Einmal die Zeit anhalten können....

„Das Ruferhaus ist eigentlich als ein Haus gegen den Trend zu bezeichnen“, so die erste Vorsitzende Regina Ranglack über das denkmalgeschützte Herrenhaus auf der Stauffenburg.
 
Die erste Vorsitzende des Rufer-Vereins Regina Ranglack, ihr Ehemann Holger Ranglack und Hausleiterin Andrea Hartmann vor dem Ruferhaus (v. links).

Im Ruferhaus Stauffenburg scheint die Zeit im positiven Sinne stehen geblieben zu sein / Workshops werden angeboten

Es ist ein Haus ohne Luxus, dafür mit umso mehr Natur drum herum, Ruhe, Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten. Das Ruferhaus auf der Stauffenburg kann ebenso ein Ort des Rückzugs wie auch der Zusammenkunft sein und bietet die Möglichkeit, Gott oder einfach sich selbst näher zu kommen.

Ende der 1970er Jahre wurde das denkmalgeschützte Herrenhaus von dem Verein Rufer e.V. zunächst angemietet. 1984 kaufte es der Verein und gestaltete das alte Fachwerkhaus aus dem Jahre 1690 in viel Eigenleistung um, sodass es heute als Tagungs- und Freizeithaus den Menschen zur Verfügung steht.
Die Rufer sind ein freier, ökumenischer, christlicher und gemeinnütziger Verein, der sich die Förderung der Gemeinschaft für Menschen aller Glaubens- und Denkweisen zum Ziel gemacht hat und sich selbst auch als „Arbeitskreis für ganzheitliches Christsein“ bezeichnet. Wichtiger Bestandteil dieser Missionarsaufgabe ist für die Rufer, das Evangelium nach außen zu tragen. Etwa 300 Mitglieder aus ganz Deutschland sind seit der Gründung im Jahr 1949 dem Verein beigetreten, der sich überwiegend aus freiwilligen Spenden und eben auch durch die Buchungen im Ruferhaus finanziert. Gründungsvater des Vereins war der Baptistenprediger Wilhard Becker aus Neu-Isenburg. Die Rufer-Mitglieder kommen etwa dreimal im Jahr zur Stauffenburg, um selbst Ruhe zu tanken und interne Seminare wie das Sommertraining oder das Teen-Train für Jugendliche zu besuchen.
Das Ruferhaus steht jedoch auch für Nichtmitglieder offen. Die Zimmer können von Urlaubsgästen oder Gruppen gebucht werden. Viele christliche Einrichtungen nutzen die Stauffenburg für Kirchen- oder Konfirmandenfreizeiten. „Für Gottesdienste unter freiem Himmel wird dabei meistens der große Baum hinter dem Haus genutzt“, erzählt die Haus- und Büroleiterin Andrea Hartmann „das ist einfach ein wunderbarer Ort der Zusammenkunft.“ Die guten Eigenschaften hätten sich laut der ersten Vorsitzenden und Psychotherapeutin Regina Ranglack bis hin zu Einrichtungen in Hannover, Braunschweig, Göttingen und sogar nach Schleswig Holstein herumgesprochen.
Die 15 Zimmer sind bewusst schlicht gehalten, ohne Radio, Telefon, Fernseher oder sonstigen modernen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts. Jedes der Zimmer ist mit dem Nötigsten und ganz individuell eingerichtet. Keines gleicht dabei dem anderen. Die Räume tragen als Namen die Bezeichnungen von Höhenzügen aus der Umgebung wie „Pagenberg“ oder „Auf dem Acker“. Zimmerschlüssel gibt es nicht, und die Erfahrung hat gezeigt, dass dieses Konzept im Ruferhaus funktioniert.
Ein Waschbecken ist auf fast jedem Zimmer vorhanden, bei manchen sogar eine Dusche. Ansonsten gibt es mehrere Duschräume auf der Etage. Insgesamt kann man das Haus als gehobene Herberge im Landhausstil bezeichnen.
„Das Ruferhaus ist eigentlich als ein Haus gegen den Trend zu bezeichnen“, berichtet die erste Vorsitzende Regina Ranglack „wir wollen das Leben der Menschen sozusagen entschleunigen, gegen die Schnelllebigkeit arbeiten. Zudem haben wir außer einer kleinen Hütte bewusst keinen künstlich angelegten Spielplatz gebaut. Die Kinder sollen so weit es geht ursprünglich spielen, sich mit der Natur auseinandersetzen. Und hier kann man die Kinder wirklich noch frei draußen spielen lassen, ohne Angst zu haben“. Sie selbst sei 1978 durch Freunde zu den Rufern gekommen und habe damals als Baptistin schon viel in der Jugendarbeit mitgewirkt.
Der Tagungsraum bietet vielen Besuchern Platz und ist mit moderner Medientechnik wie dem Internet ausgestattet. „Abends kann hier eben auch gerne gemeinsam ferngesehen werden – wir wollen uns ja nicht komplett von der Außenwelt abschotten - ganz ohne geht es eben auch nicht, gerade wenn man an die jungen Leute denkt“, so die erste Vorsitzende.
Die angebotenen Tagungen sind spezifisch auf die unterschiedlichen Bedürfnisse abgestimmt: Für Erwachsene gibt es Workshops unter Anleitung, die sich mit Entspannung, Ruhe und Yoga beschäftigen. Für Jugendliche werden Spiel und Sport wie Volleyball, Fußball oder Tischtennis sowie Lagerfeuer- und Mitternachtspartys angeboten. Zudem gibt es noch das Fastenwandern und Nordic Walking im Harz. Mit einer kurzen Wanderung von einer halben Stunde kann man die Ruine Stauffenburg erreichen.