Bis an die Grenzen für eine gerechte Welt

133 von 140 gestarteten Teams kamen nach 100 Kilometern wieder ins Ziel. (Foto: Kluge)
 
Oxfam Trailwalker:Die wohl aufregendste Trekking-Tour der Welt.

Joey Kelly gefällt die anspruchsvolle Strecke des Oxfam Trailwalks /Weitere Verbesserungsmöglichkeiten entdeckt

Ein großer Erfolg für den Veranstalter Oxfam sowie für die Region zwischen Oste­rode und Oberharz war die dritte Auflage des Oxfam Trailwalkers. Immerhin 133 der 140 gestarteten Teams erreichten nach 100 Kilometern binnen der 30-Stunden-Frist wieder den Ausgangspunkt Osterode – die meisten auch mit allen vier gestarteten Läufern. Sie werden auch zumeist dem Fazit von Joey Kelly nach dessen Zieleinlauf zugestimmt haben:„Es hat mir super gefallen, die Strecke war sehr anspruchsvoll, doch es hat viel Spaß gemacht“, sagte der Extremsportler, der als prominentester Starter mitlief und die Strecke in knapp 24 Stunden mit seinem Team bewältigte.
Dennoch hat Marion Fuchs, die neue Leiterin des Oxfam Trailwalker Deutschland, noch einiges an Verbesserungsmöglichkeiten entdeckt. Zwar erfuhr der Lauf auch in diesem Jahr einen Teilnehmer- und Spendenzuwachs, doch rekrutieren sich nahezu alle Teams aus der Republik. „Nur zwei niederländische und ein österreichisches Team“, hat Fuchs ausgemacht, da besteht also noch reichlich Potential. Vor allem baut sie da auf Länder, in denen auch ein Trailwalker ausgetragen wird. „Diese Nationen tauschen sich regelmäßig aus und es wäre schön, wenn da auch ein Austausch von Teilnehmer klappt.“
Nicht ganz so gut wie erhofft funktionierte allerdings die neue Ausschilderung. Die mühevoll von den Niedersächsischen Landesforsten fest angebrachten Wegmarken forderten in der Nacht allerhöchste Aufmerksamkeit bei den Läufern. Moniert wurden die zu großen Abstände. „Die Landesforsten haben in der Nacht noch Schilder wieder angebracht, die irgendwelche Leute abgeschraubt hatten“, erläuterte Svenja Koch vom Oxfam-Team. So waren tatsächlich auch ein paar Teams vom Weg abgekommen, doch „keines hat sich richtig verlaufen, meist sahen sie andere Teams und fanden dann schnell wieder auf den richtigen Weg“, so Koch.
Dass sieben Teams am Ende auf der Strecke blieben, lag an den Blessuren der Athleten. Zumeist waren es Blasen, Krämpfe oder Muskelschmerzen, die Teilnehmer zum Aufgeben nötigten. Nur eine Sportlerin musste mit argen Kreislaufproblemen ins Krankenhaus gebracht werden und blieb zur Sicherheit auch über Nacht dort.
Ansonsten war die Veranstaltung wieder ein voller Erfolg. Die Teams waren wieder begeistert, wie fürsorglich und umfassend sie an den einzelnen Stationen umsorgt wurden. Das mag auch das Osteroder Team Harzschrittmacher inspiriert haben, die in 13:42 Stunden die 100 Kilometer absolvierten und die alte Bestmarke um eine gute Viertelstunde pulverisierten. Als sie als Finisher, denn einen Sieger im sportlichen Sinne gibt es nicht, um 21.15 Uhr am Samstag auf der Bühne in Osterode standen, hatte manches Team gerade erst die Hälfte der Strecke absolviert. Letztlich genoss für die meisten das Ankommen höchste Priorität, auch wenn Axel Ehrich, der erstmals mitmachte, begeistert war, mit seinen Harz-Wald-Läufern unter 20 Stunden geblieben zu sein. „Dabei hatte Stefan Hoppmann Krämpfe in den Füßen“, so Ehrich, „er legte auf den letzten 15 Kilometern ein hohes Tempo vor, weil er dann keine Krämpfe mehr spürte.“
Ein richtiges Familienteam war auch am Start. Vater Christian Hesse, seine Töchter Annika und Katrin sowie Schwiegersohn Jean-Sebastien bildeten das erfolgreiche Laufteam, Barbara Hesse, Sohn und Enkel kümmerten sich dabei um den Support. Dabei hatte sich die Familie sehr kurzfristig entschieden, „eigentlich war schon Meldeschluss“, so Katrin. Eine Vorbereitung war in den wenigen Wochen auch nicht mehr groß möglich, doch „ich habe noch ein Höhentraining gemacht“, sagt Christian Hesse, der seinen Urlaub im Berchtesgardener Land zu ausgiebigen Wanderungen nutzte.
Lediglich die Zuschauer an der Strecke scheinen in diesem Jahr weniger gewesen zu sein. „An der Staumauer, wo sonst große Begrüßungskomitees standen, war sehr wenig los“, fand auch Petra Hartung von „Wildemann – kommt immer an“. Jörn Schröder von den Harz-Wald-Läufern bestätigte den Eindruck: „Sonst war an der Strecke mehr los.“ Vielleicht ist das kommendes Jahr besser, wenn dann beim 4. Oxfam Trailwalker in Deutschland am 7. und 8. September das Motto gilt: 1 Team, 4 Personen, 100 Kilometer, 30 Stunden – und das quer durch den Westharz.