Ein Hauch der großen Bühnen in Osterode

Mit „Rock me Amadeus“ aus „Falco Meets Amadeus“ endete der 1. Akt. (Foto: kluge)

Besucher von „Dreams of Musical“ restlos von der Aufführung begeistert

Von Camillo Kluge, Osterode
Um ein schönes Musical zu sehen jedes Mal nach Hamburg, Stuttgart, Berlin oder Köln zu reisen, wo viele der großen Produktionen in Deutschland ihre Bühne haben, ist recht aufwändig. Da kommt eine Show wie „Dreams of Musical“, die am Sonnabend die vielen Besucher in der Stadthalle Osterode begeisterte, gerade recht. Mit einem bunten Reigen verschiedener Lieder aus den populärsten Musicals, verpackt in eine kleine Geschichte, wehte ein Hauch der großen Bühnen auch durch die Osteroder Stadthalle.
Der Erfolg hat dabei verschiedene Väter. Zum einen ist es die Auswahl der Stücke. Vom „Willkommen“ aus „Cabaret“ über „Wein nicht um mich Argentinien“ aus „Evita“ bis zu den Gospel-Hits aus „Sister Act“ oder Medleys aus „Saturday Night Fever“ oder „Grease“ waren reichlich populäre Musicals und Songs im Angebot. Dabei wechselten schwungvolle und lustige Songs, die mit entsprechenden Tanzszenen gespickt waren, mit den großen Gefühlen. Aber bei genau diesen Stücken zeigte sich dann auch die stimmliche Qualität der Hauptdarsteller, allen voran Espen Nowacki und Nadine Hammer. Beim Titelsong von „Phantom der Oper“ zeigte Hammer das erste Mal so richtig, was in ihrer Stimme steckt, meisterte die klassisch angelegten hohen Töne mühelos. Auch bei „Ich gehör nur mir“ aus „Elisabeth“, einer intensiven und schweren Nummer, zeigte sich ihre gesangliche Klasse. Solche anspruchsvollen Lieder sind bei den Herren seltener, doch beim wohl schwierigsten Solo „Unstillbare Gier“ aus „Tanz der Vampire“ zeigte Nowacki seine Klasse auf beeindruckende Weise.
Gut an kam auch das Spiel mit dem Publikum. Der moderierende Christian Backhauß suchte häufig den Weg in die Zuschauerränge, spann die Gäste vereinzelt ein. Mutig zeigte sich da besonders Lisa, denn die junge Frau folgte ihm nicht nur auf die Bühne, sondern trat auch mutig zu einer tänzerischen Hebenummer wie gerade zuvor in „Dirty Dancing“ gesehen erfolgreich an. Auch die Damen aus dem Gewerbe holten sich zu „Schaff die Männer ran“ in „Jekyll und Hyde“ einige Herren aus dem Publikum, um sie kokett zu umgarnen.
War der erste Akt vorrangig auf Zuhören und Genießen angelegt, brachten im zweiten Gassenhauer und Stücke zum Mitklatschen Bewegung ins Publikum. Selbst mitsingen mussten die Zuschauer, als Nowacki und Zoltan Tombor als perfekte Imitatoren der „Blues Brothers“ zu „Minnie the Moocher“ die Zuschauer zum Chor baten. Beim Udo-Jürgens-Medley aus „Ich war noch niemals in New York“, bei Queens „We will rock you“ und schließlich beim Abba-Medley aus „Mamma Mia“ gab es dann für die Zuschauer kein Halten mehr. „Dreams of Musical“, das zwar auch im Vorjahr in Osterode gastierte, aber etwa die Hälfte des Programms mit neuen Songs bestreitete, machte jedenfalls mächtig Appetit auf Musical. Vielleicht sollte man ja doch mal nach Hamburg oder Berlin reisen, es muss ja nicht gleich New York sein.