Erste Garde der deutschen Musical-Szene brilliert

Sir Carew (Reinhard Brussmann, von links), Dr. Jekyll (Yngve Gasoy-Romdal) und Lisa Carew (Leah Delos Santos) besprechen die geplante Hochzeit. (Foto: Kluge)

Die Aufführung Jekyll & Hyde lässt keine Wünsche offen

Osterode (cfk). Musical-Theater vom Allerfeinsten bekamen die Besucher von „Jekyll & Hyde“ in der Stadthalle in Osterode präsentiert. Denn diese Tournee-Version wartete völlig unüblich mit der ersten Garde der deutschen Musical-Szene auf. Allen voran der Norweger Yngve Gasoy-Romdal, der nicht nur in der Kölner Produktion für diese Rolle bereits 2003 als bester deutschsprachiger Musical-Darsteller ausgezeichnet wurde, sondern auch bei der Uraufführung des Musicals „Mozart!“ die Titelrolle spielte.
Mit Leah Delos Santos als seine Verlobte Lisa Carew und Anne-Mette Riis hatte er zwei starke weibliche Ergänzungen. Die gebürtige Philippinin Delos Santos scheint sich im Laufe der Jahre stimmlich mehr zu verbessern. Glockenrein, akzentfrei und bestens zu verstehen waren ihre Gesangsstücke. Riis, die für die ausgefallene Sabrina Weckerlin einsprang, meisterte die Herausforderung als Cover prima. Wobei ihre Stärken definitiv auch bei den getrageneren, eher klassisch angelegten Stücken lagen.
Schließlich stand mit Reinhard Brussmann als Sir Danvers Carew noch ein weiterer herausragender Darsteller auf der Bühne. Ihm wurde einst die Ehre zuteil, anlässlich der Gala „10 Jahre Les Miserables“ in der Londoner Royal Albert Hall mitzusingen. Auch der Rest des großen Ensembles bestand grundsätzlich aus Darstellern, die bereits über ein gewisses Maß an Erfahrung und Qualität verfügten. So waren auch die vielen Ensemble-Szenen nicht nur von der Choreografie der Tänze her auffallend stark. Auch gesanglich erlebte die Show hier keinen Abbruch. Allein der Auftakt „Mörder, Mörder“ des zweiten Aktes lockte gleich wieder zum Mitwippen des Fußes.
Die bekannte Musik, komponiert von Frank Wildhorn, wurde vom 17-köpfigen Orchester live gespielt. Die Kulissen waren flexible Stellwände, ideal für eine kleine Tournee-Version. Mit wenigen, zum Teil von den Darstellern spielerisch vollzogenen Handgriffen wechselten die Örtlichkeiten. Den Rest besorgte die gut eingestellte Beleuchtung.
Doch der absolute Höhepunkt war sicher der Zwiegesang zwischen Jekyll und Hyde. In unnachahmlicher Art präsentierte Gasoy-Romdal seinen inneren Kampf, wechselte in Sekundenabständen nicht nur Haltung und Ausdruck. Ihm gelang es auch, den Jekyll stets etwas weicher klingen zu lassen, Hyde hingegen einen harten Unterton zu verleihen. Das in dieser „Konfrontation“ so perfekt zu singen, zeugt allein von seiner Klasse.
Wer diesen absoluten Höhepunkt im diesjährigen Theaterkalender verpasst hat, kann vielleicht noch Karten für die heutige (Donnerstag) Aufführung im Goslarer Odeon Theater ergattern. Denn für einen solchen Cast, solche Qualität, bezahlt man in den großen Musical-Häusern meist den doppelten Preis.