Gläubige nehmen Abschied

Bischof Nobert Trelle im Gespräch mit einem der Gäste beim Beisammensein nach dem Gottesdienst.
 
Die letzte Hl. Messe in der katholischen St.-Martin-Kirche in Osterode. Bischof Norbert Trelle hat das Gotteshaus entweiht.

Die Osteroder St.-Martin-Kirche wurde entweiht

Vor zwei Jahren, im Oktober 2013, hielt der Generalvikar des Bistums Hildesheim, Prälat Dr. Werner Schreer, die überaus gut besuchte Messe zum 50-jährigen Jubiläum der St.-Martin-Kirche in Osterode. Jetzt, zwei Jahre später, kam der Diözesan-Bischof Norbert Trelle in die Sösestadt, um die Kirche während der letzten gut besuchten liturgischen Feier zu entweihen.

Pfarrer Mieczyslaw Kamionka, der seit zehn Jahren Seelsorger der Johannesgemeinde ist, hieß alle Besucher, unter ihnen auch der stellvertretende Bürgermeister Peter Wendland, Superintendent Volkmar Keil und Vertreter des Hilfsvereins der Siebenbürger Sachsen „Samuel von Brukernthal“ Osterode, willkommen. Der Hilfsverein ist der neue Besitzer des Gotteshauses. Auch Mitglieder des Pfadfinder-Stammes „St. Barbara“ waren zu dieser letzten Messe gekommen.
„Nun gilt es, Abschied zu nehmen. Was zu Ehren Gottes für eine Ewigkeit angelegt wurde, ist jetzt plötzlich zu Ende“, so Kamionka. Dies gelte jedoch nur für diese Kirche und nicht für den Glauben. Er sei sich sicher, dass noch Generationen auf Liebe und Hoffnung setzen und damit die Tür zu Jesus Christus offen halten werden.
Bischof Trelle versicherte, dass dies nicht die erste und bestimmt nicht die letzte Schließung einer Kirche sein werde. Schließlich gehe im Leben nicht alles so glatt, wie es am Anfang erhofft werde. Trotzdem sollte niemand in Trauer und Wehmut verfallen. Die Schließung der St.-Martin-Kirche sei kein Ab- sondern viel eher ein Aufbruch und damit eine Herausforderung für die Zukunft. Niemand solle es sich laut Trelle nehmen lassen, mit offenem Herzen in die Zukunft zu schauen und auch zu gehen.
Er kam aber auch auf das aktuellste Thema dieser Tage zu sprechen: Die Flüchtlingssituation. Er sei vor zwei Jahren in Syrien in einem Flüchtlingslager gewesen und habe dort großen Schmerz gesehen. Allerdings hätten ihm dort viele Kinder gezeigt, wie stark sie sind. Sie hatten laut Trelle keinen Hehl aus ihrer Hoffnung gemacht, irgendwann ein besseres Leben zu erfahren. Wenn die Flüchtlinge ein neues Ziel in Deutschland vor Augen hätten, solle jeder dazu beitragen, dass diese Fröhlichkeit nicht bestraft wird.
Nachdem Organist Marcus Danne und der Kirchenchor sowie die Solistin Dorothea Hauck zum Zuhören und Mitsingen animiert hatten, verlas Pfarrer Mieczyslaw Kamionka die Urkunde, auf der die Schließung der St.-Martin-Kirche geschrieben stand. Bischoff Trelle versicherte, dass dieses Haus als St.-Martin-Kirche, als Mittelpunkt des Gemeindelebens, nicht in Vergessenheit geraten werde. Schließlich wurden in ihr viele Menschen getauft und getraut. Nach der heiligen Eucharistie nahmen viele die Gelegenheit wahr, bei Speis und Trank miteinander zu sprechen. In dieser Zeit wurde der Altar abgeräumt. Pfarrer Kamionka entnahm die Heiligen Reliquien und überreichte diese an Bischof Trelle.
Dass die Tür des Hauses, in dem gebetet, getauft, geheiratet und Abschied genommen wurde, nicht endgültig ins Schloss fallen wird, dafür sorgt der neue Besitzer, der Hilfsverein der Siebenbürger Sachsen „Samuel von Brukernthal“ Osterode. Bereits am Dienstag, 13. Oktober, wird der „Schwarzmeer-Kosaken-Chor“ unter der Leitung von Peter Orloff dort seine Stimmen erklingen lassen. Karten gibt es hierfür ab sofort im Altenheim Siebenbürgen, Siebenbürgenweg 1 in Osterode.