Marga und Hubert Märtens feiern „Diamantene“

Blicken auf 60 gemeinsame Ehejahre zurück: Marga und Hubert Märtens. (Foto: Pedroß)

Im kleinen und beschaulichen Mainzholzen folgte den ersten gemeinsameen Begegnungen der Bund fürs Leben

Münchehof (Pe). Man schrieb das Jahr 1951, als der damals frisch ausgebildete Hilfsförster Hubert Märtens sich wegen einer fehlenden Anstellung zunächst als Waldarbeiter in dem kleinen, beschaulichen Mainzholzen verdingte und nach getaner Arbeit im Dorf einer fröhlichen Schar junger Mädchen begegnete, unter denen sich auch seine spätere Frau Marga Schlieker befand. Nach den ersten Begegnungen, bei denen sie dem durstigen Waldarbeiter gern mit frisch gemolkener Kuhmilch verwöhnte, folgte bald der erste Kuss auf einem alten Ackerpflug, auf dem sie ihr Gleichgewicht verloren und kopfüber auf dem bäuerlichen Boden landeten. Das war dann aber auch ihre erste und letzte Bruchlandung.
Vier Töchter mit ihren Familien, sechs Enkelkinder und zwei Urenkel geben sich heute in Münchehof neben einigen Freunden und lieben Wegbegleitern ein Stelldichein, denn auf den Tag genau vor sechzig Jahren haben sich Marga und Hubert Märtens das Ja-Wort gegeben und den Bund fürs Leben in der Pfarrkirche Vorwohle geschlossen. Grund genug für das Jubelpaar, an diesen Tag das Fest der diamantenen Hochzeit zünftig zu feiern und sich der vielen schönen gemeinsamen Jahre, die natürlich auch immer wieder mit besonderen Herausforderungen verbunden waren, zu gedenken.
Marga Märtens, geborene Schlieker, erblickte 1933 in Mainzholzen im Kreis Holzminden das Licht der Welt. In der Geborgenheit der Familie genoss sie zunächst mit ihren zwei Geschwistern auf dem kleinen elterlichen Hof ihre Kindheit. Doch schon bald trübte das Schicksal das Familienglück. Ihre Schwester starb mit drei Jahren und auch ihr älterer Bruder wurde nur 15 Jahre alt. Nach der Schulzeit besuchte sie die Landfrauenschule in Holzminden und qualifizierte sich dadurch zur Wirtschafterin. Doch aus ihrem Berufswunsch wurde nichts, denn ihre Mutter wurde schwerkrank, bedurfte der Pflege und starb bereits im 53. Lebensjahr. Fortan übernahm sie schon früh die Verantwortung für den Haushalt, sorgte für Vater und Großvater und übernahm ganz selbstverständlich zusätzliche Pflichten auf dem Hof und im Stall.
Hubert Märtens, geboren 1926 in Calvörde am lieblichen Ohestrand – wie gern anmerkt – besuchte von 1933 bis 1943 die Schule und nahm nach der mittleren Reife eine Forstlehre im Forstamt Königslotter im Elm auf. Sein Berufswunsch war Förster. Auch sein Vater war Revierförster und unterhielt mit seiner Ehefrau und zwei weiteren Söhnen eine kleine Landwirtschaft in Calvörde. Doch schon drei Monate nach Beginn der Ausbildung wurde er als 16-jähriger Jugendlicher zunächst zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet und 1944 nach Berlin zur Wehrmacht eingezogen. Während der Ausbildung in Holland wurde er zum ersten Mal verwundet und dann im Winter 1944/45 in Ostpreußen eingesetzt. Auf dem Rückzug wurde er am 3. Februar 1945 zum zweiten Mal schwer verwundet.
Nach der Genesung verlebte er einige Tage im Elternhaus, entschied sich dann aber doch, zur Truppe zurückzukehren und erlebte in Berlin den Zusammenbruch, nachdem er am 26. April, der für ihn zum Schicksalstag werden sollte, in einem Panzerloch einem Volltreffer nur knapp entging. In Berlin kam er dann in russische Kriegsgefangenschaft. Zunächst wurde er im Norden Russlands im Wald und später im ukrainischen Kohlenrevier bei Donezk im Bergbau eingesetzt. Völlig abgemagert kam er 1948, wiederum am 26. April, nach Hause. Deutschland war inzwischen geteilt und so zog es ihn in den Westen. Im Elm setzte er seine Forstlehre fort und schloss die Ausbildung zunächst als Hilfsförster und später als Revierförster ab.
Eine freie Stelle als Revierförster bot sich jedoch weit und breit nicht an und so nahm Hubert Märtens eine Tätigkeit in Braunschweig bei den Landesforsten auf, die die junge Familie zwang, das Familienglück weiterhin auf das Wochenende zu beschränken. Während der Woche lag die Last der Verantwortung für die Familie, aber auch für eine ältere Tante und den Vater, auf den Schultern von Ehefrau Marga. Erst 1964 sollte sich das Schicksal zum Besseren wenden. Hubert Märtens wurde die Stelle als Förster der Revierförsterei Münchehof-Süd übertragen und konnte mit seiner gesamten Familie in der Försterei in Münchehof wohnen. Nachdem die beiden Münchehöfer Förstereien fusioniert wurden, musste er dann noch einmal für vier Jahre als Revierförster nach Neuekrug wechseln, bevor er dann 1970 endgültig die große Revierförsterei in Münchehof übertragen bekam. Nun war endlich das Glück vollkommen. Die Familie inzwischen mit vier Kindern, dem Vater und der Tante, fühlte sich hier wohl und wurde heimisch. Noch heute erinnert sich Marga Märtens gern an diese Zeit und sagt: „Obwohl ich immer ganz viel Arbeit zu bewältigen hatte, möchte ich diese Zeit mit meiner Großfamilie und oft vielen Gästen am Tisch nicht missen“. Nachdem sich das Jubelpaar dann entschlossen hatte, sich ein eigenes neues Haus in Münchehof zu schaffen, vertrug sich das nicht mit der Residenzpflicht eines Revierförsters. Hubert Märtens musste seine geliebte Tätigkeit aufgeben und wechselte ins Niedersächsische Forstliche Bildungszentrum als Fachlehrer, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1991 tätig war.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte sich Hubert Märtens insbesondere für die Evangelische Kirche. So war er viele Jahre Mitglied des Münchehöfer Kirchenvorstandes und der Synode der Ev. luth. Landeskirche Braunschweig, derweil Marga Märtens sportliche und gesellige Abwechslung im DGC suchte. „Das alles konnte ich“, so Hubert Märtens heute, „nur machen, weil mir meine tüchtige Frau zu Hause den Rücken freihielt.“
Heute nun genießen sie bei guter Gesundheit ihr schönes Heim und die Kontakte zu ihren Kindern, Groß- und Urgroßenkeln und freuen sich auf ihr diamantenes Jubelfest.