Organisierte Notfallseelsorge feiert 10-jähriges Bestehen

Pastor Horst Reinecke (links) mit Notfallseelsorgern und Notfallseelsorgerinnen sowie einigen Gratulanten. (Foto: Bordfeld)

Pastor Reinecke lässt zur Begrüßung die Geschichte vorüberziehen, in der die NFS 100 Mal im Einsatz war

Weil seit zehn Jahren ein System der notfallseelsorgerischen Betreuung besteht, das sich um die Seele der von Schicksalsschlägen in Krisen geratene Menschen kümmert, hatte die Notfallseelsorge (NFS) im Landkreis Osterode sowie den Kirchenkreisen Herzberg und Osterode zu einer kleinen Feierstunde in den Lehrsaal der Freiwilligen Feuerwehr Osterode geladen. Und Pastor Horst Reinecke, leitender Notfallseelsorger, brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die Einladung der NSF ein so großes Echo erfahren hat.
Denn neben Vertretern von Feuerwehr und Polizei, waren auch Repräsentanten des Rettungsdienstes, des DRK, der Einsatzleitstelle, vereinzelter Kommunen, beider Kirchenkreise und der Alten Pankgrafschaft Berlin zu dieser Feierstunde gekommen.
Pastor Reinecke blickte im Zuge der Begrüßung auf die zehnjährige Geschichte zurück, in denen die Notfallseelsorge über 100 Mal im Einsatz gewesen ist, um Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen zu helfen. Schon ein Jahr vor der Gründung habe es im Zuge der Erarbeitung eines Konzeptes zum Katastrophenschutz Gespräche mit dem Landkreis, dem Rettungsdienst, der Polizei und der Feuerwehr gegeben. Es sollten Wege gefunden werden, wie die Seelsorge in diesem Bereich besser abzusichern wäre. Dabei wurde schnell deutlich, dass Seelsorge nicht nur im Großschadenfall von Nöten ist, sondern ebenso auch im „Kleinschadensfall“, wie etwa bei schweren Autounfällen, Überbringungen von Todesnachrichten oder auch dem plötzlichen Versterben von Menschen. Aus dieser Überlegung heraus wurde die Kirche gebeten, ein System zu entwickeln, das weitestgehend zuverlässig die notfallseelsorgerische Versorgung gewährleisten könnte. Das war die Geburtsstunde der „Organiserten Notfallseelsorge“ im 24-stündigen Bereitschaftsdienst. Zudem konnte im gleichen Jahr eine Sicherheitspartnerschaft von Polizei und kirchlichen Vertretern unterzeichnet werden, die sich diesem Thema der psycho-sozialen Betreuung von Menschen in regelmäßigen Zusammenkünften annimmt.
Momentan besteht das NSF-Team aus sieben aktiven Notfallseelsorgern, die den 24-stündigen Dienst an 365 Tagen im Jahr ausüben. Besonders erfreulich sei zudem, dass im Notfall, welcher muslimische Bürger berührt, auch auf drei ausgebildete muslimische Notfallseelsorger zurückgegriffen werden kann.
Es schlossen sich viele Gastredner an, die herzliche Grußworte überbrachten. Joachim Wittchen, von der Landeskirche Niedersachsen, eröffnete diesen Reigen und betonte, dass Hilfe für die Seele sehr wichtig für Menschen ist, deren Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Helga Klages ergriff als stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Osterode das Wort und überbrachte auch ihren ganz persönlichen Dank an alle, die sich seit 3650 Tagen in den Dienst der organisierten Notfallseelsorge stellen. Die Rettungsdienste versorgen zwar die körperlichen Verletzungen, aber das reiche oft nicht aus. Denn viel schlimmer seien die Bilder und die Eindrücke, welche sich bei solchen Schadenereignissen darstellen und einbrennen.
Stadtbrandmeister Thomas Schulze versicherte, dass er großen Respekt vor den Einsätzen der NFS habe, und er froh ist, dass es diese Einrichtung gibt.
Auch Superintendent Volkmar Keil schloss sich den Aussagen seiner Vorredner an. Ein ganz besonderes Dankeschön richtete er an Pastor Horst Reinecke, der die Notfallseelsorge aufgebaut hat und immer wieder in unermüdlicher Arbeit am Leben erhalte. Aber auch Pastor Bernhard Sulimma und Hans-Werner Ingold hätten in all den Jahren die Arbeit der NFS immer wieder vorangebracht, die übrigens auf drei Säulen stehe. Zu der Freiwilligkeit gehören auch die Vernetzung zu Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten und schließlich die Interkonfessionalität und Interreligiösität dazu. So freue es ihn, dass auch die katholische Kirche, insbesondere Diakon Wolfgang Jütte und islamische Notfallseelsorger hier integriert sind.
Die Notfallseelsorge ist ein für die Betroffenen kostenfreier Dienst. Die entstehenden Kosten werden zum einen durch ein Grundbudget von 400 Euro der Kirchenkreise Herzberg und Osterode getragen und zum anderen durch Spenden und Zuwendungen (KKA Osterode Kto 4023953 Sparkasse, Notfallseelsorge).