensch ist in Mechtshausen als Sohn des dortigen Lehrers aufgewachsen und wohnte vis à vis des Pfarrhauses, in dem Wilhelm Busch 40 Jahre früher mit der Familie des Neffen Otto Nöldeke residierte. Schon in Kindertagen interessierte sich Bensch sehr für den bekannten Dichter und Zeichner und er fand später im väterlichen Nachlass neben der Schulchronik eine Abschrift der Geburtsurkunde Wilhelm Buschs. Das Dokument hatte Otto Nöldeke nach dem Tod seines Onkels beglaubigt – und dort ist als Geburtsdatum der 14. April 1832 zu lesen.
Das weckte den Spürsinn des Kriminalisten und er forschte im Wiedensahler Kirchenbuch nach, der einzigen Registrierstelle für Geburten in der damaligen Zeit. Und auch hier ist der 14. April eingetragen. Aber da der Kirchenbucheintrag erst einen Monat später erfolgte und in der Familie immer der 15. als Ehrentag gefeiert wurde, ist von einem Versehen des Wiedensahler Pastors bei der Eintragung auszugehen. Die Busch-Biographie muss also nicht geändert werden und dennoch ist diese Geschichte um den „falschen“ Geburtstag kurios.
Der Förderkreis des Wilhelm-Busch-Hauses freut sich, dass diese Urkunde samt der dazugehörigen Geschichte nun im Haus präsentiert werden kann. Bei dem Besuch bewirteten die Museumsbetreuerinnen Dorle Herzog und Hannelore Müller die Gruppe und erläuterten die Ausstellung. Vor allem mit Hannelore Müller, die als Mechtshäuserin Wilfried Bensch schon aus Kindertagen kennt, gab es viel zu erzählen und sie strahlte, als sie das neue Exponat in Empfang nahm. HR