Damit man die Bäume vor lauter Wald noch sehen kann

Die Spezialisten für Niedersachsen gemeinsam mit Uwe Neupert (Mitte). (Foto: Heinzel)
 
(Foto: bo)

Dritte Bundeswaldinventur geht in die nächste Runde / Auffrischungskurs im Forstlichen Bildungszentrum

Von Sandy Heinzel, Münchehof

Der Wald spielte für die Menschen schon immer eine wichtige Rolle. Ursprünglich versorgte er sie mit Nahrung, lieferte Tierfutter und diente als Viehweide. Sein Holz war Bau- und Werkstoff und zugleich der wichtigste Energieträger. Auch heute erfüllt der Wald eine Vielzahl wichtiger Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen: Er liefert den umweltfreundlichen und nachwachsenden Rohstoff Holz, reguliert den Wasserhaushalt, schützt vor Überschwemmungen, Lawinen und Erosion, wirkt ausgleichend auf das Klima, ist Lebensraum zahlreicher Pflanzen und Tierarten und dient der Erholung.
Der Wald kann seine vielfältigen Funktionen nur dann dauerhaft erfüllen, wenn er nachhaltig bewirtschaftet wird. Die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes und eine Forstpolitik, die diese Bewirtschaftung fördert, verlangen aber Kenntnisse über Zustand, Struktur, Dynamik und Leistungsfähigkeit der Wälder.
Diese Informationen liefert die Bundeswaldinventur (BWI). Sie gibt einen Überblick über die großräumigen Waldverhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland. Mit Hilfe der BWIlassen sich die forstlichen Produktionsmöglichkeiten beurteilen, eine bundesweite Holzaufkommensprognose erstellen und internationale Berichtspflichten erfüllen.
Die erste Bundeswaldinventur wurde in den Jahren 1986 bis 1989 in Westdeutschland durchgeführt. Nach der Deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde eine Wiederholung notwendig, die in den Jahren 2001 bis 2003 erfolgte. Die Feldaufnahmen der nunmehr dritten BWIhaben im April 2011 begonnen und sollen bundesweit bis spätestens Herbst 2012 abgeschlossen sein. Mit der durch das Bundeswaldgesetz vorgeschriebenen Großrauminventur werden die Waldverhältnisse in Deutschland erfasst. Ihre Ergebnisse sind eine unentbehrliche Grundlage für forst-, handels- und umweltpolitische Planungen und Entscheidungen zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz des Waldes. Bei der dritten BWI werden Daten erhoben, die zum ersten Mal Aussagen zu Zuwachs und Nutzung in ganz Deutschland und Eigentumsarten ermöglichen.
Zur Optimierung von Bewirtschaftung, Erhalt und nachhaltiger Entwicklung des Waldes sind aktuelle Informationen erforderlich, wie viel Wald es in Deutschland gibt und wie sich der Wald zusammensetzt nach Baumarten, Alter, Mischungsverhältnissen, Zuwachs und Nutzung. Zudem wird erhoben, wie sich der Wald in den letzten zehn Jahren unter dem Einfluss von gesellschaftlichem, wirtschaftlichem und ökologischem Wandel entwickelt hat.
Die acht Spezialisten, die für ganz Niedersachsen unterwegs sind, und im April 2011 mit den Außenaufnahmen begonnen haben, trafen sich nach der Winterpause in der vergangenen Woche im Forstlichen Bildungszentrum in Münchehof. Hier gab es einen Auffrischungskurs über zwei Tage unter der Leitung von Uwe Neupert, Landesinventurleiter für Niedersachsen, bevor die Inventur in die nächste Runde geht. Die Spezialisten sind in vier Gruppen für die Gebiete Mittleres Flachland (Geest), Heide/Östliches Flachland, Westliches Niedersachsen (Emsland) und Bergland aufgeteilt. In Niedersachsen liegen über 4600 Trakte, davon etwa 1600 Waldtrakte mit 4000 aufzunehmenden Waldecken. Die Ergebnisse werden dann im Jahr 2015 erwartet.


JEDER BAUM ZÄHLT

In Niedersachsen läuft seit April 2011 die dritte Bundeswaldinventur mit den Außenaufnahmen.

ZEIT. Die Außenaufnahmen zur Bundeswaldinvenrut haben bereits Anfang April 2011 begonnen und sollen nach einer Winterpause spätestens im Herbst 2012 enden. Die Ergebnisse werden 2015 erwartet.

ZIEL. Die BWI soll einen Überblick über die großräumigen Waldverhältnisse in der Bunderepublik liefern. Ebenso lassen sich durch die Ergebnisse die forstlichen Produktionsmöglichkeiten beurteilen und das künftige Holzaufkommen vorhersagen. Die Untersuchungen lie- fern eine umfassende, besitzübergreifende und vergleichbare Datengrundlage für das ganze Land und internationale Berichtspflichten. Die Ergebnisse dienen in Bund und Ländern als Datengrundlage für politische Entscheidungen zur Forst- und Holzwirtschaft. Sie belegen die Bedeutung des Waldes im Agrarland Niedersachsen.

VERFAHREN. Die Bundeswaldinventur ist eine forstliche Großrauminventur mittels Stichproben in einem 4km-Gitternetz. In Niedersachsen liegen etwa 4000 Stichproben im Wald, wo jeweils eine Vielzahl von Merkmalen aufzunehmen ist. Alle Daten werden anonym erhoben, Auswertungen für einen einzelnen Betrieb sind nicht möglich. Es sollen dieselben Punkte und Bäume aufgenommen werden wie bei der vorigen BWI.