Gestatten: Hans Huckebeyns Leibstandarte

Die Leibstandarte Hans Huckebeyns pilgert alljährlich an das Grab von Wilhelm Busch.
 
Die Urschlaraffen bestimmten den Uhu zu ihrem bis heute bestehenden Sinnbild.

Zu Ehren Wilhelm Buschs versammelten sich am Sonnabend über 150 Schlaraffen in Mechtshausen

Am vergangenen Sonnabend ritten sie wieder ein – die mehr als 150 „Sassen“ aus über 30 „Reychen“, die sich einmal jährlich in Mechtshausen und Rhüden einfinden. Bereits zum 96. Mal, erwiesen sie hier ihrem Ehrenschlaraffen „Hans Huckebeyn“ alias Wilhelm Busch die Ehre am Grab. Die Sprache der Schlaraffen ist ein wenig sonderbar und gewöhnungsbedürftig, und das was die Schlaraffen so treiben, natürlich auch.
Hildesia, das allzeit einwandfreie Reych, die „Perle von Niedersachen,“, „Pragas Stolz“, Hans Huckebeyns „Leibstandarte“, hatte also auch in diesem Jahr wieder die wackeren Kämpen des UHUversums zum nunmehr 96. Huckebeynritt mit 66. Ritter-Turney um die Huckebeynkette (gestiftet von der Wilhelm-Busch-Gesellschaft Hannover) eingeladen.
Es wirkt schon etwas eigentümlich, wenn diese Männer im besten Alter, hunderte Kilometer auf sich nehmen, um dann im Vorharz in bunten Gewändern und Narrenkappen einen karnevalsähnlichen Umzug zu veranstalten und um sich im Anschluss daran einzig der Blödelei zu widmen.
Wer jedoch einmal genauer hinschaut und sich den Huckebeynritt und seine Teilnehmer aus der Nähe ansieht, der wird schnell merken, dass die Art der Blödeleien nicht stumpf oder oberflächlich sind, sondern durchaus feinsinnig mit einem klaren Hang zu aktuellen Themen aus Gesellschaft und Politik. Das Besondere liegt in diesem Zusammenhang vor allem darin begründet, dass sich die Schlaraffen bestens darauf verstehen, sich selber nicht zu ernst zu nehmen.
Am Sonnabend erwiesen die Eingerittenen also zunächst Wilhelm Busch an dessen Grabe mit humoresken Kurzzitaten und einer Kranzniederlegung die Ehre. Nach dem Treffen im Gasthaus Scharn und zwei statt drei Salutschüssen – hier wollte die Kanone nicht so recht mitspielen – ging es zur Kranzniederlegung zum Grab von Wilhelm Busch. Mit schmetternden Fanfaren, setzte sich die „bunte Gesellschaft“ bei schwülwarmen Wetter zum Pilgermarsch Richtung Buschs letzter Ruhestätte in Bewegung.
Im Anschluss ritten die Sassen gen Rhüden, um sich dort im Hotel „Zum Rathaus“ mit Helm, Mantel, Orden und Reychsbanner dem lustigen Ringen um die Huckebeynkette zu widmen. Thema: „Doch guter Menschen Hauptbestreben ist, anderen auch was abzugeben.“ Knappen und Junker kämpfen dabei stets im separaten Turney um den „gefangenen Huckebeyn im Käfig“. So ist es Brauch der Schlaraffen, die wie gewohnt viel Spaß bei ihrem jüngsten Treffen hatten.
In diesem Jahr ging Ritter Floridan (Jürgen Steinmeyer) aus dem Reyche Hannovera als Sieger hervor. Er erhielt den Titel „Edler von Mechtshausen“. Beim Wettstreit der Knappen und Junker wird um den Gefangenen Huckebeyn im Käfig gekämpft. Als Sieger ging hier der Knappe mit der Knappennummer 468, mit profanen Namen Axel Gohlke ,aus dem Reyche Hammonia (Hamburg) hervor.
Als besondere Auszeichnung erhält das europäische Reych mit den meisten Einrittskilometern für ein Jahr den sogenannten Ehrenschild. Drei Sassen aus Mallorca – die sogenannten Ritter aus Medina Mayurca – durften sich darüber freuen.

Zu Nazi-Zeiten als „Kegelclub Wilhelm Busch“ getarnt

Der Huckebeynritt, der jährlich vom Reych Hildesia, zu deutsch Reich Hildesheim, ausgerichtet und zelebriert wird, ist in bisher ununterbrochener Reihenfolge veranstaltet worden, also seit 1919. Auch zur Zeit des Nationalsozialismus wurde mit der Tradition nicht gebrochen, obwohl die Schlaraffen, ob ihrem Entschluss sich nicht einordnen zu wollen, von 1939 bis 1945 verboten waren. In diesen sechs Jahren wurde der Huckebeynritt getarnt als Kegelklub Wilhelm Busch ausgetragen.
Ausgegangen war die Herrengesellschaft übrigens schon vor über 150 Jahren von Prag, wo 1859 deutsche Musiker, Schauspieler, Akademiker und Bürger vieler Stände einen besonderen Freundschaftsbund gründeten. Zufällig war über die Innentür des von ihnen gewählten Gasthauses ein großer ausgestopfter Uhu angebracht. Die Urschlaraffen bestimmten deshalb den Uhu zu ihrem bis heute bestehenden Sinnbild.