Der Beierstein – Ein Kleinod im Gipskarst

Der Beierstein ist ein Kleinod im Gipskarst. (Foto: bo)

Geführte Wanderung mit Diplom-Geologe am Tag des Geotops

Osterode (bo). Am Sonntag, 19. September, dem Tag des Geotops, führt Diplom-Geologe Firouz Vladi, Osterode, vom Förderverein Deutsches Gipsmuseum und Karstwanderweg um 10 Uhr zum Naturschutzgebiet Beierstein, einem wirklichen Kleinod im Gipskarst zwischen Düna und Schwiegershausen: ein isoliertes Gipsmassiv mit Verkarstung, Hydrogeologie und Räubergeschichten.
Der nur zehn Hektar große Beierstein zwischen Schwiegershausen und Osterode ist stark verkarstet mit Spalten und Höhlen wie dem Klinkerbrunnen und der Räuberhöhle. Zahlreiche Erdfälle und ein eindrucksvolles Dolinengelände unter Grünland umgeben dieses isolierte Gipsmassiv. Nach Süden liegt die stark vernässte Beiersteinsenke. Die kleine südexponierte und jetzt bewaldete Steilwand ist das Ergebnis eines mehr als 5000-jährigen Laugprozesses, der diese ständig zurückverlegt. An Stelle ehemaliger Höhlen und Erdfälle sind heute nur noch Teichablagerungen übrig. Die in ihnen eingebetteten Überreste der damals hier wachsenden Pflanzenpollen gaben das Geheimnis der Landschaftsentwicklung preis.
Je nach Wasserdargebot, kann der Beierstein Bachschwinde oder Karstquelle sein. Einerseits verschwindet das aus dem Heiligental, einem ehemaligen Unterlauf des Harzbaches Kleine Steinau, von Osten ab Düna zufließende Wasser in einer markanten Bachschwinde; andererseits schütten das Sumpfgebiet und der Überlauf des Klinkerbrunnens bei hohem Wasserstand das Karstwasser in den Hackenbach. Farbmarkierungen konnten 1981 nachweisen, dass am Beierstein verschwindendes Wasser in den Quellen bei Förste wieder hervortritt.
Der Buchen-/Edelholzlaubwald gehört der Forstgenossenschaft Schwiegershausen; er ist wegen seiner Naturnähe, der Binnenlichtung und der zahlreichen, durch die Erdfälle entstandenen Biotope sowie reliktischen Halbtrockenrasens für den Natur- und Artenschutz als Naturschutzgebiet gesichert und das Gebiet an den Außenrändern unter anderem durch den Karstwanderweg Südharz erschlossen. Durch Gewässerrenaturierungen im Zuge des Naturschutzgroßprojektes Hainholz-Beierstein stieg die Bodenfeuchte wieder an. Dies hat die Biotopqualität deutlich verbessert. Kern der Renaturierung ist die schlichte Verfüllung der Bachkerbe des Hackenbaches, so dass das vom Oberlauf zufließende Wasser zunächst über die Fläche strömte und sich allmählich ein neuer Verlauf entwickelt und zugleich etwaige Hochwässer dämpft. Möglicherweise werden sich der Weißstorch und weitere seltene Arten wieder ansiedeln.
Den Klinkerbrunnen streifte bis ins 19. Jahrhundert ein alter Verlauf der Straße Osterode – Göttingen, der nördlich des Beiersteins an einer Passstelle mit Schranke auf dem Rötzel-Höhenzug die Osteroder Landwehr kreuzte, und als Hohlweg die damals sumpfige Hackenbachniederung querte. Der Klinkerbrunnen-Überlauf diente in Trockenzeiten den Pferden sicherlich als einzig verfügbare Tränke. In den 1950er Jahren diente die Räuberhöhle einem „Eremiten“ als Wohnstatt, wozu ältere Schwiegershäuser noch heute zahlreiche Begebenheiten zu berichten wissen. Im angrenzenden Rücken des Rötzels wurde früher Dolomit und Gips in kleineren Steinbrüchen gewonnen. Nördlich davon liegt die Kirchenruine der wüst gefallenen Dorfstelle Besingen.
Die Dauer dieser kostenlosen Führung für alle Interessierten beträgt bis zu zwei Stunden. Treff ist am Sonntag, 19. September, um 10 Uhr auf dem Parkplatz Hackenbach zwischen Schwiegershausen und Beierfelde an der L 523, Abzweig kommunaler Verbindungsweg nach Düna. Informationen zu allen weiteren Veranstaltungen im Harz am Tag des Geotops finden sich im Internet unter www.dgg.de/geotop; es können hier zu vielen Aufschlüssen farbige Faltblätter kostenlos heruntergeladen beziehungsweise ausgedruckt werden. Weitere Infos zum Südharz und zu Veranstaltungen in der Gipskarstlandschaft Südharz: www.karstwanderweg.de.