Fachkräftemangel ist die größte Herausforderung

Tobias Broda (Teamleiter der Berufsberatung), Christine Gudd (Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Göttingen) und Klaus-Dieter Gläser (Vorsitzender der Geschäftsführung) blicken positiv in die Zukunft.

Landkreis Osterode hat die höchste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk

Die neuesten Zahlen vom Arbeitsmarkt entsprechen den Erwartungen der Experten. Der leichte Anstieg zu Jahresbeginn wird den Witterungsverhältnissen zugeschrieben.
Auch im Agenturbezirk Göttingen, der den Landkreis Osterode einschließt, stiegen die Arbeitslosenzahlen zuletzt an.

Von Maximilian Strache

Osterode / Göttingen. Der Landkreis Osterode hat dabei die höchste Arbeitslosenquote im gesamten Agenturbezirk. Die Statistik der Agentur für Arbeit weist elf Prozent (3.956 Arbeitslose) für die Geschäftsstelle Osterode aus. Die niedrigste Quote im Agenturbezirk entfällt auf die Geschäftsstelle Duderstadt. Dort sind 7,1 Prozent der Bevölkerung ohne Arbeit. Die Quote für den gesamten Agenturbezirk Göttingen beläuft sich auf 8,8 Prozent.
Trotz der verhältnismäßig hohen Arbeitslosenquote im Landkreis Osterode, die rund 3,2 Prozent über dem Durchschnitt des Landes Niedersachsen liegt, gibt es keinen Grund, Trübsal zu blasen, weiß Wolfgang Günther, Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit in Osterode. „Natürlich ist der neuerliche Anstieg nicht erfreulich, dennoch haben wir allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken.“ Viele neu gemeldete Arbeitslose hätten bereits konkrete Einstellungszusagen. Zudem ist die Arbeitslosenquote laut der Statistik im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt gesunken. Das sei gerade im Hinblick auf einige Firmenschließungen im Landkreis Osterode eine gute Entwicklung. „Natürlich sind Schließungen, wie die der Firma Mende in der Samtgemeinde Bad Grund, tragisch. Doch wir können davon ausgehen, dass sich die wirtschaftliche Lage im Landkreis weiter stabilisieren wird“, sagt Günther.
Auch Klaus-Dieter Gläser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen, sieht positiv in die Zukunft. Anlässlich der ersten Pressekonferenz im neuen Jahr in Göttingen prognostizierte Gläser eine Fortsetzung des Aufschwungs. „Vielleicht wird der Aufschwung nicht mehr so dynamisch wie im zurückliegenden Jahr sein, doch wir rechnen fest mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen“, erläutert Gläser.
Eine Bremse des Aufschwungs sieht Gläser im zunehmenden Fachkräftemangel. „Die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte wird ein wichtiger Faktor bei der künftigen Entwicklung sein. Sollten die Unternehmen und Betriebe keine geeigneten Mitarbeiter finden, werden sie auch nicht wachsen können“, so Klaus-Dieter Gläser.
Beim Stichwort Fachkräftemangel meldet sich auch Tobias Broda, Teamleiter der Berufsberatung, zu Wort: „Vor allem im Metall- und Elektrobereich, in der Logistik-Branche, im Pflege- und Gesundheitswesen sowie in der Gastronomie und in den klassischen Handwerksberufen herrscht akuter Fachkräftemangel; da sind die Chancen auf Einstellung für alle gelernten Kräfte besonders groß.“
Eine Einschätzung, die auch Wolfgang Günther teilt. „Im Landkreis Osterode fehlt es vor allem im gastronomischen Bereich sowie in der Metall- und Elektrobranche an geeignetem Personal.“ In diesem Zusammenhang appelliert der Geschäftsstellenleiter an die Flexibilität der Arbeitsuchenden. „Natürlich müssen die Arbeitsuchenden über den Tellerrand schauen und sich den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes anpassen“, fordert Günther.
Auch der demografische Wandel wird von den Arbeitsmarktexperten nicht per se als schlecht bewertet. „Die zunehmende Anzahl älterer Menschen ist auch eine Chance für Arbeitnehmer. Die alten Menschen brauchen Pflege und müssen gesundheitlich betreut werden. Das ist ein riesiger Wachstumsmarkt“, stellt Gläser heraus. Auf Nachfrage gibt Gläser jedoch zu, dass die politischen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen einer grundlegenden Prüfung unterzogen werden müssen. Die gegenwärtigen Beschäftigungsbedingungen in der Pflege- und Gesundheitsbranche sind nämlich nicht ideal.
Für alle, die sich beruflich neu orientieren wollen beziehungsweise müssen, hat der Osteroder Geschäftsstellenleiter noch eine gute Nachricht parat. „Wir bieten modulare Fortbildungen an. Das heißt, dass wir Arbeitsuchende gezielt in bestimmten Bereichen schulen und nicht mit unnötigen Qualifizierungsmaßnahmen aufhalten.“ Davon versprechen sich die Mitarbeiter der Arbeitsagentur vor allem eine schnellere Vermittlung der Arbeitslosen in eine feste Anstellung.