Medikamentenabhängigkeit – Die stille Sucht

1,5 Millionen Menschen gelten in Deutschland als medikamentenabhängig.

Fachstelle für Sucht und Suchtberatung des Diakonischen Werkes bietet im November einen Fachtag an

Um bei der Arbeit oder auch in der Familie zu funktionieren, greifen viele Menschen auf ein Schmerz-, Beruhigungs- oder Schlafmittel zurück. Bei einigen von ihnen wird der Griff zur Tablette zur Gewohnheit, ohne dass sie sich – anders als bei anderen Süchten – der Risiken bewusst sind. Etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland gelten als alkoholabhängig, fast ebenso viele, nämlich 1,5 Millionen Menschen, als medikamentenabhängig.

Auffällig ist eine Diskrepanz zwischen der Zahl der Medikamente, die außer den notwendigen auf dem Markt sind, und der Zahl der Menschen, die wegen Medikamentenabhängigkeit eine Beratungsstelle aufsuchen, sagt Ingrid Baum von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Harzer Land. „Anders als bei der Alkoholabhängigkeit ist das Bewusstsein, dass eine Sucht entstehen kann, wenig vorhanden“, sagen sie und Anna von Wensiersky, „viele nehmen eine Tablette schon bevor etwas ist und die Akzeptanz dafür ist groß”.
Der unreflektierte Gebrauch von Medikamenten ist gefährlich, das Thema sehr aktuell, das Problembewusstsein hingegen gering. Am Mittwoch, 4. November, lädt die Fachstelle daher in die Klinik Herzberg zum Fachtag „Medikamentenabhängigkeit – Die stille Sucht“ ein. Baum will Ärzten und Apothekern keine Schuld zuweisen, jedoch hätten sie Verantwortung für ihre „Stammkunden“ und vor allem die Chance, diese gegebenenfalls anzusprechen und aufzuklären. Voraussetzung hierfür sind ein Problembewusstsein und die nötigen Hintergründe, um über Alternativen zum gedankenlos eingenommenen Medikament zu informieren.
Der Fachtag richtet sich auch an alle im Sozial- und Gesundheitsbereich sowie insbesondere an alle in der Altenpflege Tätigen, die sensibilisiert werden sollen für „diese versteckte Sucht und ein Thema, dass selbst Fachkräfte manchmal nicht auf dem Schirm haben“, sagen Baum und von Wensiersky. Daher informieren Prof. Dr. med. Ursula Havemann-Reinicke, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie sowie Vorstandsmitglied des Norddeutschen Suchtforschungsverbandes, in einem Einführungsvortrag und Andreas Kutschke, Pflegewissenschaftler, Gesundheits- und Krankenpfleger für geriatrische Rehabilitation, in einem Vortrag zu Medikamentenabhängigkeit im Alter zu diesem Themenkomplex und es werden Workshops mit Kutschke und Dr. med. Sabine Radtke, Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, angeboten.

Der Fachtag startet am Mittwoch, 4. November, um 13.30 Uhr in der Cafeteria der Helios-Klinik und dauert bis etwa 18 Uhr. Anmeldungen bei der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention sind ab sofort unter der Telefonnummer (05521) 6916, per Fax an (05521) 918463 sowie per Mail an mail@suchtberatung- herzberg.de möglich.