Münchehof: Das Mekka der Motorsägen-Profis

Ganz genau messen die Schiedsrichter nach. (Foto: Kluge)
 
Der Waldarbeiter darf bloß nicht zu tief sägen – zudem sollte die Scheibe möglichst senkrecht abgetrennt werden. (Foto: Kluge)

Beeindruckende Leistungen beim Motorsägen-Cup 2012 / Zahlreiche Neugierige vor Ort

Von Camillo Kluge, Münchehof

Zwei Tage lang war das kleine Münchehof der Nabel der Welt, zumindest in der Welt der sportlichen Forst- und Waldarbeiter. Der Motorsägen-Cup 2012 lockte die Profis an der Kettensäge genauso an das ausrichtende Niedersächsische Forstliche Bildungszentrum (NFBz) wie viele Neugierige. Weitere Schaulustige brachte der interessante damit verbundene Tag der offenen Tür. „Früher hieß das Waldarbeitsmeisterschaften“, sagt Dr. Karl Schumann, stellvertretender Leiter des NFBz, „doch Motorsägen-Cup klingt moderner.“
Dahinter verstecken sich aber immer noch die gleichen Disziplinen, sind immer noch die gleichen Wettbewerbe eine Herausforderung für die Arbeiter. Sei es die Kette einer Motorkettensäge möglichst schnellst zu wechseln, sei es so genau und gerade wie mögliche eine Baumscheibe abzusägen oder gar einen knapp 20 Meter langen Baum möglichst punktgenau zu fällen, die knapp 50 Starter an den Wettbewerben haben sichtlich Freude, auch wenn die Ergebnisse sehr unterschiedlich ausfallen.
Martin Franz aus Göttingen landete zwar in dem stark besetzten Feld, in dem auch Mitglieder der Deutschen Nationalmannschaft mitmischten, „nur“ auf Platz 17, wurde als bester Niedersachse jedoch mit dem Titel des Landesmeister gekürt. Den Gesamtsieg holte sich Marco Trabert aus Bayern vor Thomas Wickert aus Hessen. Trabert führt die „ewige Bestenliste“ bei den „Waldarbeitsmeisterschaften“ mit dem Topwert 1672 Punkte an. Wickert, immerhin wie Trabert WM-Teilnehmer, ist zudem Deutscher Meister 2007 und mit 1662 Punkten Dritter der „ewigen Bestenliste“. Allerdings hatte Franz mit seinen 1494 nicht seinen besten Tag erwischt. Als er 2010 seinen Landesrekord aufstellte, hatte er 1580 Punkte erreicht. „Es gibt hier ein klares Nord-Süd-Gefälle“, gesteht Gerhard Bendlin vom NFBz. Im Süden werde wesentlich mehr und intensiver trainiert, „wir nehmen erst seit 1991 überhaupt teil“, so Bendlin. Und zum Wettbewerb nach Münchehof käme die Elite der Motorsägen-Wettkämpfer. „Die fühlen sich hier ganz wohl, und dann landen unsere Wettbewerber eben weiter hinten“, erläutert er.
Da entscheidet dann schon einmal die Tagesform. 21 Sekunden für den Kettenwechsel? „Klasse gemacht, Stefan“, gratulierten Bekannte Stefan Pillach aus Schulenberg für die gute Zeit. Doch Pillach wehrt ab: „Ne ne, das war nicht gut, das hat einer schon in 13 Sekunden geschafft.“ Ein Drittel weniger Zeit ist allerdings gewaltig. Am Ende haben es drei Teilnehmer mit 13 Sekunden und ein paar Zehnteln geschafft, einer blieb sogar unter elf Sekunden. „Für unsere Forstwirte ist es einfach schön, sich mit solchen Leuten mal zu messen“, meint Schumann, „sie treten mit ihrer täglichen Arbeit halt in einem Wettbewerb an.“ Und dass die Forst- und Waldarbeiter demnächst bei Regen und Kälte in den Harzer Wäldern die Motorsägenkette binnen 30 Sekunden gewechselt haben müssen, um weiter zu arbeiten, verlangt auch niemand. „Aber wenn man beim Zielfällen die gesteckten Stäbe als im Wald stehende Bäume betrachtet, zwischen die der zu fällende Baum fallen muss, ist das schon ein sehr realistischer Wettkampf“, so Schumann.
Spannend war es auch, die Maschinen zu betrachten, an denen das NFBz ausbildet. So mancher wollte gar nicht mehr runter von seinem Harvester-Platz, soviel Spaß bereitete ihm die Waldarbeit. „Ich sitze seit zwei Stunden schon hier“, gesteht Max Sexlinger. Der Besucher aus dem Solling studiert Fortswirtschaft und macht nicht den Eindruck, an diesem Tag den Platz noch einmal freiwillig zu räumen, denn „das macht einen Heidenspaß.“ Gegenüber sitzen zwei junge Burschen an einem Simulator eines „Forwarders“, wie eine Art Umlademaschine der Waldarbeiter heißt. „Hier sind wir auf Talentsuche“, sagt Schumann, da zu wenige Mitarbeiter den rechten Umgang damit beherrschen. „Wenn wir 12- oder 13-jährige Computerspiele-Freaks dafür einstellen könnten, wäre das einfacher“, feixt der stellvertretende Schulleiter. Denn wie bei einem Flugsimulator für angehende Piloten haben die Waldarbeiter eine perfekte Simulation mit originalem Arbeitssitz und originaler Bedienung für „Forwarder“ und Holzvollernter zurVerfügung.
Zum „Tag der offenen Tür“ hatte sich das NFBz Partner wie NABU oder Unternehmen aus der Privatwirtschaft eingeladen, die mit ihren Ausstellungen das Angebot auf dem Gelände bereicherten. Bendlin, verantwortlicher Organisator im Haus des NFBz, war denn auch rundum zufrieden, sowohl mit den Wettstreitern als auch mit der Publikumsresonanz: „Es hat alles gepasst.“