NABU schafft Teichbiotop für seltene Amphibien

Die Baggerarbeiten wurden bereits begonnen.

Im Landkreis OHA hat die örtliche NABU-Gruppe viele Lebensräume für bedrohte Planzen und Tiere geschaffen

Der NABU Osterode am Harz hat in den vergangen Jahren viele Lebensräume für bedrohte Tiere und Pflanzen geschaffen. Ob die Anlage von Streuobstwiesen, Anpflanzung von Hecken oder vielseitige Aktionen zum Schutz von Fledermäusen: die NABU-Gruppe Osterode ist hier und in vielen weiteren Bereichen überaus aktiv. Ein großes Problem stellen allerdings Kleingewässer dar. Der Landkreis Osterode ist Lebensraum für 14 der in Deutschland vorkommenden Amphibien. Zwei dieser Arten - Laubfrosch und Gelbbauchunke - gelten mittlerweile im gesamten Landkreis als verschollen.
In diesem Zusammenhang und im Rahmen der Planung zu einer Renaturierung des Hackenbachtales zwischen Wulften und Schwiegershausen hörte Frau Ursula Glock-Menger, 2. Vorsitzende des NABU Osterode am Harz, vom NABU Niedersachsen Projekt 'Lebendige Teiche'. Ziel des NABU Niedersachsen Projekt ist es, selten gewordenen Amphibienarten, wie den Laub- oder Moorfrosch, die Gelbbauchunke, die Kreuzkröte oder auch den Kammmolch in ihren Beständen zu sichern bzw. wieder anzusiedeln. Gefördert von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung sollen bis Ende 2013 landesweit insgesamt 50 neue Kleingewässer in Siedlungsnähe entstehen, die zwar relativ groß, dafür aber recht flach angelegt werden. "60 Zentimeter Wassertiefe reichen vollkommen aus", erklärte Ralf Berkhan, Projektleiter des NABU Niedersachsen. "Dadurch können sich die Gewässer zum einen schneller erwärmen, zum anderen dürfen sie im Spätsommer gerne einmal austrocknen und im Winter durchfrieren. Damit wird eine dauerhafte Ansiedelung von Fressfeinden der Kaulquappen verhindert", betonte Ralf Berkhan.
Das Hackenbachtal eignet sich hervorragend zur Anlage einer der Teiche aus dem "Lebendige Teiche-Projekt", so Berkhan weiter. "Auen sind die ursprünglichen Lebensräume der genannten Amphibien, da sie durch ihre Dynamik mit Überschwemmung und Austrocknung für die optimalen Bedingungen sorgen."
Allerdings mussten zunächst noch ungeahnte Schwierigkeiten überwunden werden. Es stellte sich nämlich heraus, dass sich innerhalb der Fläche, die zunächst für die Anlage erwählt wurde, eine Druckwasserleitung verläuft und daher keine Genehmigung zur Erstellung eines Amphibienteiches erteilt werden konnte. Glücklicherweise konnte ein paar hundert Meter weiter eine weitere geeignete Fläche ausgemacht werden. Diese erhielt dann von allen Beteiligten die erforderliche Zustimmung und in dieser Woche war es dann endlich soweit. Trotz Schnee und eisiger Kälte rückte der Bagger der Firma Gropengießer am frühen Donnerstagmorgen an und innerhalb eines Tages entstand ein neues Biotop, welches sich schon während der Baggerarbeiten langsam mit Wasser füllte. Nach der Schneeschmelze mit deutlich mehr Wasser gefüllt, werden sich hier hoffentlich schon im kommenden Frühjahr die ersten Amphibien tummeln. Ob auch schon seltenere Arten wie der Kammmolch dazugehören bleibt abzuwarten. Der Laubfrosch, für den dieses Gewässer eigentlich optimal wäre, wird hier in den nächsten Jahren sicherlich noch nicht zu sehen oder zu hören sein, da seine Bestände in den letzten Jahrzehnten auch im Landkreis Osterode dramatisch abgenommen haben. Die Schaffung von Biotopen dieser Art und der unermüdliche Einsatz der vielen ehrenamtlichen Naturschützer wie Ursula Glock-Menger, gibt Anlass zur Hoffnung, dass eine frühere Allerweltsart, die u.a. Pate für Kermit den Frosch oder den Froschkönig stand, seine ehemalige Heimat auch im Osteroder Raum wieder zurück erobert.
Neben dem Bau von Kleingewässern sucht der NABU Niedersachsen innerhalb des Projektes 'Lebendige Teiche' auch Freiwillige, die in einem zweitägigen Seminar zum 'Natur-Teichberater in ihrer Region' ausgebildet werden können. Der NABU erhofft sich, auf diese Weise niedersachsenweit Ansprechpartner für Menschen zu finden, die auch in ihrem Garten seltenen Amphibien ein Zuhause geben wollen, aber nicht wissen, wie sie dabei vorgehen sollen.
Die nächste und letzte Schulung findet am 13./14. April 2013 auf NABU Gut Sunder statt.