Bei einer Betriebsfeier sprang der Funke über

Feiern am heutigen Montag 50-jähriges Eheglück: Monika und Manfred Klughardt.

Monika und Manfred Klughardt feiern heute in Münchehof das Fest der Goldenen Hochzeit

Berlin 1958: Eine zweite schwere Krise belastete die Stadt. In einer Note, auch Berlin-Note genannt, forderte die Sowjetführung die Umwandlung West-Berlins in eine selbstständige politische Einheit zu einer so genannten Freien Stadt, die entmilitarisiert sein sollte. Chruschtschow bestand auf einem Abzug der Truppen der Westalliierten aus West-Berlin und formulierte so die Drei-Staaten-Theorie. Wie wir heute wissen, scheiterte das Ultimatum an den Alliierten und die Berliner zeigten sich weitgehend unbeeindruckt von dem erneuten Vorstoß der Sowjetunion. Dies war aber auch die Zeit, als sich unsere heutigen Jubilare nach vorausgegangenen gelegentlichen Begegnungen bei einer Betriebsfeier näher kamen und sich fortan nicht mehr aus den Augen verloren. Heute vor genau 50 Jahren gaben sich beide auf dem Standesamt Berlin-Wittenau das Ja-Wort und schlossen so den Bund fürs Leben.
Monika Klughardt geborene Huhndt wurde 1944 in Danzig geboren. Wegen der ständigen Bombardierungen hatte die Mutter vorübergehend Berlin verlassen, um sich und ihr Kind vor den damit verbundenen Gefahren zu schützen. Bereits zwei Tage nach der Geburt kehrten beide nach Berlin zurück. Als Kleinkind erlebte sie mit ihrer Familie, wenn auch noch unbewusst, den Untergang ihrer Heimat und wuchs in einer völlig zerbombten Stadt auf. Ihre Mutter engagierte sich in dem ja während des Krieges abgeholzten Tiergarten als Trümmerfrau. Als sich die Verhältnisse langsam besserten, besuchte Monika von 1950 bis 1958 die Schule und absolvierte im Anschluss daran eine Lehre als Näherin. Diese Tätigkeit führte sie dann auch weiterhin bis zur Geburt ihres ältesten Sohnes im Jahre 1963 aus. Später, als die beiden Söhne größer waren, war die Jubilarin dann in der pharmazeutischen Industrie tätig.
Manfred Klughardt erblickte 1940 in Berlin-Reinickendorf das Licht der Welt. Gegen Ende des Krieges wurde er gemeinsam mit seiner Mutter evakuiert und wuchs zu dieser Zeit außerhalb Berlins auf einem Dorf auf, während der Vater in französischer Kriegsgefangenschaft war. Nach dem Krieg kehrte Mutter Klughardt mit ihrem Sohn wieder nach Berlin zurück. Manfred besuchte von 1946 bis 1954 die Schule, nahm danach eine dreijährige Lehre als Stahlbauer in einem mittelständigen Betrieb in Berlin-Borsigwalde auf.
Nach der Lehre wurde er in einer Maschinenfabrik in Berlin-Reinickendorf tätig, wo es dann dank der späteren Schwiegermutter bei einem Betriebsfest auch den alles entscheidenden Kontakt zu seiner späteren Ehefrau gab. Von 1966 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1998 war Manfred Klughardt als Kraftfahrer auf einem Spezialfahrzeug bei den Berliner Wasserbetrieben beschäftigt.
Nach der Heirat gesellten sich sehr bald die beiden Söhne Andreas (1963) und Thomas (1966) hinzu. Das Eheglück war vollkommen. Später heirateten beide Söhne und zur großen Freude des Jubelpaares zählen inzwischen auch vier Enkelkinder und sogar zwei Urenkel zur glücklichen Familie.
Mit zunehmender Dauer fühlte sich das Jubelpaar jedoch in dem mit Mauer und Stacheldraht eingeengten West-Berlin nicht mehr so recht wohl. An einen Fall der Mauer oder gar an die Wiedervereinigung war zu jener Zeit überhaupt nicht zu denken. Es wurde Ausschau nach geeigneten Alternativen überall in Deutschland gehalten, um vor allem nach der Pensionierung ein freieres Leben ohne enge Grenzen gestalten zu können. 1980 wurde man in Münchehof fündig. Ein älteres Haus mit einem großen Garten wurde sehr bald ihr Eigentum. Fortan pendelte man am Wochenende von Berlin nach Klein-Berlin - wie Münchehof auch gern genannt wird - und gestaltete Haus, Hof und Garten so recht nach dem eigenen Geschmack. Heute ist das gesamte Anwesen ein echtes Schmuckstück, zumal sich beide als ausgesprochen erfolgreiche Garten- und Blumenliebhaber profilieren konnten. Doch nun steht ein erneuter Wechsel ins Haus.
Die Gesundheit der beiden Jubilare lässt es auf Dauer nicht mehr zu, das große Anwesen weiterhin in Schuss zu halten und so folgt man nun der Enkelin mit ihrer Familie nach Wolfsburg, bezieht dort eine große, helle Wohnung mit Balkon und überlässt Haus und Grundstück einem neuen Eigentümer. Besonders freuen sich beide auf den dann wieder möglichen häufigeren Kontakt zu den beiden Urgroßsöhnen. Doch zuvor werden die Jubilare ihre goldene Hochzeit noch in Münchehof gestalten und bestimmt werden sich auch einige Nachbarn und Freunde und ganz sicher auch der Ortsbürgermeister zur Gratulation einfinden.