EcoBus noch in der Entwicklung

Wissenschaftler vom Göttinger Max-Planck-Institut informierten über das Mobilitätssystem

Es soll weniger kosten, als das eigene Auto zu bewegen, jeden von zuhause abholen und an seinen Wunschort bringen. Das vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation entwickelte EcoBus-System könnte, wenn es hält, was es verspricht, viele Vorteile für den Bürger und die Umwelt bringen.
Auf Einladung der BI „Für Osterode“ waren die Entwickler Prof. Dr. Stephan Herminghaus (Direktor) und Prof. Dr. Marc Timme (Projektleiter) sowie die Pressereferentin Carolin Hoffrogge nach Osterode gekommen, um das System interessierten Bürgern vorzustellen. Schade nur, dass neben Raymond Rordorf (Fraktionsvorsitzender Grüne) und Dr. Ulrike Witt (Leiterin Projektbüro Südniedersachsen) nicht mal eine Hand voll Bürger gekommen war, um von zukünftigen Lösungen der Busproblematik zu erfahren. Wie Bernd Hausmann (1. Vorsitzender der BI) gleich zu Beginn anmerkte, sei der Eindruck entstanden, die BI „Für Osterode“ sei gegen den von der Stadt Osterode favorisierten EcoBus. Die sei jedoch nicht der Fall, man habe lediglich Bedenken hinsichtlich der für das System entstehenden Folgekosten geäußert, deshalb habe man auch diese Informationsveranstaltung organisiert.
Der EcoBus, so Herminghaus, will die Vorteile von Taxi- und Busfahrten kombinieren und Anfragen mehrerer Fahrgäste bündeln. Diese sollen sich über eine Smartphone-App mit dem Zentralrechner verbinden und nach Eingabe der gewünschten Orte und Zeiten eine Nachricht mit der möglichen Abfahrtszeit erhalten. Herminghaus sagte auch, dass man sich momentan noch in der Entwicklungsphase befände und gerade an der Preisgestaltung arbeite. Denn wenn der EcoBus etwa dreimal so teuer sei wie das Privatauto, nehme der Bürger eher das Auto. Man rechne damit, dass Pilotprojekte wahrscheinlich 2016/2017 starten könnten. Wo in Südniedersachsen, sei allerdings noch fraglich. Dies werde eine Kommission festlegen. Falls ein Pilotprojekt in Osterode starte, müssten etwa zehn Busse einsatzbereit sein.
Während sich Jon Döring (BI) von der Technik des Systems EcoBus beeindruckt zeigte, brachte er auch Zweifel zum Ausdruck, ob das Vorhaben mit hauptamtlichen Fahrern auf Dauer kostendeckend zu realisieren sei. Zudem seien ältere Fahrgäste nicht so technik­affin. Für Raymond Rordorf sei der EcoBus das System der Zukunft, in das er viel Hoffnung setze. Das Einstellen des Stadtbusses habe gezeigt, dass trotz Marketing ein fester Fahrplan nicht optimal sei. „Es ist dennoch schade, dass der Bürgerbus der BI nicht an den Start gegangen ist, weil wir ihn wirklich brauchen“, so Rordorf, der der Meinung war, dass sich die beiden Systeme keine Konkurrenz machen würden und appellierte an die BI, weiterhin den Dialog zu suchen. Ganz offen blieben an dem Abend jedoch die Fragen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen Taxiunternehmen nach Einführung des EcoBus zu erwarten hätten und wie dann die Schülerbeförderung im Landkreis funktionieren soll.