Flüchtlinge stellen Osterode vor große Aufgaben

Im ersten Quartal 2016 muss die Kreisstadt mit weiteren 180 Asylsuchenden rechnen

Weil im ersten Quartal des kommenden Jahres mit der Ankunft von weiteren 180 Flüchtlingen in der Stadt Osterode und deren Ortschaften zu rechnen ist, hatten Osterodes Bürgermeister Klaus Becker und der Leiter des Fachbereichs Bürger, Wieland Mücke, zu einem Pressegespräch ins Rathaus geladen.

Zwar hätten alle Mitarbeiter bei den bislang rund zu betreuenden 300 Asylbewerbern große Einsätze gefahren, doch müsse jetzt noch viel mehr bewegt werden, so Becker.
Man müsse sich auch die Frage stellen, wie lange die Stadt noch mit eigenen und von Bürgern zur Verfügung gestellten Wohnungen den Zustrom auffangen könne. Es gelte jetzt, den freien Wohnungsmarkt intensiv „abzugrasen“. Dabei bestünde durchaus auch die Möglichkeit, Wohnungen anzumieten, um diese bis zum Bedarfsfall leer stehen zu lassen.
Mieter sollen sich an Bereich Soziales wenden (Telefon: (05522) 318364/318365). Es sollten sich auch diejenigen melden, die vielleicht zu anderer Zeit verprellt wurden.
„Das erste Quartal 2016 wird nicht einfach zu schaffen sein, wir werden uns aber bemühen denn wir müssen es schaffen“, so Becker. Wie es aber in den anderen Quartalen weitergehen wird, wisse man noch nicht. Langsam käme man nämlich in den Bereich, wo auch die Nutzung von Wohnblöcken und Gemeinschaftsunterkünften, wie beispielsweise jetzt die Lindenberghalle, in die Überlegungen aufgenommen werden müssten.
Flüchtlinge sollen auch in entlegenen Ortschaften, wie etwa Riefensbeek-Kamschlacken und Lerbach, untergebracht werden. Schon jetzt seien von dort positive Signale zu verspüren. Die Willkommenskultur in der Stadt und den Ortschaften von Osterode sei schließlich sehr ausgeprägt, und er werde bei Sternensängern sagen, dass alle stolz sein können auf das Gemeinwesen und das, was Bürger schon für die Flüchtlinge getan haben und weiter tun werden. Er werde nochmals den Ehrenamtlichen für deren völlig uneigennützigen, sehr zeitaufwendigen Einsatz danken.
Becker und Mücke ließen es sich auch während des Gesprächs nicht nehmen, all den Ehrenamtlichen, welche sich unermüdlich und ausgerüstet mit Engagement sowie Ideen für die bislang über 300 Flüchtlinge in Osterode und den dazugehörigen Ortschaften einsetzten, ein überaus großes Dankeschön auszusprechen. Das Ehrenamt sei schließlich ein ganz wichtiges Element. „Wir brauchen aber noch mehr“. Wer also Interesse hat, der sollte sich bitte entweder an Horst und Uta Augert (Telefon: (05522) 73246) oder an Brigitta und Loukas Maniatis (Telefon: (05522) 951847) wenden.
Becker erinnerte auch daran, dass die Stadt Osterode schon im August 2014 den Kreis darauf hingewiesen habe, dass die bis dahin kleine Flüchtlingswelle in dieser Region sehr viel größer werden würde. Erst ein halbes Jahr später habe der Kreis reagiert und im Mai dieses Jahres eine Anlaufstelle aufgebaut und eröffnet. Er, der Landkreiskritiker, könne jetzt aber sagen, dass die Zusammenarbeit zwischen Stadt, anderen Gemeinden und dem Landkreis hervorragend ist. „Sie machen einen richtig guten Job, was bei der Einrichtung der Lindenberghalle und im täglichen Geschäft zu spüren ist“.
Man dürfe aber nicht vergessen, dass die Flüchtlinge, die keinen Anspruch auf ein Bleiberecht haben, schnellstmöglich in deren Heimat zurückgeschickt werden, auch wenn es den einen oder anderen Fall geben wird, der umstritten ist, müsse man hart sein und Regeln beachten.

Auswirkungen auf den Haushaltsplan der Stadt

In dem Zusammenhang kam Klaus Becker auch auf den Haushalt der Stadt zu sprechen. Er habe bereits bei seiner Haushaltsabschlussrede darauf hingewiesen, dass der Flüchtlingsstrom dieses Papier an einer Ecke durcheinander wirbeln werde. Denn bei der Unterhaltung von und Bau- oder Investitionsmaßnahmen in städtische Gebäude, bekäme man – abgesehen von den Mieten – nichts zurück. Auf der anderen Seite des Tunnels sei aber ein Licht zu sehen, denn Baumaßnahmen seien letztendlich ein Konjunkturpaket für Stadt und Handwerksbetriebe, die in den nächsten Jahren gut ausgelastet sein dürften. Im Prinzip dürfte es sehr positive Zeiten für Wirtschaft und Gemeinwesen geben, und das trotz der Anstrengungen, die gemacht werden müssen.
Wieland Mücke kam allerdings auf einen weiteren wichtigen, problematischen Punkt zu sprechen: Schulen und Kindergärten mit dem Nachwuchs der Flüchtlinge zu befüllen. Da müssten wohl die Planungen neu aufgenommen werden, weil man auf einen derartigen Zuwachs nicht eingestellt war. Insbesondere im Kindergarten-Bereich, stünde man kurz vor dem Limit. Während in den einen Einrichtungen noch Plätze frei seien, wären die anderen voll besetzt. Man werde aber eine Lösung finden müssen, weil die Zahlen sich stets ändern, und jetzt viele Kleinstkinder gekommen sind und kommen werden
In den Osteroder Schulen befände man sich auf der kreativen Schiene, weil den Flüchtlingskindern, die keine Deutschkenntnisse haben, von Lehrern und ehrenamtlichen Helfer/innen Brücken zu den Unterrichtsfächern gebaut werden.
Einziger Weihnachtswunsch der beiden ist: „ Dass wir es 2016 genauso gut hin bekommen“.