Trotz Problemen: 1,3 Tonnen Holzkohle geerntet

Fabian Winter schaffte zahlreiche Schubkarren Sand heran, um den Meiler zu retten. Auch beim Verkauf half der Elfjährige mit. (Foto: Vollmer)
 
Auf dem Meilerplatz in Ortshausen wird die Holzkohle geerntet. Rund 1,3 Tonnen wurden anschließend verkauft. (Foto: Vollmer)

Meiler in Ortshausen brachte den erhofften Ertrag

Wanderköhler Hartmut Thienen würde Fabian von der Stelle weg als hoffnungsvolle Nachwuchskraft engagieren. Der Elfjährige war zur Stelle, als es um den Holzkohlemeiler in Ortshausen nicht gut bestellt war. Kurz nach dem Entzünden machte den Initiatoren von der Dorfgemeinschaft beinahe das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Einige dachten schon daran, den Meiler aufgeben zu müssen. Doch so weit ist es zum Glück nicht gekommen. Fabian Winter half auch noch zu nächtlicher Stunde, das große Fiasko abzuwenden. „Das hat er prima gemacht. Ihm gilt wie allen anderen Helfern ein ganz großer Dank“, erklärte Hartmut Thienen, der einer der letzten Wanderköhler im Land ist.
In Ortshausen hat er sich sehr wohl gefühlt. „Die Probleme zeichneten sich in der ersten Nacht ab“, blickt der Experte zurück, der gemeinsam mit den beiden Hobby-Köhlern Bernd Winter und Wolfgang Rittgarn den Meiler betreute. Als sehr ungünstig erwies sich zu Beginn des Schwelvorgangs der heftige Regen. „Die Erde ist extrem tonhaltig. Durch die Hitze wurde sie sehr fest und bildete eine Art Glocke. Dadurch rutschte sie nicht nach und es bildeten sich Hohlräume“, erläutert der Köhler. Doch dann kam ihnen doch noch ein rettender Einfall. Sand wurde über der Erde verteilt. Auf diese Weise gelang es, die Hohlräume zu schließen. Fabian Winter schaffte in der Nacht etliche Schubkarren heran. Gegen 3 Uhr fiel er dann völlig geschafft in den Schlafsack. Eigentlich wollte er bei den regelmäßigen Kontrollgängen wieder dabei sein. Großvater Bernd ließ seinen Enkel dann aber doch lieber schlafen.
Ungewissheit verwandelt
sich in Erleichterung

Trotz der dann doch noch guten Prognose blieb bis zuletzt eine gewisse Ungewissheit, ob statt der erhofften Holzkohle nicht einfach nur Asche herausgekommen war. Bereits zu früher Stunde machten sich zahlreiche Helfer daran, den Meiler zu öffnen. Wenig später waren die unguten Gefühle vergessen. Immer mehr Holzkohle kam zur Freude der Dorfgemeinschaft zum Vorschein. Im Vorfeld hatten die Helfer rund 18 Meter reines Buchenholz, die von der Forstgenossenschaft gespendet wurde, aufgeschichtet. Rund 1,3 Tonnen Holzkohle sind daraus entstanden. „Damit sind wir zufrieden. Auch die Qualität ist hervorragend“, freute sich Bernd Winter.
Nun galt es, die Holzkohle für den Verkauf vorzubereiten. Sie wurden in Säcken mit einem Inhalt von jeweils zehn Kilo gleich an Ort und Stelle zum Preis von 17 Euro verkauft. Der Köhler mahnte jedoch, vorsichtig mit den Säcken umzugehen und sie wegen einer möglichen Brandgefahr nicht unter ein Dach zu stellen. Vor der Kasse bildeten sich lange Schlangen. Viele wissen noch von der letzten Meileraktion anlässlich des Ambergautages die hervorragende Qualität zu schätzen. Zum Ende der Köhlerwoche gelang es Hartmut Thienen, die beiden Ortshäuser Hobbyköhler Wolfgang Rittgarn und Bernd Winter für einige Sekunden sprachlos zu machen. Der Gast aus Benneckenstein überreichte beiden eine Urkunde, die sie zum Köhler berufen. Das war vielleicht eine Überraschung.
Während der Meiler brannte, wanderten mehr als 300 Schüler aus Bornum und Bockenem nach Ortshausen (der „Beobachter“ berichtete). Sie ließen sich von dem Experten das alte Köhlerhandwerk erklären. Anschließend gab es Brause und Bratwürstchen. Viele Jungen und Mädchen interessierten sich auch für die Köte, in der Hartmut Thienen die Woche verbrachte. Beim Köhlerfest machte auch der Verein Charcoal Worker Street Barbecue Station. Sie brutzelten speziell für den Anlass hergestellte Bratwürste.