444 Meter im Blindflug

Polizeidirektor Hans Walter Rusteberg (links) und Hauptkommissar Peter Schliep klären über die Gefahren, die eine Handynutzung am Steuer mit sich bringt, auf.

Handynutzung am Steuer immer noch stark unterschätzt / Polizeiinspektion Northeim/Osterode stellt Unfallstatistik vor

Keine Verkehrstoten und auch die Zahl der Verkehrsunfälle mit schweren Personenschäden ist mit 111 auf einen historisch niedrigen Stand zurückgegangen, was einem Trend entgegen den Zahlen des Landes Niedersachsen entspricht. Der Leiter der Polizeiinspektion Northeim/Osterode, Hans Walter Rusteberg, und der Sachbearbeiter Verkehr, Polizeihauptkommissar Peter Schliep stellten am Freitag die Verkehrsunfallstatistik im Landkreis Osterode vor.

Der Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Northeim/Osterode, Polizeihauptkommissar Dieter Armbrecht, legte in dem Zusammenhang auch noch die sogenannten Blindflugzeiten auf den Tisch. Diese Zeiten drehen sich um das verbotene Hantieren mit dem Handy während der Autofahrt. Laut diesen Zeiten legt ein Autofahrer bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h während einem zehnsekündigen Telefongespräch oder anderen Tätigkeiten mit dem Handy eine Strecke von 83 Metern quasi blind zurück. Bei 50 km/h und einem Fünf-Sekunden währenden Telefonat sind es 69 Meter, bei 80 km/h und 20 Sekunden 444 Meter.
Die Bilanz im zurückliegenden Jahr sehe laut Statistik erfreulich aus. Beispielsweise wurde 2014 kein Kind bei einem Verkehrsunfall getötet. Hier dürfe jedoch nicht übersehen werden, dass die Anzahl der Kinder, die als Insassen eines Fahrzeuges verletzt wurden – und das trotz umfangreicher Aufklärungsarbeit der Polizei – immer noch sehr hoch gewesen sei.
Im weiteren Verlauf des Informations-Gespräches ging es auch um sogenannte Baumunfälle, die sich außerhalb geschlossener Ortschaften ereignet haben. Der Zusammenstoß mit einem Baum ereigne sich oftmals aufgrund überhöhter Geschwindigkeit oder Unachtsamkeit. „Diese Art von Unfällen ist zwar auf 52 zurückgegangen, es sind aber immer noch 52 zu viel”, so Peter Schliep.
„Ein stets wiederkehrendes Thema ist Alkohol und Drogen am Steuer”, gab Rusteberg zu bedenken. Zwar sei der Alkoholgenuss vor und während der Autofahrt zurückgegangen, bei gezielten Kontrollaktionen sei allerdings ein vergleichsweise hohes Niveau an Fahrten unter Drogeneinfluss festgestellt worden. Trotzdem standen den 54 Alkoholunfällen im vergangenen Jahr lediglich zwei Drogenunfälle gegenüber.
Bei Kontrollen wurden 219 Autofahrern Fahrverbote ausgesprochen oder der Führerschein entnommen. Allerdings sei ein Umdenken festzustellen. Immer mehr Berufstätige seien auf den Führerschein angewiesen. Sehr erfreulich auch die Tatsache, dass vor allem bei Fahranfängern der Alkohol keine so große Rolle mehr spiele. Drogen seien dahingegen laut Statistik ein riesiges Thema, denn die werden von vielen Fahrern konsumiert. Das Spektrum reiche von 18 bis 60 Jahre.
Auch das Thema „Verkehrsunfälle mit Flucht“ blieb nicht außen vor. Denn die Verkehrsunfallfluchten, die etwa 20 Prozent aller polizeilich aufgenommen Unfälle ausmachen, seien nach wie vor sehr hoch. Immerhin waren im vergangenen Jahr 941 zu verzeichnen, was rund 4,2 Prozent mehr ausmache, als 2013. „Verkehrsunfallflucht ist kein Kavaliersdelikt. Bei einem Schaden von mehr als 1.500 Euro wird, ähnlich wie bei einer Alkoholfahrt, der Führerschein eingezogen und ein Monatsgehalt an Strafgeld berechnet – und das bundesweit”, mahnte Rusteberg.
Die Anzahl der aufgenommen Wildunfälle im Kreis Osterode sei im zurückliegenden Jahr rückläufig gewesen. Im Vergleich zu 2013 waren es zwölf Prozent weniger, nämlich 306. Der häufigste Grund bei einem Zusammenstoß mit einem Keiler, einem Reh oder kleineren Tieren sei zumeist die unangepasste Geschwindigkeit.
Auch wenn im Kreis Osterode die Wildunfälle zurückgegangen sind, arbeitet die Polizeiinspektion zusammen mit der Jägerschaft daran, Straßen noch sicherer zu machen. Rusteberg, Schliep und Armbrecht schauten aber nicht nur zurück, sondern auch nach vorne: Auch zukünftig dürfte der Hauptunfallverursacher die überhöhte Geschwindigkeit sein. Blitzkontrollen werden letztendlich nicht gemacht, um Autofahrer zu ärgern, sondern um Unfälle zu verhindern. Der nächste Blitzmarathon ist für den 16. und 17. April geplant.