Der fantastische Auftritt von Glenn Walbaum

KVHS-Leiter Rüdiger Brakel (links) und Glenn Walbaum sind seit Jahren gute Freunde. (Foto: Bordfeld)

Im Rahmen der Feier zum 40-jährigen Bestehen der KVHS überzeugte der Künstler

Osterode (pb). KVHS-Direktor Rüdiger Brakel konnte seine Freude darüber nicht verbergen, dass er den schon fast in Osterode eingebürgerten Glenn Walbaum für die Jubiläumsfeier der 40 Jahre alt gewordenen Kreisvolkshochschule in Osterode hat gewinnen können. Doch trat der Kabarettist nicht zusammen mit Peter Grande im Forum der KVHS auf, um wieder die Bitte zu äußern: „Hier … höre zu“. Diesmal ließ er als Solist Erich Kästner zu Wort kommen, der drei Jahre nach der Gründung der KVHS verstorben ist und doch in seinen „Glossen für Zeitgenossen“ ebenso lebendig ist wie in „Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“ oder „Das doppelte Lottchen“.
Manch einer war vielleicht sogar überrascht, wenn er Antworten auf Fragen wie „Was will die Wirtschaft?“ oder „Was will der Mensch?“ bei dezenter Beleuchtung auf der mit einem Klavier gezierten Forums-Bühne vernahm. Übrigens war das nicht zu übersehende Instrument auch nicht zu überhören, nutzte der zynische Gast es doch zur Untermalung seiner Satire. Somit schienen Kästners in Worte gefassten Überlegungen und die Musik eine wahre Symbiose eingegangen zu sein. Die gut 90 Minuten währende musikalisch-literarische Zeitreise, verlief allerdings nicht „nur“ auf sanften, humorvollen Gleisen, weil Walbaum jedes Wort und jeden Satz mit viel Gestik und noch mehr Mimik eine ganz besondere, zum Nachdenken animierende Aussagekraft verlieh.
Der langjährige Gast der KVHS verstand es überaus überzeugend, in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen, wozu er keine Änderung seines Aussehens brauchte. Der Schminkkasten im Pausenraum blieb unbenutzt, weil Walbaum ohne Maske allen Zitaten Leben einhauchte und damit deutlich machte, dass Kästners Bemerkungen heute noch genau so aktuell sind wie vor einigen Jahrzehnten. Nicht selten hätte man glauben können, er habe mit dem Schriftsteller bei Bier und Köm nicht nur ein Gespräch geführt.
Vermutlich wird der eine oder die andere im Verlauf des „Aufblätterns“ der Zitatensammlung sich selbst oder andere wiedererkannt haben. Der Künstler wollte allerdings niemanden die Entscheidung abnehmen, ob er sich an der Wortgewandtheit Kästners erfreuen oder doch eher mit erhobenem Zeigefinger eine Diskussion anstreben wollte.