Ausstellung über häusliche Gewalt öffnet am 8. September

Trafen sich in Oberhütte zur Vorbereitung der Ausstellung „Rosenstraße 76“ (von links) Martin Schnella, Klaus Friedmann, Pastor André Dittmann, Maja Müller, Jan Reinartz, Frank Bode, Chantal Lienauer und Marcus Warlich.

In der Kurt-Schröder-Halle in Osterode wird die fiktive Wohnung „Rosenstraße 76“ präsentiert

Seit geraumer Zeit fragen sich nicht nur Osteroder Einwohner, wo denn wohl die Rosenstraße 76 in der Kreisstadt gelegen ist. Die Antwort wird es am Sonnabend, 8. September, geben. Dann wird sich um 16 Uhr in der Kurt-Schröder-Halle in Osterode mit einem Gottesdienst im Forum der BBS I und einer anschießenden Feierstunde die Tür zu dieser Wohnung und damit die Ausstellung „Rosenstraße 76 - Häusliche Gewalt überwinden“ öffnen. Gegen 18 Uhr gibt es einen Empfang.
Ab dann darf diese ganz normale Fünf-Zimmer-Wohnung, die von Auszubildenden und Lehrkräften der Berufsbildenden Schulen II des Landkreises Osterode am Harz zusammen mit der Kreishandwerkerschaft Osterode aufgebaut und vom Kaufhaus „Fairkauf“ der Harz-Weser-Werkstätten sowie dem Kirchenkreisjugenddienst Osterode eingerichtet wird, bis zum 29. September von interessierten Bürgern besichtigt werden. Wie der Titel schon verrät, wird nicht etwa ein Wohnungsmodell vorgestellt, vielmehr wird in der 140 Quadratmeter großen, voll eingerichteten Wohnung offenbart, dass hinter der schönen Fassade einer ganz normalen Familie in Deutschland Gewalt jedwelcher Art zum Alltag gehören kann. Zu dem Wohnbereich gehört jetzt auch ein Pflegezimmer. Denn die Landeskirche Hannover möchte deutlich machen, dass es auch zu gewalttätigen Übergriffen von pflegenden Angehörigen auf Pflegebedürftige kommen kann.
Diese Wanderausstellung will bereits seit rund 20 Jahren weltweit den Menschen die Augen öffnen und klar machen, dass etwa ein Viertel alle Frauen in Deutschland Gewalt in der Familie erfahren, eine genaue Prozentzahl über nicht minder von Gewalt heimgesuchte Männer gibt es nicht. Fest steht allerdings, dass in Familien, wo Gewalt zum Alltag gehört, auch 100 Prozent der dort lebenden Kinder davon betroffen sind.
Als die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers den Entschluss fasste, diese Ausstellung auch nach Niedersachsen zu holen, fiel die Entscheidung auf vier Großstädte und auf Osterode, weil sich dort der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis und damit Diakoniebeauftragter André Dittmann, stark gemacht hat. „Letztendlich sind auch kleinere Gemeinden keine Insel der Glücksseligkeit“, so Klaus Friedmann vom Fachbereich Jugend und Soziales des Landkreises Osterode zu dieser Entscheidung.
Das Team um Pastor Dittmann wird in der Kreisstadt aber für eine Premiere sorgen. Bislang haben im Wohn-Kinder- und Elternschlafzimmer sowie in der Küche stets Informationsschilder an einzelnen Gegenständen aus, welche die Ursachen, Formen und Auswirkungen ebenso aufzeigten, wie harte Zahlen und Fakten. Sie werden zwar auch in Osterode vorhanden sein und dazu aufrufen, mal einen Blick in Schränke zu wagen oder technische Geräte zu benutzen. Jeder Besucher hat aber außerdem die Möglichkeit einen sogenannten Audioguide kostenfrei auszuleihen, also kleine Handgeräte mit Lautsprechern. Dann werden diese erschreckenden Texte zum ersten Mal auch zu hören sein. „Manchmal ist es leichter, Informationen zu hören als zu lesen!“, erläutert André Dittmann die Intention dieser besonderen Aktion.
Der Osteroder Komponist Martin Schnella sowie Maja Müller und Jan Reinartz vom Jungen Theater Göttingen machten es möglich, dass eine besondere Premiere im dem Haus 76 hörenswert ist. Zusammen mit Frank Bode setzten sie einen Gedanken von André Dittmann in die Realität um.
Das Thema Bau und Einrichtung der „Rosenstraße 76“ lag in festen Händen. Auch die Vertonung der Texte war in trockenen Tüchern, jetzt fehlte noch deren finanzielle Unterbau: Da sich von dieser Idee, die Ausstellung in Osterode zu errichten, auch neben viele Privatleuten, Firmen und der Landkreis Osterode selbst „infizieren“ ließen, sollte sich auch hier schnell eine Lösung ergeben. Denn die Informationen und Rufe nach Unterstützung der unterschiedlichsten Art von Pastor Dittmann stießen auf großes Interesse und riefen den Wunsch der Mitgestaltung bei Marcus Warlich, Geschäftsführer der Harzer Antriebstechnik GmbH in Bad Lauterberg, und dessen Team sowie der Jugendhilfe des Landkreises Osterode wach. Für beide stand fest, dass sie den finanziellen Part für das Einsprechen und die Vertonung der Texte übernehmen werden. Klaus Friedmann begründete die fast 50prozentige Unterstützung dieses Projektes damit, dass es an der Zeit sei, die häusliche Gewalt auch aus dem beruflichen Alltag hinauszukatapultieren. Wenn es gelänge, erste Steine für den Weg zur Aufklärung zu legen, damit Mitmenschen auch mal hinschauten, sei schon viel erreicht. Wer mal in der Zeit vom 8. bis 29. September in der Rosenstraße 76, reinschauen möchte, sollte sich vormerken, dass dies montags bis freitags von 8 bis 13 Uhr für Schulklassen und Gruppen möglich ist, die sich werktags von 9 bis 12 Uhr vorher bei Carmen Kupke, im Projektbüro Rosenstraße 76 anmelden Telefon (05522) 901955, Telefax: (05522) 901961.