„Schwele, schwele, brenne nicht!“

Pfarrerin Christina Sindermann schüttet zum Auftakt der Köhlerwoche in Ortshausen einen Eimer Glut in den Meiler.
 
„Schwele, schwele, brenne nicht, sonst verlierst du dein Gesicht“, rief Wanderköhler Hartmut Thienen den Gästen zu. Alle hoffen auf ein gutes Ergebnis.

Kohlemeiler in Ortshausen gesegnet und entzündet

Vor fünf Jahren sorgte der Aufbau eines Holzkohlemeilers beim Ambergautag für einen großen Besucheransturm in Ortshausen. An diese spannende Zeit erinnern sich die Einwohner auch heute noch immer wieder gern. Vor einiger Zeit reifte nun der Entschluss in der Dorfgemeinschaft, erneut einen Meiler aufzubauen.

Von der vielen Arbeit ließen sie sich dabei nicht abschrecken. Schließlich gibt es in dem Dorf mit Bernd Winter und Wolfgang Rittgarn zwei Menschen, die sich mit dem Köhlerhandwerk sehr gut auskennen. Beide schlossen sich vor einiger Zeit dem Harzer Köhlerverein an, der sich 1998 gründete und inzwischen rund 120 Mitglieder zählt. Als der Meiler 2010 brannte, waren sie bereits mit großer Begeisterung bei der Sache.
Doch so ganz wollten sie bei dem neuen Projekt auf eine professionelle Hilfe nicht verzichten. So bezog vor wenigen Tagen Wanderköhler Hartmut Thienen, der zu den letzten Vertretern seiner Zunft gehört, die Köte auf dem Meilerplatz. Für den Aufbau des Meilers konnten die Fachleute auf die Hilfe zahlreicher Einwohner zählen. Gemeinsam schichteten sie rund 18 Meter reines Buchenholz auf. Daraus sollen dann am kommenden Wochenende, wenn alles gut läuft, rund 1,5 Tonnen Holzkohle geerntet werden. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg. Hartmut Thienen stehen einige schlaflose Nächte ins Haus, denn alle zwei Stunden muss er den Meiler öffnen, um die Glut zu verdichten, Holz nachzulegen oder die Luftzufuhr anzupassen. Aber zumindest kann er auf die Unterstützung von einigen engagierten Helfern hoffen. Wenn das Material erst einmal richtig schwelt, kann ihm auch kein Regen etwas anhaben. Selbst ein Wolkenbruch wäre kein Problem. Die Temperatur im Innern ist so hoch, das würde das Wasser sofort verdampfen.
Das Projekt steht und fällt dennoch mit einer fachgerechten Betreuung des Meilers. Sollte etwas falsch laufen, dann erwartet die Initiatoren statt Holzkohle nur reine Asche. „Das wäre schon fatal“, meint der 72-Jährige, der in Benneckenstein im Harz zu Hause ist. Doch an einen Misserfolg mag der Wanderköhler nicht denken. Er fährt seit Jahren durch ganz Deutschland, um den Menschen das alte Handwerk und vielleicht den ältesten Beruf der Welt näher zu bringen. „Schließlich gebe es ohne Köhler keine Erzschmelze. Ich bin bemüht, das alte Köhlerhandwerk am Leben zu halten und junge Menschen dafür zu begeistern“, berichtet Hartmut Thienen. Das scheint ihm bestens zu gelingen. Die Anfragen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Auch die Zahl der Vereine, die sich der Köhlerei widmen, sei zu seiner großen Freude auf etwa 20 angestiegen.
Als Sprecher des Festausschusses freute sich Rainer Block beim Anzünden des Meilers über das große Interesse seitens der Bevölkerung. „Gerade die erste Zeit ist für den Erfolg des Projektes von großer Bedeutung“, erklärte der Ortshäuser. Er dankte der Forstgenossenschaft für die Überlassung des Holzes. Anschließend segnete Pfarrerin Christina Sindermann den Holzkohlemeiler. Der Musikzug Ambergau-Süd umrahmte die Auftaktveranstaltung.
350 Kinder werden in den nächsten Tagen den Meiler besuchen. Köhler Hartmut Thienen möchte ihnen einige wichtige Dinge über das alte Handwerk erzählen. Außerdem können sich die kleinen Leute sein Werkzeug und die Köte anschauen, die seinerzeit zum Ambergautag errichtet wurde. Den Höhepunkt bildet dann das große Köhlerfest am Sonnabend, 19. September, auf dem Festgelände. Wenn um 11 Uhr die Ernte beginnt, werden sicherlich alle Augen ganz gebannt auf den Meiler gerichtet sein. Die Dorfgemeinschaft, die aus der Feuerwehr, dem Heimatverein und der Kirchengemeinde besteht, hat sich für den Tag einiges vorgenommen. Unterstützung erhalten sie von dem Verein Worker Street Barbecue, der unter anderem eine speziell für diesen Zweck kreierte Bratwurst anbietet. Nach dem Öffnen steht die Holzkohle zum Verkauf. Am Nachmittag warten Kaffee und Kuchen auf die Gäste.