Nicht nur die Herren Otto und Müller sind begeistert

Anita, Herr Otto, Herr Müller und Magda (von links) heizten dem Publikum ordentlich ein. (Foto: Bordfeld)

„Böse Schwestern“ bringen Saal mit ihrem Programm „Sex & Kreim im Altenheim“ zum Toben

Der Filmsaal der Kreisvolkshochschule wurde erst in das Kaminzimmer des „Herz-Maria-Jesu-Altenheims“ und dann in eine vom Winde verwehte Prärie, in welcher Büffel muhten und ein Pferd mittels Kokosnussschalen galoppierte, umfunktioniert. Denn die beiden „Bösen Schwestern“, Anita - ihres Zeichens eine ehemalige Chansonette aus Ungarn, welche schon Hitchcocks Vögel synchronisiert hat – und Magda, Besucherin und Bürokraft des Hauses, hatten die Organisation eines Tages der offenen Tür mit Galaabend in die Hand genommen. Dabei erfuhren die hannoverschen „Mädels“ übrigens nicht nur große Unterstützung seitens des gesamten Publikums, sondern insbesondere von den beiden Herren Otto und Müller, die ebenfalls in die KVHS gekommen waren, um „Sex & Kreim im Altenheim“ hautnah mitzuerleben.
Wie schon im vergangenen Jahr, hatten Anita und Magda (Adrian Anders und Chris Palmer) die Gläschen Eierlikör ebenso dabei, wie das fantastische Zusammenspiel von satirischem Redeschwall, atemberaubender Mimik und nicht weniger aussagestarker Gestik. Und die beiden unzüchtigen Damen ließen sich auch nicht davon durcheinanderbringen, dass Pokerfreund Pastor Laube im Knast saß, die Heimleitung sich mittels des Lachsalven verursachendem Handy verabschiedete und die Bewohnerzahl des Hauses bestimmt nicht aus Altersgründen kleiner wurde. Vielmehr wollten sie ein rauschendes Fest zum Erhalt des Heimes feiern, wobei sich allerdings Walter Scheels „Gelber Wagen“ mit anhaltender Aufdringlichkeit als Störenfried entpuppen sollte.
Doch mittels der Unterstützung der Show-Gäste klappte alles. Nachdem der Literaturkreis, bestehend aus Anita, sich weigerte den „Schweinkram“ Iny Lorenz Wanderhure zu lesen, kam die Idee, einen Cowboyfilm nachzuspielen. Nachdem sich Magda weigerte, das liegende Pferd zu spielen, versuchte sich die Ungarin in dieser Rolle. Das Wiehern und Ausschlagen klappte so hervorragend, dass das Publikum vor Begeisterung raste.
Die „Bösen Schwestern“ suchten sich dann aber doch im Publikum den Herrn Otto, der sofort als sitzendes Pferd überzeugte. Nun fehlte nur noch ein Cowboy, und dafür erklärte sich Herr Müller bereit. Weil ja Cowboys über die Steppen und Prärien reiten, musste eine Grünfläche noch her. Damit auch jeder sehen konnte, dass das Gras vom Winde hin und her geweht wurde, nahmen alle Zuschauer eigens dafür zur Verfügung gestelltes Papiertücher in die Hand um beides nach oben zu strecken. Die hinteren Reihen wiederum wurden zu grasenden und muhenden Bison „umgeschult“, und eine Dame in der ersten Reihe mittels Kokosnussschalen zu einem zweibeinigen, galoppierenden Pferd. Und dann ging die Post ab, nicht aber der „gelbe Wagen“.
Der Saal tobte und die beiden „Damen“ ebenso, waren doch beide Seiten von den Leistungen der anderen fasziniert. Als dann auch noch in dem immer wieder zitierten Keller des Altenheims etwas gefunden wurde, welches den Bestand des Hauses sicherte, vergaßen Anita und Magda nicht allen zu danken, die gekommen waren und mitgemacht hatten. Ein Dankeschön ging aber auch an Rüdiger Brakel, dem Leiter der KVHS, und an die Technikerin der Schwestern, an Tina sowie die Hauptdarsteller, die beide eine jeweils eine Tasse als Gage entgegennehmen durften. Dem Besuch aus Hannover wurden wahre Beifallsstürme entgegengebracht, dagegen war der Wind in der Prärie ein laues Lüftchen gewesen.
„Zum Glück kamen in diesem Jahr nur Leute, die mit dieser Art von Humor auch etwas anfangen konnten und so freue ich mich mit Ihnen schon auf den kommenden November, wenn der Titel dann aus gutem Grund „Abschied ist ein schweres Schaf“ heißen wird“, verriet Rüdiger Brakel, der bereits Vorbestellungen entgegennimmt, denn nach diesem fulminanten Auftritt, wird es viele „Wiederholungstäter“ geben.