Ein Klassiker in zeitgemäßer Verpackung

Räuberhauptmann Karl von Moor (hinten rechts) und seine Bande. (Foto: Kluge)

Schillers Räuber überzeugen in der Stadthalle Osterode / Zweites Stück im Theater-Abo

Von Camillo Kluge, Osterode

Zynisch ist es, als Karl von Moor „Dem Mann kann geholfen werden“ sagt, den letzten Satz in „Die Räuber“. Die Hilfe ist für den Räuberhauptmann und seine Familie von endgültiger Natur und bedeutet den Tod. Umso mehr Leben kam in die Zuschauer, die das Schauspiel von Friedrich Schiller als zweites Stück im Theater-Abonnement auf der Bühne in der gut besuchten Stadthalle sahen und mit reichlich Applaus bedachten.
Dabei war es zu Beginn gar nicht so leicht den klassischen Texten Schillers zu folgen, die dennoch in einem auf die heutige Zeit angepassten Stil präsentiert wurden. Moderne Kleidung und Typen, ein schon minimalistisch zu nennendes Bühnenbild in Kombination mit den alten Versen schien sich zunächst zu beißen. Doch mit etwas Konzentration fand man sich doch recht schnell hinein in die „Die Räuber“, die eben auch heute noch die volle Aufmerksamkeit des Publikums verlangen.
Dafür wurden die Zuschauer belohnt mit starken Leistungen guter Darsteller und vor allem packenden Monologen. Allen voran glänzten die beiden so verschiedenen Brüder Karl und Franz von Moor. Vor allem Karl, dargestellt von dem aus dem Fernsehen unter anderem aus den Schimanski-Filmen bekannten Julian Weigend, und Franz (Julius Bornmann) beeindruckten mit der Darstellung ihrer doch extremen seelischen, gefühlsmäßigen Gegensätze. Karl, mit den hehren Tugenden wie Aufrichtigkeit und Worttreue, mit Stolz und Ehrgefühl gesegnet, gerät dennoch auf die schiefe Bahn. Franz hingegen ist der intrigante Strippenzieher, der alles seinem Ziel unterordnet, allein Regierender über das Familienvermögen zu werden. Beide haben ein großartiges Spiel, eine starke Bühnenpräsenz, so dass schöne Kulissen und Dekorationen gar nicht groß vermisst werden. Die vielleicht stärkste Szene haben beide Protagonisten in der Ahnengallerie, wo sie beide auf das Finale führende längere Monologe haben, während der Bruder im „Bild“ steht.
Auch die weiteren Darsteller spielten ihre Rolle ordentlich, egal ob der linkische Hermann (Wolfgang Grindemann, der noch zwei weitere Personen verkörperte) oder auch das Räuberensemble. Lediglich die Amalia (Maya Forster) wirkte etwas blass, kam ein wenig wie ein Heimchen, weniger wie eine weitere wesentliche Hauptrolle herüber. Das mag allerdings auch an der Anlage der Rolle liegen.
Insgesamt allerdings wurde den Abonnenten ein Klassiker der deutschen Literatur in einer zeitgemäßen Verpackung präsentiert. Dazu die starken Darsteller bescherten gut zweieinhalb Stunden hervorragender und spannender klassischer Unterhaltung.