Kaffeefahrtveranstalter nötigt Besucher

Osterode (bo). „Wenn Sie die Bestellung nicht unterschreiben, fahren wir Sie auch nicht wieder nach Hause …“. Diesen Satz musste sich eine ältere Dame während einer Verkaufsveranstaltung anhören. Sie berichtete der Verbraucherzentrale, dass sie zu einer Gewinnauszahlung von 1.500 Euro nebst schnurlosem Telefon von der Firma „Das Telefonbuch – Ihr örtliches Verzeichnis für Deutschland“ aus Stapelfeld eingeladen wurde.
Ilsemarie Luttmann, Beratungsstellenleiterin der Verbraucherzentrale Osterode: „Diese Aussage des Verkaufsveranstalters ist eine glatte Nötigung. Der Veranstalter muss die Betroffenen in jedem Fall wieder nach Hause fahren, denn sie haben einen Tagesausflug gebucht. Teil dieser Vereinbarung ist eine kostenlose Hin- und Rückfahrt.“ Sie rät Verbrauchern, denen so etwas passiert ist, sich nicht einschüchtern zu lassen, die Namen von Mitreisenden zu notieren und umgehend gegen den Veranstalter Strafanzeige bei der Polizei zu stellen.
Etliche Verbraucher erhalten derzeit mehrere „Erinnerungsschreiben“ von „Das Telefonbuch“ mit dem Hinweis, sich zu melden, da man sonst gezwungen sei, den Gewinn neu zu verlosen. Mit der Verwendung des Markennamens „Das Telefonbuch – Ihr örtliches Verzeichnis für Deutschland“ und der direkten persönlichen Ansprache, teilweise auch Nennung des Geburtsdatums, erhält die Gewinnbenachrichtigung einen seriösen Anstrich. Beraterin Luttmann: „Das Unternehmen aus Stapelfeld ist alles andere als seriös! Diese Schreiben sind dreist und lediglich ein Lockmittel zu einer Verkaufsveranstaltung. Eine Gewinnübergabe ist nie beabsichtigt. Am besten ist es, das Schreiben einfach wegzuwerfen!“.
Für Verbraucher, die dennoch mitfahren wollen, hält sie folgenden Tipp parat: Unterschriebene Bestellungen für fragwürdige Produkte können widerrufen werden. Vorausgesetzt, die korrekten Daten eines Ansprechpartners sind bekannt. Im vorliegenden Fall ist der Widerruf an die Firma PK-Vertrieb, Inhaberin Petra Keil, Schütte-Lanz-Straße 6a in 27793 Wildeshausen zu richten. Ein Widerruf ist nicht möglich, wenn Waren im Wert von unter 40 Euro gekauft, bezahlt und gleich mitgenommen wurden.
Eine weitere Falle lauert oft in dem gleichzeitig zur Bestellung unterschriebenen Speditionsauftrag. Wer den Vertrag nicht einhält – zum Beispiel widerruft – soll in jedem Fall eine zehnprozentige Stornopauschale und eine Anlieferungspauschale in Höhe von 150 Euro zahlen. Hier gilt ebenfalls ein uneingeschränktes Widerrufsrecht. Fehlt diese entsprechende gesetzliche Belehrung, kann man auch noch später widerrufen.