Bekommt Osterode eine achtspurige Autobahn?

Markus Maria Profitlich lieferte in der Stadthalle Osterode eine erstklassige Vorstellung ab. (Foto: Bordfeld)

Markus Maria Profitlich präsentiert sein abwechslungsreiches Programm in der Stadthalle Osterode

Von Petra Bordfeld, Osterode

Vermessungsarbeiten haben bereits in der Stadthalle begonnen, denn sie soll dem Großprojekt, eine Autobahn der Superlative, weichen, welches auf den Namen „Bürgermeister Klaus Becker Gedenk-Highway“ getauft und wofür Herzberg einbetoniert werden soll. Könnte sich dieses Vorhaben nicht über Tage verwirklichen lassen, werde man in den Untergrund gehen und für Osterode 21 sorgen. – All diese Überlegungen waren nirgendwo anders zu vernehmen als in der Stadthalle der Kreisstadt, wo Markus Maria Profitlich aus den Zuschauern auch einen vierstimmigen Schafchor machte, der sich durchaus hören lassen konnte und von dem er sich mit dem nackten Hinterteil verabschiedete.
Er hatte sich aber nicht allein auf den Weg gemacht, sondern Ingrid Einfeldt, Volker Büdts und Andy Muhlsack mitgebracht. Damit präsentierte sich dem Publikum ein Team, das von der ersten bis zur letzten Minute überzeugte. Und so war Szenenapplaus ein roter Faden, der sich durch die mehr als 120 Minuten zog.
Profitlich vermittelte von Anfang an das Gefühl, das jeder Einzelne zu dieser Komiker-Familie gehört, ob das nun die Begrüßung mittels Rosenblüten, Händeschütteln oder Fragen stellen war. Er „installierte“ sogar ein „hochmodernes“ Dosentelefon, womit sich mittels einer Wäscheklammer eine „SMS“ verschicken ließ.
Er tat auch kund, dass er sich in einer Welt des Hasses und der Unterdrückung als Botschafter der Liebe verstehe, der eine Frau nie nach dem Alter fragt, sondern eher nach dem Gewicht.
In jedem Sketch gewährte er tiefe Einblicke in den Alltag der verschiedensten Situationen und Begegnungen im Leben und im Fernsehen. Nicht minder überzeugend schlüpfte er immer wieder in die Rolle des Großvaters, der sich in einen Ohrensessel niederließ, um keine Märchen, sondern sein Tagebuch vorzulesen. Oder waren es doch Märchen?
Darin offenbarte er jedenfalls seine schwergewichtigen Erinnerungen an seine Geburt wie die Antwort seines Vaters, was das schönste Erlebnis mit seinem Sohn gewesen sei: dessen Zeugung. Die Dialoge und Monologe waren kleine, nicht selten äußerst scharfe Bissigkeiten mit großer Wirkung. Es waren aber nicht „nur“ die exakt eingebrachten Wortspielreien, es waren insbesondere auch die Gestik und Mimik, die jeder einzelnen Szene die richtige Würze gaben. Ob er nun überlegte, dass er als Kind wohl zu heiß gebadet worden sei, oder das Thema Diät ansprach, es ergab alles einen Sinn oder Unsinn.
Profitlich ließ es sich ebenso wenig nehmen, als studierter Krabbenfischer auftreten, der auch klassisches „Zeug“ komponiert hat, wie beispielsweise das Dorschquartett oder die Sumphonie. Um zu beweisen, dass er seine Werke dirigieren konnte, bat er das gesamte Publikum, sich als vierstimmiger Deichschafchor zu outen, und diese Vier-Ton-Musik sollte zum absoluten Erfolg der Improvisation werden. Schade, dass dieses Werk nicht auf einer Single festgehalten wurde.
Für eine Besucherin, die sich Profitlich schon als Telefongesprächspartnerin auserkoren hatte, gab es fast zum Schluss noch ein absolutes Highlight. Denn er wollte mit ihr und seinem Team einen leichten Sketch in Szene setzen. Das wurde leider nichts, weil der Komödiant diesen mittels zu hohen „Alkoholkonsums“ versaubüdelte. Da ohne Zugabe die Vier die Bühne nicht verlassen durften, gaben Ingrid, Volker und Andy sich als spanische Musikanten aus. Markus Maria wollte dies mit seinen drei Steeldrums auch tun, hatte aber in der Eile die Trommelstöcke vergessen. Da ihm keiner welche leihen wollte, ließ er halt die Hose runter, um wenigsten mit musizieren zu können. Das Ende vom Lied war, dass er die Bühne mit nacktem Hintern und erneut kaum enden wollendem Beifall verließ.
Da sich herumgesprochen hatte, dass alle vier noch Autogramme geben würden, bildete eine große Schar von Interessenten eine so lange Schlange, dass die Stadthallentür nicht geschlossen werden konnte. Es war auch die Frage zu vernehmen: „Wann kommst du wieder?“